Die rundum Positiv-Nabelschau der Medien

Chef-Ego-Blogger und Medienmann des Jahres Kai Diekmann fürchtet, dass der MEEDIA-Wochenrückblick eine selbstzerstörerische Nabelschau für die Branche ist, mit der das Publikum überdies auch noch gelangweilt wird. So sagte er es in seiner Dankesrede beim Horizont-Award. Das soll natürlich nicht sein. Darum setzen wir für diese Ausgabe des Wochenrückblicks in bester Bild-Weihnachtsausgaben-Manier die rosa Brille auf und berichten nur wunderbare Mediennotizen der ausklingenden Woche (leicht war's nicht).

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Juhu! Es tut sich noch was in der Print-Branche. Noch dazu in der Wirtschaftspresse. Am 18. März startet das neue Magazin Enorm rund um das Team von Chefredakteur Thomas Friemel. "Nachhaltiges wirtschaften" ist das Thema der Zeitschrift. Die Themen Wirtschaft und Nachhaltigkeit bzw. Ethik in Zeitschriftenform zu gießen ist zunächst mal eine gute Idee. Und Titel wie Landlust, Brand eins oder ramp zeigen längst: Print-Innovationen gedeihen außerhalb von Großkonzernen oft am besten.

Endlich! Mitarbeitervertretungen erleben eine Renaissance. Und das ist gut so. Das Wort "betriebsratsverseucht" wurde gerade zum Unwort des Jahres erklärt und bei der Main-Post hat man Pläne, Arbeitskräfte in eine Leiharbeitsfirma auszulagern gestoppt. Grund waren die massiven Proteste der Belegschaft und des DJV. Dies zeigt: Protestieren kann sich lohnen. Selbst beim Focus wird nun ein Betriebsrat gewählt, dessen Kandidaten ganz modern in einem Blog vorgestellt werden. All dies zeigt: Mitarbeiter in Medienhäusern identifizieren sich mit ihren Produkten und wollen mitreden. Kluge Manager begreifen das als Chance.

Jubel! Wenn Medienleute mal eine Portion Mut schöpfen wollen, sollten sie einfach mal ins Kino gehen. Was wurde das Kino nicht schon von technischen Revolutionen überrollt und gesellschaftlichen Veränderungen im Mediennutzungsverhalten gebeutelt. Das Fernsehen, DVDs, Heimkinoanlagen mit Surround-Ton und hochauflösende Fernseher schienen das immer-mal-wieder-Kino überflüssig zu machen. Trotzdem gibt es noch Kinos und sie sind voll. Das 3D-Spektakel "Avatar" hat bereits über 1,6 Mrd. US-Dollar eingespielt und wird wahrscheinlich "Titanic" als erfolgreichsten Film aller Zeiten ablösen. Die Zukunft des Kinos liegt plötzlich in der 3D-Technik, die eigentlich seit Jahren totgesagt war. Und natürlich nach wie vor im Erzählen von guten Geschichten.

Seufz! Wenn etwas wirklich Schreckliches geschieht, wie das Erdbeben in Haiti, dann kann die ach so zynische Medienbranche auch mal an einem Strang ziehen. Vom Spreeblick-Blog über die Bild- und ZDF-Spendengala bis hin zu Bill Gates, der via Twitter zu Spenden aufruft, machen viele ganz Große und viele Kleine mit. Die Katastrophe wird dadurch nicht aus der Welt geschafft. Aber es zeigt sich, dass Mitgefühl auch global funktioniert. Sogar in den Medien.

Uff! Und zu Guterletzt ein Ausblick auf die sicher wieder fantastische kommende Medienwoche: Am 27. Januar stellt Apple endlich seinen sehnsüchtig erwarteten Tablet PC vor. Und danach werden sich ohnehin alle Probleme der Printmedien in Wohlgefallen auflösen. Doch. Ganz bestimmt. Wir müssen nur alle daran glauben.

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