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Das Nexus One im Alltagstest

Bei Burdas DLD wurde das Google-Handy Nexus One massenhaft an Kongressteilnehmer verschenkt. Die Marketing-Aktion beweist, dass auch Google zu ungewohnten Maßnahmen greifen muss, um gegen die Dominanz von Apples iPhone im umkämpften Smartphone-Markt einen Stich zu machen. Aber wie gut ist das Nexus One wirklich? Kann es dem iPhone das Wasser reichen oder es gar übertrumpfen? MEEDIA hat das Google-Handy über mehrere Tage intensiv ausprobiert.

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In der Begegnung mit dem Google-Handy Nexus One gibt es drei Phasen: 1. Euphorie, 2. Ernüchterung, 3. Pragmatismus. Google und der taiwanesische Hardware-Hersteller HTC haben sich alle Mühe gegeben, ein wirklich in jeder Beziehung hochwertiges Produkt-Erlebnis zu schaffen. Dass sie dabei in so ziemlich allen Aspekten bei Apple abgucken, sei ihnen verziehen. Das machen andere auch. Die Verpackung des Nexus One strahlt eine solide Eleganz aus, wie man sie sonst nur bei Apple-Produkten findet. Öffnet man die dicke Pappschachtel, liegt das Nexus One wie ein Kleinod in einer Mulde vor einem. Unterhalb finden sich dann Bedienungsanleitung, Ohrstöpsel (mit Android-Logo) und das übliche Kabel-Gedöns.

Im Zusammenhang mit dem Handy hört man oft das schlimme Wort "Handschmeichler". Sagen wir so: Es liegt gut in der Hand, wirkt sehr solide und hochwertig verarbeitet. Die Geräte-Rückseite ist beschichtet, so dass dort keine hässlichen Fettfingerabdrücke zu sehen sind wie beim glänzigen iPhone. Doof: Die Kamera ist oben in der Mitte platziert. Beim Herausziehen des Nexus One aus der Jackentasche berührt man ständig versehentlich das Kameraobjektiv. Menschen mit einem Händewasch-Tick sind hier im Vorteil. Der Rest ist simpel: SIM-Karte reingelegt, eingeschaltet, los geht’s. Das Testgerät kommt ohne SIM-Lock daher und schluckt brav die stinknormale Karte aus der alten Handy-Gurke.

Die erste Begegnung mit dem brandneuen Android OS 2.1 System beeindruckt. Extra für das Nexus One wurden animierte Hintergrundbilder bereitgestellt. Die haben keinerlei Nutzen, sehen aber schick aus und fressen Strom. Ansonsten ist das Nexus One ein solides Android-Handy wie andere auch. Das Betriebssystem leistet sich keine großen Macken. Der Browser ist extrem schnell. Der Bildschirm wird oft wegen seiner brillianten Auflösung gelobt. Stimmt, der Bildschirm ist toll. Subjektiv ist aber kein großer Unterschied zum iPhone-Bildschirm zu erkennen. Dafür ist die Bilderverwaltung des Nexus One extrem schick. Geschossene Bilder und Videos werden als Stapel angezeigt und Bilderserien lassen sich mit dem Finger in 3D bewegen. Das sorgt für einen echten Wow-Effekt – auch bei iPhone-Fans.

Die Nutzerführung ist ansonsten mehr oder minder selbsterklärend. Einstellungen fürs WLAN, der Wecker, der Kalender, E-Mails – alles lässt sich einfach einstellen und wird brav synchronisiert, ohne, dass man die Anleitung zur Hand nehmen muss. Sehr gelungen ist ebenfalls der App-Store-Nachbau Android-Market. Von den 140.000 iPhone-Apps ist Google zwar noch weit entfernt, für alltägliche Problemchen finden sich aber auch hier genügend Apps und auch Spiele gibt es zuhauf. Die Qualität von 3D-Games (angespielt: das Rennspiel "Raging Thunder") steht dem iPhone ebenfalls in nichts nach. So jedenfalls der subjektive Eindruck.

In der Bedienung des Nexus One gibt es dann aber doch einige kleine aber spürbare Unterschiede zum iPhone. Das Nexus hat einen kleinen leuchtenden Scroll-Ball genau an der Stelle, an der das iPhone seinen Home-Button platziert hat. Über dem Scroll-Ball befinden sich dann noch vier kleine Tastenfelder, eines für "zurück", eines für "Optionen", für "Home" und für "Suchen". Das soll wahrscheinlich die Bedienung erleichtern, tut es aber nicht. Erstens reagieren die Felder nicht immer präzise. Und die vier zusätzlichen Knöpfe führen dazu, dass einige Bedienungselemente über verschiedene Wege angesteuert werden. Für "Home", "Suche" und "Einstellungen" gibt es jeweils auch Felder auf dem Bildschirm. Die Bildschirm-Arbeitsfläche des Nexus ist zudem zweigeteilt. Man hat eine Art Handy-Deskop auf dem man Apps, Wetter, News und alles Mögliche ablegen kann. Dann gibt es noch eine Übersicht über alle Apps und Einstellungsprogramme des Nexus in einer gesonderten Übersicht. Dies führt, wenn man das Handy zum ersten Mal benutzt, zu einigem Hin und Her und ist insgesamt nicht ganz so intuitiv und elegant wie die Nutzerführung beim iPhone.

Drückt man einem Computer-Laien oder einem Kind ein iPhone in die Hand, dann kann die betreffende Person oft völlig intuitiv mit dem Gerät umgehen. Diesen Effekt hat man beim Nexus One nicht. Das iPhone stellt eine Revolution in der Nurtzerführung dar. Das Nexus ist einfach ein sehr gut gemachtes Smartphone. Für seine Bedienung muss man aber schon ein wenig technikaffin sein.

Während das iPhone fest mit der Apple-Welt verzahnt ist, ist Android, bzw. das Nexus One mit der Google-Welt verbunden. Man braucht einen Google-Account, um das Gerät zu benutzen, Googlemail ist das bevorzugte Mail-Programm (andere Mail-Konten lassen sich aber auch einrichten), das Handy synchronisiert auch automatisch die Kontaktdaten bei Googlemail, als Bilder-Service wird Googles Picasa bevorzugt etc. Das ist nicht weiter verwerflich, man sollte es nur wissen.

Ein Clou des Nexus One soll die Spracherkennung sein. Man kann mit Stimm-Kommandos bei Google suchen und Mails diktieren. Beim Testgerät ging das erstmal nur auf Englisch, eine deutsche Spracherkennung soll beim Marktstart hierzulande aber folgen. Zur Zeit ist das eher eine Spielerei. Bei der Google-Suche hat die Spracherkennung erstaunlich gut funktioniert wenn man nur einzelne Worte betont deutlich gesprochen hat ("Cinemas", "Heidelberg"). Beim Diktieren von Mails kam allzu oft unzusammenhängender Buchstabensalat raus. Gut möglich, dass die Spracherkennung für die Straßennavigation im Auto irgendwann mal aber gute Dienste leistet.

Ach so, ja, telefonieren kann man mit dem Nexus auch. Einige Gesprächspartner klagten freilich, die Stimme am anderen Ende klinge seltsam blechern und metallisch. Außerdem waren im Festnetz-Telefon sehr starke Störgeräusche zu hören, wenn das Nexus in der Nähe war. Dass der Akku von so einem Smartphone spätestens am Abend immer an den Strom muss, ist normal. Dasselbe Problem hat das iPhone auch. Die netten Spielereien kosten eben Energie.

Fazit: Googles Nexus One ist ein gutes Smartphone, ohne Frage. Es beherrscht alles, was man heute von dieser Gerätegattung erwartet und einiges mehr. Ein paar Mysterien bleiben. Warum zum Beispiel blinkt der Scrollball immer mal wieder auf, auch wenn scheinbar gar nichts passiert ist? An die reduzierte Eleganz des iPhone reicht das Nexus in letzter Konsequenz aber doch nicht heran. Das Nexus One ist aber ein absolut ebenbürtiges Produkt etwa zum Palm Pre und zudem deutlich wertiger verarbeitet. Das Nexus One ist für PC-Nutzer also eine echte Alternative zum iPhone. Für Mac-Nutzer stellt es keine Verlockung dar. Dafür ist das iPhone zu perfekt in die Mac-Umgebung eingepasst. Allein auf die Synchronisation des iPhones mit iTunes werden Mac-Nutzer nicht verzichten wollen. Man kann zwar auch das Nexus mit Zusatzprogrammen mit iTunes synchronisieren. Aber den Umstand kann man sich auch sparen.Einige Webshops bieten das Nexus One bereits jetzt in Deutschland an, allerdings oft zu hohen Preisen zwischen 600 und 700 Euro. Die offizielle deutsche Version wird im Februar erwartet.

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