Kritik am Deutschen Medienpreis

Dieser Preis lässt mehr Fragen offen, als er beantwortet: Mit Unverständnis reagierten einige Blogger auf die Media Control-Ankündigung, Angela Merkel mit dem Deutschen Medienpreis auszuzeichnen. Denn: Warum verleiht ein Marktforscher einen Medienpreis? Mit welcher Begründung bekommt ihn gerade die Kanzlerin und wer hat sie gewählt? Die Antwort auf letzte Frage lautet: „führende“ Deutsche Chefredakteure unter dem Vorsitz von Stefan Aust. Um wen es sich dabei sonst noch handelt, verrät Media Control nicht.

Anzeige

Das Unternehmen aus Baden Baden antwortete auf MEEDIA-Anfrage, dass man über die Zusammensetzung der Jury prinzipiell keine Auskunft gebe. Die Webseite des Preises verrät immerhin: "Befragt werden die Chefredakteure der reichweitenstärksten und einflussreichsten Medien in Deutschland". Weiter heißt es: "Auswahlkriterium bleibt die Frage, welche Persönlichkeit hatte im abgelaufenen Jahr eine herausragende Bedeutung oder hat der Zeitgeschichte einen prägenden Stempel gegeben". Warum eine Person deshalb dann einen Medienpreis und kein Zeitgeschehen-Award bekommt bleibt allerdings unklar. Weiter heißt es: "Die Vorschlagsliste für die Befragung wird neutral von Media Control und einem Beraterkreis von Chefredakteuren unter dem Vorsitz von Stefan Aust, ehemaliger Chefredakteur des Spiegels, gemeinsam erarbeitet."
Gegenüber MEEDIA erklärt Verena Tüttelmann von Media Control die Hintergründe für die diskrete Zusammensetzung des Juroren-Gremiums: "Einzelne Jurymitglieder sollen nicht zur Rechenschaft gezogen werden für die Gesamt-Entscheidung der Jury. Die Wahl des Preisträgers wird von allen getragen und soll nicht durch den Chefredakteur eines einzelnen Mediums gerechtfertigt oder kommentiert werden."

In diesem Jahr entschieden sich die reichweitenstärksten und einflussreichsten Medien-Macher für Angela Merkel. Ihre Begründung: „Im Mittelpunkt ihres politischen Denkens und Handelns steht stets der Mensch. Die Würde und die Rechte des Individuums leiten Angela Merkel bei ihren politischen Entscheidungen, die geprägt sind von Berechenbarkeit und Verlässlichkeit. In der Außenpolitik verfolgt sie einen Kurs, der die Partnerschaft in den Vordergrund stellt, ohne dass sie die manchmal notwendige Konfrontation scheut. Ihr konsequenter Einsatz für Menschenrechte, für die Wahrung der Schöpfung und eine freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung habe ihre Wurzeln in der ganz persönlichen Biographie von Angela Merkel.“

Die Begründung für die Auszeichnung, ihre Auswahlkriterien und die undurchsichtige Jury-Zusammensetzung lassen für Blogger Wolfgang Lieb nur einen Schluss zu: "Hätte es eines Belegs für die Unterwürfigkeit der Medien unter die Obrigkeit bedurft, so wird er mit der Verleihung mit der Auszeichnung Angela Merkels mit dem Deutschen Medienpreis einmal mehr geliefert."

Bislang erhielten fast ausschließlich Politiker wie Nelson Mandela, François Mitterrand oder Yassir Arafat den Deutschen Medienpreis. Media Control bezeichnet sich selbst als das "führende Marktforschungsunternehmen und der Full-Service Dienstleister für Medienbeobachtung, -analyse und -auswertung".

Leib fordert: "Wenn es in der deutschen Medienlandschaft noch Journalisten und Chefredakteure gäbe, die ihre „Wächterrolle“ in einer demokratischen Gesellschaft wirklich wahrnähmen, dann müssten sie alles tun, um dem Marktforschungsunternehmen „Media Control“ das Markenzeichen „Deutscher Medienpreis“ zu entziehen."

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige