Warum das iPad ein Kassenschlager wird

Ist da letzte Woche bei Apple etwas schiefgelaufen? Fast könnte man diesen Eindruck haben, wenn man auf die Resonanz auf den lang erwarteten iPad blickt. Für die einen war es ein "Gähner", für andere sogar eine "Enttäuschung". Hat der „iGod“ Steve Jobs etwa die Keynote versemmelt? Mitnichten! Knapp eine Woche nach der medialen Ekstase ist klar, wo ist das Hauptproblem liegt: In der gigantomanischen Erwartungshaltung der Medien selbst. Dabei bringt der TabletMac alle Voraussetzungen für einen Erfolg mit.

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Wir haben den Film schon mal gesehen. Drei Jahre ist es her, dass Apple-CEO Steve Jobs auf die Bühne des Moscone Centers in San Francisco stieg, um das zu verkünden, was längst jeder wusste – den Eintritt in den Mobilfunkmarkt. Das iPhone, das sogar wörtlich seit Jahren durch diverse Technologieblogs geisterte, erblickte die Öffentlichkeit.

Apple und ein Mobiltelefon, zumal ein so großes und schweres, das eine minderwertige Kamera aufweist und auch noch an einen Provider gebunden ist? Muss scheitern, war sich eine Heerschar von Kritikern einig. Drei Jahre später ist das iPhone nicht nur der Goldstandard der Mobiltelefone, es ist inzwischen auch schon das weltweit zweitbestverkaufte Smartphone, nur knapp hinter dem Blackberry. Mit Aufkündigung der exklusiven Providerbindung ist die Marktführerschaft Mitte des Jahres eine ausgemachte Sache.

Das iPad-Lästern: Ein Newton, ein Gähner, ein Langweiler der ganzen Welt

Und das iPad? Kaum hatte Apple CEO Steve Jobs nach Monaten der totalen medialen Verklärung das iPad enthüllt, gefielen sich viele Medienmacher in der Pose des Miesmachers: „Wow, hat Apple es gerade vermasselt?“ kreischte Henry Blodgets Technologieportal „Alley Insider“, das sich in den Monaten zuvor als einer größten Marktschreier mit immer neuen Gerüchtesplittern Traffic abgeholt  hatte und feuerte im Stundenrhythmus eine Breitseite nach der anderen gegen Apples neues Multimedia-Gadget:

– Die Wahrheit über das iPad: Es ist ein großer Gähner!
– Apples iPad ist der Newton des neuen Jahrzehnts
– Sorry Steve, du langweilst die ganze Welt mit einem iPad

Auch Gadget-Guru Walt Mossberg äußerte sich nicht gerade begeistert über Apples iPad. Was also ist schiefgelaufen?

iPads geheimer Feldzug: Einzug ins Private

In einem Wort: nichts. Das iPad ist der nächste Kult-Kassenschlager aus Cupertino. Der Tech-Avantgarde passt das nur nicht. Es ist nämlich ausnahmsweise kein Gerät für sie – sondern für den Konsumenten, dem das MacBook Air zu teuer, das iPhone zu fummelig und der iMac einfach zu sehr ein Computer ist.

In mehreren Wortern: Das iPad ist das Multimedia-Gerät der Zukunft. Weil es so handlich ist, hält es Einzug in jenen Bereich, in den Computer in Haushalten gerne zu Streitobjekten geworden ist – dem Privaten. Wer kennt die Grundsatzdebatte um einen PC nicht: Für den einen reicht einer pro Haushalt, während andere das Private gegen das Berufliche, das einem PC immer anhaftet, verteidigen.

Das iPad wird es ins heimische Bett schaffen

Mit dem iPad verschwimmen diese Grenzen. Das Apple-Tablet ist die Einlösung des Freizeit-Laptops, das das Netbook nie sein konnte, weil es einfach nur ein abgespecktes Notebook war, dem immer noch zu sehr der Hauch des Business-Alltags anhaftete  und vor allem selbst zum DVD-Sehen im Bett noch sperrig erschien.

Das iPad wird es dagegen in das heimische Bett schaffen. Man wird darauf nicht nur mit der Freundin Filme sehen, sondern auch alleine in einem Hotelzimmer oder auf dem Balkon lesen, vielleicht sogar im Park. Und wenn es sein muss, kann man auch zwischendurch eine wichtige Mail beantworten.

In einem Satz: Das iPad wird ähnlich funktional sein wie echter Mac und dabei fast so mobil transportabel wie ein iPhone – Multimediainhalte in Zusammenspiel wird es jedoch noch intensiver wiedergeben als jedes Apple-Produkt zuvor.

iPads 2012: KillerTablet zum iPhone-Preis

Das Allerwichtigste – und das ist von den iPad-Nörglern vollkommen verdrängt worden: Es handelt sich bei der Ende März erscheinenden Version gerade mal um die Version 1.0, den Prototypen, der in zwei bis drei Jahren seinen Ehrenplatz als Liebhaberstück finden wird, weil das iPad des Jahres 2012 all das aufweisen wird, was jetzt noch bemängelt wird: Sicher Flash, sicher die Kamera, wahrscheinlich auch den beliebten iChat, also Videofunktion.

Wichtiger noch: Das iPad des Jahres 2012 wird unfassbar günstig sein! Rückblende 2007: Für wie viel debütierte das erste iPhone? Für stolze 599 Dollar mit hochpreisigen AT&T-Vertrag!  Als „magisches und revolutionäres Gerät zu einem unglaublichen Preis“, kündigte Steve Jobs das iPad im bekannten iSprech der Superlative.

Die Zukunft des iPads: Bemerkenswert für Aktionäre und Konsumenten

Während sich über die Magie und revolutionäre Strahlkraft bis zum Debüt oder sogar bis zum weiteren Modellen vielleicht trefflich streiten lässt, ist das Pricing unbestreitbar ein Killerargument. Für wie viel nämlich wird ein weiterentwickeltes iPad 2012 über die Ladentische gehen? Für jene 199 Dollar, für die das um Lichtjahre bessere iPhone 3G S zum Kassenschlager geworden ist.

Das sieht auch Ober-Kritiker Henry Blodget ein, der am Wochenende mit dem weitaus differenzierteren Beitrag „Wir haben die erstaunliche Zukunft des iPads gesehen“ doch noch die Kurve bekommt: „Tatsächlich sollte das iPad die turmhohen Erwartungen, die es bei der Keynote nicht erfüllt hat, langfristig wegblasen“, glaubt Blodget. „Und das sollte ziemlich bemerkenswert für Konsumenten als auch Apple-Aktionäre sein“, fasst der frühere Internetaktienanalyst zusammen.  So liest sich die andere Seite der Geschichte.

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