Alley Cat: wenig Erotik, viele Sextoys

Let's talk about Sex, Baby: So könnte der Arbeitstitel gelautet haben, als die Macherinnen von Alley Cat, Ina Küper und Marlene Burba, das erste Erotik-Magazin für Frauen im Frühjahr 2008 auf den Markt brachten – finanziert aus eigener Tasche. Die Idee zog. Mittlerweile hat der Mix aus Dildo-Werbung und Frauenmagazin in der Verlagsbranche für Aufsehen gesorgt, dass Burda die "Bordsteinschwalbe" unter seine Fittiche nehmen will. MEEDIA wirft einen kritischen Blick in das Heft.

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Für den heutigen Mittwoch war die erste Ausgabe des Jahres 2010 angekündigt. Doch das Fach der Alley Cat (übersetzt "Bordsteinschwalbe") im Zeitschriftenregal, Rubrik Erotik, blieb leer. Dort liegt noch immer die alte Ausgabe. Auf Anfrage in der Miezen-Redaktion heißt es, dass sich wegen des geplanten Umzuges nach München "der Erscheinungstermin weiter nach hinten verschiebe". Am 1. Februar werden Küper und Burba nämlich für ein Semester von Düsseldorf nach München wechseln, um mit den Freundin-Macherinnen des Burda-Verlags zusammen eine Redaktions-WG zu gründen. Wer da von wem was lernen soll – darüber wird geschwiegen.
Beiden täte es gut. Denn noch immer fehlt den Düsseldorferinnen zu ihrem gutgemeinten Magazinkonzept Einiges, um als stimmiges Lifestyle-Heft zu überzeugen. So erinnert das Cover der aktuellen Alley Cat auf den ersten Blick an einen Katalog. Das Titelblatt ist wenig auffällig: Eine Frau blickt mit verführerischem Blick ihr Spiegelblick an. Die Schrift geht in der Optik unter. Der belanglose Aufmacher "Ein Fest der Sinne" verliert dabei – ganz im Gegenteil – jegliche Aufmerksamkeit.
Wirft man dann einen Blick ins Heft, ist die graphische Umsetzung aber sehr gelungen. Überwiegend im dezenten Farbgemisch schwarz-weiß-rosé gehalten, ist der erste Eindruck angenehm unaufdringlich. Auch die verschiedenen Schriftbilder und die unterschiedliche Schriftgröße sind ästhetisch gelungen, was aber zum Nachteil hat, dass man die redaktionellen Beiträge nur auf den zweiten Blick von den Anzeigen erkennen kann.
Inhaltlich dreht sich bei Alley Cat alles um die zwei Rubriken Sex und Verwöhnen & Verführen. Gezeigt werden in kleinen Häppchen die "schönsten Sextoys, knappsten Dessous und erotischsten Accessoires". Auf einer Seite wird Berlin als Hauptstadt der Erotik vorgestellt, inklusive der "heißesten Adressen" der Stadt, die wohl jede Alley Cat mal besucht haben muss. Längere Stücke, die sich in der Ausgabe 4/2009 unter anderem um die Themen Intim-OPs und Aufklärung im Kindesalter drehen, fallen inhaltlich nicht stark ins Gewicht und lassen auch oft sowohl eine schöne Schreibe als auch die journalistische Tiefe vermissen.
Auch Männer sind in der Ausgabe rar gesät. Bis zur ersten Fotostrecke muss Frau bis Seite 27 vorblättern, um den "boys from Ipanema" auf ihren muskulösen Körper zu blicken. Immerhin neun Seiten bekleiden die Models.
Wer allerdings viel nackte Männerhaut erwartet, ist bei Alley Cat falsch. Den Macherinnen geht es um eine ganz eigene Erotik-Definition, die weniger mit der männlichen Anziehungskraft sondern mehr auf den Körper der Leserinnen abzielt. Vibratoren und weiteres Sex-Spielzeug werden auffällig oft beworben, vielleicht aber auch nur, weil die Ausgabe auf das Weihnachtsfest vorbereiten sollte. Selbsterfahrungsberichte über eine Tantra-Massage oder den besten Sex schließen sich an. Übrigens ist letzteres auch in Buchform von den Alley Cat-Macherinnen erhältlich,was natürlich auch im Heft ausreichend beworben wird.
Fazit: Alley Cat verpulvert das Potenzial eines ernstzunehmenden Erotik-Magazins, indem weniger auf profunde Artikel gesetzt als vielmehr die weibliche Lust auf den eigenen Körper durch auffällig viele Sexartikel beworben wird. Vielleicht hilft die Freundin der Alley Cat da unter die Arme. Denn eins ist offensichtlich: Den Düsseldorferinnen fehlt es noch an der nötigen Erfahrung als Blattmacherinnen. Im Gegenzug könnten die Küper und Burba den Münchnerinnen mal zeigen, wie man durch’s Schlüsselloch guckt, damit die seichten Erotik-Themen mal zu handfesten werden.

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