Bodo Hombachs Griff in die Phrasen-Kiste

WAZ-Chef Bodo Hombach hat dem hauseigenen Online-Portal derwesten.de ein Interview gegeben. Darin lobt er den Lokaljournalismus. Personalabbau, wie im eigenen Haus, sieht er nicht als eine Gefahr für die Qualität. Hombach: "Wird die Oper besser, nur weil fünf Geiger mehr auf der Bühne sitzen? Wird das Bild des Malers besser, wenn zwei weitere mitmischen? Ich denke nicht." Aussagen, die den Redaktionsmitarbeitern der WAZ-Zeitungen vorkommen müssen wie Hohn und Spott.

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WAZ-Chef Bodo Hombach hat dem hauseigenen Online-Portal derwesten.de ein Interview gegeben. Darin lobt er den Lokaljournalismus. Personalabbau, wie im eigenen Haus, sieht er nicht als eine Gefahr für die Qualität. Hombach: "Wird die Oper besser, nur weil fünf Geiger mehr auf der Bühne sitzen? Wird das Bild des Malers besser, wenn zwei weitere mitmischen? Ich denke nicht." Aussagen, die den Redaktionsmitarbeitern der WAZ-Zeitungen vorkommen müssen wie Hohn und Spott.

Hombach, der sich für das bemerkenswerte Stück von einem Volontär teils seltsame Fragen stellen ließ ("Warum sollen wir über unsere Nahwelt nur berichten, und nicht auch mal propagieren?"), vergleicht in dem Interview Äpfel mit Birnen. Er sehe den Journalisten-Beruf als einen "sehr kreativen Beruf an" und setzt WAZ-Lokaljournalisten mit Opernsängern oder Malern gleich. Und das Bild eines Malers werde schließlich auch nicht besser, wenn zwei weitere mitmischen. Solche Aussagen muss man erst einmal sacken lassen.

Zunächst einmal ist der Vergleich hanebüchen. Eine Zeitung ist Team-Arbeit und hat mit der einsamen Arbeit eines Kunstmalers in seinem Atelier rein gar nichts zu tun. Wer bei der WAZ im Lokalen schuftet und solche Aussagen seines obersten Chefs liest, muss sich veralbert vorkommen. Man könnte darüber schmunzeln, wenn die Lage nicht so traurig wäre. Immerhin ist die WAZ-Gruppe der deutsche Medienkonzern, der den drastischsten Personalabbau durchgezogen hat. Allein knapp 300 Stellen wurden in den Redaktionen der NRW-Zeitungen gestrichen. Ein weiterer massiver Abbau läuft in Verlag und Verwaltung.

In einer solch dramatischen Situation wäre es durchaus angebracht, dass sich der oberste Manager des Hauses öffentlich erklärt. Er könnte sagen, dass die wirtschaftliche Lage keine Wahl lässt, dass sich Zeitungshäuser in einer schmerzhaften Phase des Umbruchs befinden, dass man aber alles tut, um den Abbau so sozial und intelligent wie möglich durchzuführen. Noch besser als so etwas nur zu sagen wäre es, wenn solchen klaren Worten dann auch entsprechende Taten folgten. Stattdessen sprach Hombachs Geschäftsführerkollege Christian Nienhaus bereits im vergangenen Jahr in einer fürchterlich technokratischen Sprache von einem "Abschmelzungsprozess", der noch nicht beendet ist. Gemeint waren Mitarbeiter.

Und jetzt vergleicht Hombach seine frustrierten Lokal-Redakteure mit van Goghs und Carusos. Und greift nebenbei auch noch ganz tief in die Phrasen-Kiste. "Qualität ist nicht gleich Quantität", sagt er. Jaja, aber wie definiert die WAZ-Gruppe eigentlich Qualität? Beim Blick in die WAZ-Lokalteile beschleicht einen nicht das Gefühl, hier engagierten Lokaljournalismus zu erleben. Dass die Motivation durchhängt, kann man den Redaktionen bei solchen Ansagen von oben noch nicht einmal übel nehmen.

Nach den Chancen der neuen Medien befragt, fällt dem obersten WAZ-Mann auch nicht viel ein. Vom Bloggen sei er sehr enttäuscht, sagt er und schwingt die verbale Qualitäts-Keule: "Nicht von der Möglichkeit, aber von der Qualität." Und weiter geht es apodiktisch: Die bürgereigene Berichterstattung wird den Lokaljournalisten niemals ersetzen." Warum nur kommt einem da der berühmte Spruch, der dem ehemaligen DDR-Staatschef Erich Honecker zugeschrieben wird, in den Sinn: "Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf"? Man könnte hier "Sozialismus" durch "Lokalzeitung" ersetzen und ansonsten hoffen, dass den Zeitungen das Schicksal des "real existierenden Sozialismus" erspart bleibt.

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