Guardian-Chef warnt vor Pay-Walls

Rupert Murdoch, die New York Times, der Axel Springer Verlag: Die Liste der Fürsprecher von Bezahlschranken für journalistische Web-Angebote wird immer länger. Jetzt hat sich ein prominenter Gegner mit einer eindringlichen Warnung gemeldet: Alan Rusbridger, Chefredakteur des britischen Guardian, spricht von einem drohenden "sleepwalk into oblivion" für eine Medienbranche, die sich vom freien Internet abkoppelt: "Wir drehen einer Welt den Rücken zu, die Wissen und Inhalte teilt und sich frei austauschen möchte."

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Zwar ist auch der von einer Stiftung getragene Guardian in der Krise keineswegs ungeschoren geblieben, doch Rusbridgers Worte haben in der Branche Gewicht – gerade in Fragen der digitalen Zukunft. Denn Guardian.co.uk ist seit der Jahrtausendwende eine der innovativsten (und aufwändigsten) Adressen für Zeitungs-Websites.
Rusbridger zitierte zwar einige Werbeexperten, die auch für werbefinanzierte Webseiten nicht ganz schwarz sehen, ließ ansonsten bei seinem Vortrag für Studenten und Journalisten in London aber keinen Zweifel an seiner idealistischen Perspektive: "Wenn man heute an Journalismus denkt und nicht an Business-Modelle, kann man sich auf eine aufregende Zukunft freuen. Wenn man dagegen nur an Business-Modelle denkt, wird man in eine Angststarre verfallen."
Wie es unter englischen Zeitungsleuten nicht ausbleiben kann, arbeitete sich Rusbridger vor allem an Rupert Murdoch ab, der im Preiskrieg an der Fleet Street einst die ehrwürdige Times für 10 Pence unters Volk brachte, um Marktanteile zu gewinnen: Ausgerechnet der wolle nun die Leser dazu erziehen, für Inhalte einen fairen Preis zu zahlen. An dieser Stelle wurde der Guardian-Chef etwas pathetisch: "Für mich ist die Fleet Street der Geburtsort der Idee einer freien Presse, die sich in die ganze Welt verteilt hat." Für ihn sei die digitale Welt eine "wunderbare Fortsetzung dieser Idee." Verlage könnten sich wie nie zuvor mit ihren Kunden austauschen und sollten diese Möglichkeiten nicht abschneiden, sondern viele Wege ausprobieren. Denn, auch um nicht weltfremd zu wirken: gegen kostenpflichtige Exklusivinhalte und Gebühren für mobile Angebote hat Rusbridger keine Einwände.

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