Wenig Klum bei „Project Runway“

Heidi Klum castet auf dem Biography Channel ab heute Abend Nachwuchs-Designer. "Project Runway" heißt das US-Format, das in der vierten Staffel erstmals im deutschen TV zu sehen ist. Die Serie bietet kaum Neues, die Dramaturgie ist altbekannt und das aufgesetzte Gehabe der Modebranche kennt der Zuschauer bereits aus anderen einschlägigen Fashion-Casting-Shows. Überraschend: Im Vergleich zu Ihrer Omnipräsenz bei "Germanys next Topmodel" hält sich Heidi Klum auffallend zurück.

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Das Konzept der Show, die in den USA bereits seit 2004 läuft, ist nicht neu, das Thema Mode auch nicht. Nur die Perspektive ist beim "Project Runways – Designer gesucht" etwas anders. Die 15 Kandidaten sind keine Mädchen um die 20, sondern gelernte Designer, also Profis, die sich einen Namen machen wollen. Dennoch werden die Modemacher vorgeführt wie die Mädels aus dem Model-Casting. Dem Sieger winken immerhin eine Show mit eigener Kollektion bei der New York-Fashion Week und 100.000 US-Dollar, zur Realisierung einer eigene Modelinie.
Nachdem alle Kandidaten in einer endlos scheinenden Einführung vorgestellt wurden, gehts zum Sektempfang in den nahegelegenen Bryant Park in New York City. Dann kommt die Klum. Ihr längster Auftritt: Ein paar warme Begrüßungsworte und ein kleiner Schnack mit dem Mode-Designer und –Mentor Tim Gunn und geht der Wettbewerb los.
"The Party is over", die Kamera schwenkt auf die Kandidaten: Angespannte Gesichter, dramatische Musik, alles in Zeitlupe und alles schon mal da gewesen. Die Kandidaten rennen um die Wette, greifen Stoffe ab um die Wette und schneidern um die Wette – ein Assessment-Center für Designer. Nebenbei erfährt der Zuschauer, dass der 30-jährige Kandidat Kevin Christiana nicht homosexuell ist und dass das in diesem Metier gar nicht mehr so ungewöhnlich ist. Bravo: Mit diesem Klischee musste auch mal aufgeräumt werden.
Nachdem die Designer in einem ungeheueren Kraftakt den ganzen Tag bis tief in die Nacht ihre Fummel abgesteckt und zusammengenäht haben, werden die Models am nächsten Morgen in die Werkstatt geschickt. Jetzt wird gestylt, gezupft und am Körper angenäht. Diese Bilder kennt man auch schon – oh Wunder – von den Model-Casting-Shows.
Anschließend präsentieren die diesmal zu Nebendarstellerinnen degradierten Models die Kreationen der ambitionierten Modemacher. Eine Jury, bestehend aus Heid Klum, der ehemaligen Fashionchefin Nina Garcia, dem Modedesigner Michael Kors und einer in jeder Folge wechselnden Promi-Unterstützung (u. a. Sarah Jessica Parker, Donna Karan und Victoria Beckham), bewertet die Arbeiten. Der Gewinner der Challenge ist automatisch für die übernächste Runde qualifiziert, der mit den wenigsten Punkten fliegt raus.
Am Ende bleibt der Eindruck, dass es kein bisschen wundert, warum die freien Sender dem Pay-TV-Kanal Biography-Channel beim "Project Runway" freie Bahn gelassen haben. Noch so ein Mode-Casting-Format im allabendlichen Fernsehprogramm wäre wohl doch ein wenig zu viel des Guten gewesen. Doch wer dem Thema zugeneigt ist und ein digitales Abo gebucht hat, kann ab heute um 20 Uhr mit 15 Modestars in spe mitfiebern. Die Sendung läuft im Original mit Untertiteln.

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