Main-Post stoppt Leiharbeit

Die Kampagne des DJVs scheint Wirkung zu zeigen. Das Holtzbrinck-Blatt Main-Post hat seine Leiharbeitspläne in der Redaktion vorerst auf Eis gelegt. Offiziell habe man die Ausgliederung gestoppt, weil es unter den Betroffenen "nahezu keine Akzeptanz" gegeben habe. Tatsächlich hätte allein der Widerstand der Würzburger Redakteure die Geschäftsführung wohl kaum zum Umdenken bewogen. Auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion am 18. Januar mussten die Verantwortlichen viel Kritik einstecken.

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Gegenüber MEEDIA Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalistenverbands (DJV) die Abkehr der Verlagsspitze von den Leiharbeitsplänen bei der Main-Post: "Hier hat die Mischung aus öffentlichem Druck und Protest der Redakteure dazu geführt, dass die Leiharbeit als Form der Tarifumgehung in Würzburg keine Chance hat." Der Entscheidung der Verlagsspitze war eine öffentliche Podiumsdiskussion vorausgegangen, durch die die Öffentlichkeit in Würzburg sensibilisiert worden sei.
Offenbar ist das Thema Leiharbeit bei dem Holtzbrinck-Titel noch nicht vollends vom Tisch. Der Betriebsrat der Main-Post erklärte gegenüber MEEDIA, dass der Chefredakteur die Redaktion heute darüber in Kenntnis gesetzt hat, dass die Leiharbeitspläne in der Redaktion vorerst auf Eis gelegt worden seien.
Wie das Main-Echo berichtet, sahen die Pläne der Main-Post vor, nicht nur junge Redakteure in die Zeitarbeitsfirma "Redaktions-Service-Würzburg" zu überführen, sondern auch solche, die bereits seit vielen Jahren für die Tageszeitung schreiben. Geschäftsführer David Brandstätter sprach offen über die Intentionen des Verlags: "Wir wollen definitiv an dieser Stelle die Gehälter einfrieren." Die Einstiegsgehälter von Jung-Redakteuren würden sich in diesem Modell zwar weiterhin ungefähr in Höhe der tariflichen Festlegung befinden, Steigerungen wären dann aber nicht mehr vorgesehen.
Beklagt wurde von Seiten der Berufsverbände, dass Druck auf die Mitarbeiter ausgeübt worden sei. Dem Würzburger Ver.di-Gewerkschaftssekretär Peter Baumann seien Fälle bekannt, in denen Betroffene trotz einer klaren Absage mehrfach gedrängt worden seien, in eine der zahlreichen Leiharbeitsfirmen der Main-Post zu wechseln. Irgendwann hätten sie dann unterschrieben, um ihre Ruhe zu haben, so Baumann.
Vor etwa einer Woche hatte der Deutsche Journalistenverband eine Liste von Zeitungshäusern veröffentlicht, die unter anderem durch Auslagerung an Leiharbeitsfirmen Tariflöhne umgehen. Die Liste ist lang und kaum ein größerer deutscher Verlag hat nicht irgendeinen Titel, der sich dieser Praxis bedient. Die Leidtragenden sind die Redakteure, die oft deutlich schlechtere Löhne und Sozialleistungen erhalten. Außerdem gefährde die Auslagerungspraxis die journalistische Qualität.
Anlass für die öffentliche Schelte des DJV war der Leiharbeitsskandal um das Drogeriehaus Schlecker. Der Verband hatte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen aufgefordert, die von ihr angekündigte Überprüfung der Leiharbeitspraxis nicht auf den Drogeriekonzern zu beschränken. Der Missbrauch der Leiharbeit sei seit Jahren auch in etlichen Zeitungsverlagen üblich, erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. "Schlupflöcher für tarifflüchtige Verlage müssen geschlossen werden", so Konken. 

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