Pressestimmen zum Focus-Relaunch

Top-Thema der Medienseiten ist der Relaunch des Focus. Die FR bringt den allgemeinen Tenor auf den Punkt: "Nein, neu ist der Focus nicht, aber durchaus anders." Die meisten Autoren nutzten aber auch die Gelegenheit, um noch einmal die personellen Veränderungen beim Focus zu bewerten. So meint Sonja Pohlmann im Tagesspiegel, dass für den designierten Chefredakteur Wolfram Weimer "mehr als ein paar 'Kleinigkeiten' zu tun bleiben" dürften. MEEDIA hat die Pressestimmen zusammengetragen.

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Ulrike Simon, FR-Online:
"Seit Frühjahr 2009 haben sie an dem Konzept gearbeitet und mehr Wert auf Wirtschaft und Politik gelegt. Seit Montag ist das Ergebnis zu sehen. Nein, neu ist Focus nicht, aber durchaus anders."
"Nicht "Fakten, Fakten, Fakten", sondern die Bewertung und Einordnung derselben sollen künftig im Vordergrund stehen. Das alles bestätigt Kritiker, die dem Burda-Magazin schon immer vorhielten, Häppchen-Journalismus mit grafischem Chi-Chi zu produzieren, es an Relevanz mangeln zu lassen und beim Abverkauf mehr als andere von der Höhe der eingesetzten Werbemittel abzuhängen."
"Anlass für den Spott ist die Art, wie die Nachfolgeregelung an der Spitze des Magazins verläuft."

Michael Hanfeld, FAZ:
"Der neue "Focus" ist wiederzuerkennen. Leicht hat die Optik sich verändert, die Titelstory gewinnt an Gewicht. Vor seinem Abgang will Chefredakteur Markwort noch Zeichen setzen."
"Schon mit dem Titel zeigte sich das Magazin von einer neuen Seite. Keine Bestenliste wie so oft, keine direkt auf den Nutzwert abzielende Geschichte wie die vom ‚Familien-Drama Erbschaft‘ in der Woche zuvor, sondern eine, wie man sie vom Spiegel erwarten könnte: Um den ‚Mr. Inflation‘ geht es da, um Ben Bernanke, den Chef der amerikanischen Notenbank, dem "Focus" zutraut, die ganze Welt in den nächsten Finanzuntergang zu reißen."
"Die Titelgeschichte ist umfassend, kommt zur rechten Zeit und fordert zum Streit heraus."
"Dieser Übergang ist – machen wir uns nichts vor – holprig. Lange, seit dem vergangenen Frühjahr, hat die Redaktion an der Generalüberholung des Heftes gearbeitet. Im Herbst zeichnete sich ab, dass Wolfram Weimer von Cicero als Markworts Nachfolger komme, für die Verpflichtung zeichnet der Verleger Hubert Burda persönlich verantwortlich. "
"Das neue Heft wirkt, angefangen bei der Inhaltsübersicht, frischer."
"Derart ’neue Seiten‘ kann Focus öfter zeigen."

Süddeutsche Zeitung:
"Änderungen, die auffallen, sind eher optischer Art. Die Überschriften, zum Beispiel, sind jetzt schlanker als früher, was gut aussieht und die Seiten luftiger macht. Es gibt neue Rubriken ("Focussiert" statt "Periskop" für Nachrichten), ein neues Medizinressort und einige neue Textformate, unter anderem die "Gute Frage", die jedes Mal ein Experte beantworten soll. Zum Start erklärt ein Mathematiker, warum die Null existiert. Was man sich so fragt, beim Renovieren."
"Was zuerst auffällt, ist, dass Markwort und Baur eher unauffällig renoviert haben – was womöglich daran liegt, dass sie dem designierten Chefredakteur Wolfram Weimer noch ein wenig Raum für eigene Ideen lassen wollen"

Sonja Pohlmann, Tagesspiegel:
"Entsprechend Baurs Ankündigung ist auf dem Titel eine „harte“ Geschichte zu US-Notenbankchef Ben Bernanke und der Inflation zu finden, der Kassen-Vergleich dagegen im hinteren Wirtschaftsteil. Zwar fehlen die für den „Focus“ typischen Charts nicht – allerdings sind sie übersichtlicher als früher, insgesamt erscheint das Magazin ruhiger, auch wenn einzelne Seiten wie beispielsweise der „Brennpunkt“ noch zu überladen wirken. Schade ist, dass der Bereich „Ausland“ und damit das zurzeit aktuelle Thema Haiti weiterhin erst im letzten Teil des Heftes auftauchen. Geschichten wie über Google-Vordenkerin Marissa Mayer oder den Erfolg der Marke Apple dürften die jüngere, internetaffine Zielgruppe kaum vom Hocker reißen. Dabei braucht das Magazin aus dem Verlag Hubert Burda Media dringend neue Leser."
"Wenn Helmut Markwort ab Oktober vom Chefredakteur zum Herausgeber des Focus wird und Cicero-Chefredakteur Wolfram Weimer zusammen mit Uli Baur die Doppelspitze des Magazins bildet, dürften mehr als ein paar ‚Kleinigkeiten‘ zu tun bleiben."

Eckhardt Müller, Kress.de:
"Gemessen an den Ankündigungen ist die erste neue Ausgabe gelungen. Neue Rubriken wie ‚Dechiffriert‘ und ‚Gute Frage‘ und eine aufgefrischte Optik waren längst überfällig und tun dem in die Jahre gekommenen Magazin gut. Auch inhaltlich spiegelt sich der Anspruch, relevanter zu werden, wieder, z.B. in der Titelgeschichte über US-Notenbankchef Ben Bernake und die weltweite Teuerung oder eine mögliche Belohnung für Taliban aus deutschen Steuergeldern, die ihren Kampf aufgeben."
Die Veränderungen an dem Nachrichtenmagazin wollen sie nicht als Relaunch verstanden wissen, sondern als eine Weiterentwicklung. Sonst würde es so aussehen, als ob Übervater Helmut Markwort, 73, kurz vor dem Abschied das Heft noch einmal grundlegend in seinem Sinne verändert, während in Berlin doch schon ein ambitionierter Nachfolger mit den Hufen scharrt."

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