Anzeige

Gruner: Reise-Synergie keine „Blaupause“

Die redaktionelle Synergie zwischen Geo Saison und Stern nährt Spekulationen, dass Gruner + Jahr die Verzahnung als "Blaupause" für weitere Titel und redaktionelle Felder dienen könnte. Am Donnerstag hatte der Verlag mitgeteilt, die Reiseredaktion werde künftig auch die entsprechenden Seiten des Stern erstellen. Nach Vorbild der Umstrukturierung bei den Wirtschaftsmedien könnte es nun vermehrt zu thematischen Zentralredaktionen kommen. G+J-Sprecher Christian Merl weist dies allerdings zurück.

Anzeige

Auf Anfrage von MEEDIA erklärte Merl: "Es sind keine weiteren derartigen Projekte geplant, weder beim Stern noch bei anderen Zeitschriften." Auch gelte die Regelung nur für die Print-Titel; die traffic-starke Geo Reise-Community und Stern.de seien hiervon nicht betroffen. Gekündigt wird im Zusammenhang mit den Umbauplänen kein Mitarbeiter. Lediglich für zwei feste Freie verlieren ihren gewohnten Arbeitsbereich. Für sie wird nach anderweitigen Beschäftigungsmöglichkeiten im Haus gesucht. Dennoch ist davon auszugehen, dass neben dem bei Synergien inzwischen standardmäßig bemühten Argument der redaktionellen Qualitätsverbesserung nicht auch ein Kosteneffekt erzielt werden soll. Sonst wäre es wenig nachvollziehbar, dass die Parallelstruktur der beiden Titel-Familien an einer Stelle aufgebrochen wird.
Die Konstellation ist insgesamt kompliziert. Chefredakteur Peter-Matthias Gaede war bislang Hüter der Marke für alles, was Geo im Logo trug. Diese Funktion wird er künftig den Kollegen Thomas Osterkorn und Andreas Petzold überlassen. Anders wäre es auch kaum praktikabel lösbar gewesen, denn ein Reisemagazin mit drei aktiven Herausgebern wäre eine zu sperrige Regelung gewesen. Mit der beschlossenen Maßnahme folgt Gruner + Jahr einer Direktive von Vorstandschef Bernd Buchholz, der die Schaffung von Redaktions-Plattformen anstrebt, von denen aus mehrere Kanäle und Magazine beliefert werden können.
Prinzipiell wäre dies auch bei Themenbereichen wie z.B. Gesundheit, Lifestyle oder Mode und natürlich – wie bei den Wirtschaftsmedien – auch crossmedial denkbar. Dass G+J-Sprecher Merl derartige Spekulationen gänzlich dementiert, ist ein klares Statement. Auch das entspräche einer Ankündigung von Bernd Buchholz, der erklärt hatte, bei der Sanierung des Medienhauses würden individuelle Lösungen und eben keine "Blaupausen" für weitere Segemente geschaffen.
Dass es bei einer in der Gruner-Tradition so ungewöhnlichen Maßnahme nur Einvernehmen und strahlende Gesichter bei den Verhandlungspartnern gegeben hat, darf allerdings bezweifelt werden. Dass in der Verlagsmitteilung neben den Stern-Chefredakteuren der Geo Saison-Blattmacher zitiert wird, nicht aber der aus dem Herausgeberamt des Reisemagazins scheidende Geo-Chefredakteur, nährt diese Vermutungen noch.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige