Exklusiv: Die Jahresbilanz der IVW-Auflagen

Mit der Veröffentlichung der IVW-Auflagen des vierten Quartals ist das Print-Jahr 2009 abgeschlossen. Zeit, um Bilanz zu ziehen. Welche Zeitschriften und Zeitungen behaupteten sich erfolgreich gegen die Krise, wo ging es steil bergab? MEEDIA beleuchtet in den kommenden Tagen und Wochen alle relevanten Print-Segmente und zeigt die Gewinner und Verlierer. Zum Auftakt widmen wir uns dem Segment der aktuellen Zeitschriften und Magazine - und damit diversen Verlierern an der Tabellenspitze.

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Marktführer unter den am Kiosk erhältlichen aktuellen Zeitschriften blieb natürlich auch im Jahr 2009 Der Spiegel. Mit mehr als 1,03 Mio. verkauften Exemplaren büßte das Magazin nur vergleichsweise geringe 0,9% im Vergleich zum Jahr 2008 ein und vergrößerte gleichzeitig den Vorsprung auf den stern. Dort gab es nämlich einen Verlust von 3,6% der Vorjahres-Käufer, mit durchschnittlich 943.316 verkauften Heften zeigt die Tendenz nach unten.

Für unsere Reihe der IVW-Jahresbilanzen haben wir den Durchschnitt aller vier IVW-Quartale errechnet und vergleichen diesen Wert mit dem Durchschnitt des Jahres 2008. So lässt sich unabhängig von Schwankungen in einzelnen Quartalen klar sehen, für wen das Jahr 2009 gut lief – und für wen schlecht. Um es vorweg zu nehmen: Richtig gut lief es bei den größeren Magazinen des Segments nirgends. Auf den ersten sieben Rängen finden sich nur Verlierer. Am deutlichsten nach unten ging es für den Focus, der 15,1% seiner Vorjahres-Auflage verlor, sowie für die Bunte, die auf ein Minus von 7,7% kam. Wegen des geringeren Verlustes überholte die Bunte den Konzern-Bruder Focus in unserem Ranking:

Ab Platz 8 zeigt sich jedoch, dass das nachlassende Interesse der Käufer an Print-Produkten nicht jeden trifft. So gewannen die Boulevardblätter inTouch und in jeweils um die 10% hinzu, OK! übersprang in seinem ersten kompletten Wertungsjahr immerhin die 200.000er-Marke. Einen Vorjahresvergleich können wir in diesem Fall nicht bieten, da OK! erst seit dem dritten Quartal 2008 von der IVW ausgewiesen wird und daher kein kompletter Jahresdurchschnitt für das Jahr vorliegt. Auf den weiteren Plätzen legten außerdem auch View (+11,5%) und Cicero (+4,8%) zu.

So weit, so gut. Doch wie sieht sie Situation aus, wenn man sich nur die harte Auflage anschaut, also die Exemplare, die per Abo und im Einzelverkauf, also in Kiosk, Supermarkt, etc. an den Mann gebracht werden? Schließlich entscheidet sich in diesen wichtigen Teil-Auflagen die eigentliche Popularität eines Magazins.  Und tatsächlich ergeben sich bei dem Blick auf diese harte Auflage ein paar interessante Erkenntnisse. Nahezu keine Unterschiede zeigen sich bei Spiegel, stern und Focus. Sie verloren bei der harten Auflage allesamt auf fast identischem Niveau wie bei den Gesamtverkäufen, bauten also auf ähnlichem Niveau sonstige Verkäufe ab, wie ihnen auch echte Käufer abhanden gingen.

Unterschiede zeigen sich hingegen bei der Bunten. So wird aus dem Gesamt-Minus von 7,7% bei der harten Auflage nur noch ein Verlust von 4,3%. Hier zeigt sich also, dass bei Burdas People-Magazin überdurchschnittlich viele sonstige Verkäufe und Bordexemplare abgebaut wurden. Mit 436.258 per Abo und Einzelverkauf abgesetzten Exemplaren sichert sich die Bunte damit auch Platz 3 vor dem Reader’s Digest, der insgesamt noch vor der Bunten liegt. Burda-intern interessant dürfte zudem die Tatsache sein, dass die Super illu bei der harten Auflage mit 419.334 verkauften Heften inzwischen vor dem Focus liegt.

Und auch von hinten droht allmählich neue Gefahr: inTouch gehört auch bei der harten Auflage zu den Gewinnern: mit einem Plus von 7,5% auf nun 315.431 Verkäufe. Ähnlich klar gewonnen hat in (+7,6%), weiter hinten zudem Cicero (+5,1%). Der Gewinner des Jahres heißt – zumindest beim prozentualen Vergleich – ganz klar View. Der stern-Ableger verbesserte sich im Vergleich zu 2008 um mehr als 15.000 Verkäufe und 14,9%. Für einige Titel gilt das Gejammer von der Print-Krise also zumindest bei der Auflage nicht.

Im zweiten Teil unserer IVW-Jahresbilanz-Reihe widmen wir uns am Montag dem auflagenstärksten Segment: den Programmzeitschriften. Auch dort gibt es einige erstaunliche Entwicklungen.

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