Dicke Schals sind die neuen Krawatten

Burdas Zukunftskongress Digital Life Design (DLD) ist nicht nur eine Leistungsschau der Web-, Medien- und Kunst-Elite. Es geht beim dreitägigen Klassentreffen der Digital-Kaste auch ums Sehen und Zeigen. Was waren die DLD-Modetrends in diesem Jahr? Welche üblichen Verdächtigen wurden vermisst? Und warum lief Google-Gegner Christoph Keese dauernd mit dem Google-Telefon durch die Gegend? Die MEEDIA-Randnotizen vom DLD.

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Die zwei Welten des DLD

Beim DLD gab es zwei Sorten von Besuchern: einheimisches Medienvolk bis hinauf zur obersten Vorstandsetage (Hartmut Ostrowski von Bertelsmann, Mathias Döpfner von Axel Springer) und internationale Web-Afficionados. Wer zu welcher Sorte Besucher gehört, erkannte man am Grad der Lässigkeit, mit der die aktuelle Medienarbeiter-Uniform, das krawattenlose Oberhemd plus Anzug, getragen wurde.

DLD-Modetrends

Überhaupt: die Äußerlichkeiten! Dass Weiß das neue Schwarz ist und Krawatte gar nicht mehr geht, ist im Prinzip bekannt. Neue DLD-Modegags waren der weiße Team-Kapuzensweater unterm Sakko und der Riesen-Schal für den Herrn. DLD-Impressario Marcel Reichart exerziert es ja schon länger vor: das souveräne Tragen eines voluminösen Schals unabhängig von der Witterung. In diesem Jahr fand er zahlreiche Nachahmer. Also: Krawatte nur noch für den Vorstand oder den Verleger. Das Fußvolk träg krawattenloses Hemd plus Anzug. Wer hip ist oder sich dafür hält greift zum XXL-Schal. Am besten mit Muster.

Google-Telefon-Schwemme aus Kasachstan

Google strengte sich mächtig an, die erdrückende Dominanz des iPhone auf dem DLD zu brechen. Ohne Apple-Handy fühlte man sich fast schon nackt. Im Pressezentrum wurden darum hunderte Google Nexus One Telefone, die am Vorabend des DLD aus Kasachstan eingeflogen wurden, ans Medienvolk ausgeliehen (auch an MEEDIA, Testbericht folgt). Gleichzeitig wurden unter den Kongress-Teilnehmern 200 Nexus One Telefone verlost. Einer der glücklichen Gewinner war ausgerechnet Axel Springers Chef-Lobbyist Christoph Keese. Der schimpfte auch mit Nexus One unterm Arm in gewohnter Manier über Google. Und, telefoniert er jetzt etwa mit dem Feindes-Handy? Keese: „Das schenk ich meiner Frau.“

Geliebt und beargwöhnt: der Xing-Schuhputzer

Das Soziale Netzwerk Xing hat an zwei Tagen in einem Zwischengang einen Schuhputzer aufgestellt. „Start networking with shiny shoes“ war der dazugehörige Spruch. Besonders beliebt war der Service bei den zahlreichen US-amerikanischen Teilnehmern. Amis finden Dienstleistung eben „great“. Die meisten deutsche DLD-Teilnehmer umkurvten den freundlichen Herrn lieber. Es könnte ja einer ein unvorteilhaftes Foto schießen und sogleich ins Internet stellen. Prominente Ausnahme: Xing-Gründer Lars Hinrichs. Der musste schon von Amts wegen Platz nehmen und sich sein Schuhwerk wienern lassen. Er tat es mit großer Begeisterung.

Taschenbilanz 2010

Die stets begehrten DLD-Taschen enthielten diesmal das China-Buch von John und Doris Naisbitt, das obligatorische Moleskin-Notizbuch, das DLD-Programm und ein eher preiswertes Mousepad. Die Taschen strahlten in auffälligem Hellblau. Wer zeigen wollte, dass er oder sie nicht erst seit gestern zur DLD-Familie gehört, trug stolz die Taschen von letzten oder vorletzten Jahr zur Schau.

DLD: die Abwesenden

Ein paar der üblichen Verdächtigen suchte man in diesem Jahr vergebens. Blogger und Kommunikationsberater Thomas Knüwer glänzte durch Abwesenheit. Aber irgendwie war er dann doch da. Auf dem Herren-Klo fanden sich sogar Buttons mit Knüwers Konterfei und der Aufschrift „Offline“ sowie „Where is Mr. Knüwer?“ Wer die Buttons auf dem stillen Örtchen und im Pressezentrum ausgelegt hat, ist nicht bekannt. Vermisst wurde auch TechCrunch-Chef Michael Arrington, der vielleicht noch vom vergangenen DLD traumatisiert ist, als er am Rande der Veranstaltung Opfer einer Spuck-Attacke wurde. Medienkritiker Stefan Niggemeier ließ sich ebenso wenig blicken wie der designierte neue Focus-Chefredakteur Wolfram Weimer. Dabei gilt Weimer als DLD-Fan. Er wollte wohl dem Rummel um den von Markwort/Bauer neu gestalteten Focus aus dem Weg gehen. Und während Top-Manager von Axel Springer in Bataillon-Stärke aufliefen, suchte man Vertreter von Gruner + Jahr vergeblich. Anwesend waren lediglich Berichterstatter der G+J-Wirtschaftsmedien. Wie am Rande der Konferenz kolportiert wurde, hatte der Gruner-Web-Stratege und für Akquise von Neugeschäften zuständige Leiter der Unternehmensentwicklung, Thomas Henkel, sich zunächst um eine Teilnahme bemüht. Angeblich sei das Interesse erloschen, als ihm die Kongress-Gebühr in Höhe von 2.500 Euro in Rechnung gestellt worden sei. 

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