IVW-Analyse: Zeitungskrise verschärft sich

Deutschlands Tageszeitungen finden immer weniger Käufer und Abonnenten. Im vierten Quartal ging die verkaufte Auflage der Blätter laut IVW gegenüber dem Vorjahr um 2,3% zurück. Keine einzige der größeren Regionalzeitungen konnte bei der harten Auflage aus Abos und Einzelverkauf zulegen, einige verloren 5% und mehr. Besonders auf dem Berliner Markt sehen die Zahlen derzeit dramatisch aus - und das bei B.Z., Berliner Zeitung, Berliner Morgenpost, Tagesspiegel und Berliner Kurier gleichermaßen.

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Alle fünf großen Berliner Blätter verlieren derzeit wesentlich stärker als der Bundesdurchschnitt. Bei der gesamten Verkaufsauflage liegt die B.Z. bei einem Minus von 4,4%, die Berliner Zeitung bei 4,8%, Der Tagesspiegel bei 4,6% und der Berliner Kurier bei 6,2%. Einzig die Berliner Morgenpost schneidet hier positiv ab. Ein Blick auf die detaillierten Auflagen zeigt aber warum. So verteilte die Morgenpost 6.300 mehr Exemplare pro Tag als sonstiger Verkauf. Bei der harten Auflage sieht es hingegen so schwach aus wie bei den Mitbewerbern: Die Abozahl ging um 5,5% herunter, der Einzelverkauf um 11,2%.

Ähnlich heftig sieht es aus, wenn man sich die wichtigsten Details der anderen vier Blätter anschaut. So verloren die beiden Boulevardblätter B.Z. und Berliner Kurier in ihrer wichtigsten Rubrik, dem Einzelverkauf, 8,2% bzw. 7,5%, die Berliner Zeitung und Der Tagesspiegel büßten bei den für sie wichtigeren Abozahlen jeweils 6,7% ein. Damit hat sich der Berliner Markt unfreiwillig an die Spitze der Zeitungsauflagenkrise gesetzt, in keinem anderen Bundesland sieht es für die großen Blätter so heftig aus, wie unsere exklusive MEEDIA-Analyse zeigt.

Weiterhin dramatisch sieht es auch in den fünf neueren Bundesländern aus. So verloren die großen Tageszeitungen hier zwischen 1,8% und 5,1% ihrer Auflage. Besonders deutlich büßten die Mitteldeutsche Zeitung (-5,1%) und die zur WAZ gehörende Zeitungsgruppe Thüringen (-3,8%) ein, relativ glimpflich kam die Ostsee-Zeitung (-1,8%) davon:

Zwei Gewinner gibt es auf den ersten Blick im Norden. So gewann die Hamburger Morgenpost bei der Gesamtauflage 0,3% hinzu, die sh:z 0,1%. Doch auch hier zeigt sich beim Blick auf die Details, dass bei der harten Auflage leider kein Gewinn übrig bleibt. So verlor die Hamburger Morgenpost im Einzelverkauf 2,2% und konnte sich wie die sh:z nur durch eine Steigerung der sonstigen Verkäufe in die Gewinnerzone retten. Die Tendenz bei der Mopo sieht aber dennoch besser aus als beim Mitbewerber Hamburger Abendblatt: Dort ging 3,7% der verkauften Auflage verloren – so viel wie bei keiner anderen Nord-Zeitung.

Richtig heftig sieht es auch weiterhin bei der WAZ-Mediengruppe aus. Die WAZ-Blätter büßten 4,9% ihrer Verkäufe ein, allein die Abonnentenzahl schrumpfte innerhalb eines Jahres um unglaubliche 33.000. Recht gering sind die Auflagenverluste im Norden und Westen bei der Nordwest-Zeitung (-0,9%), der mrw Mediaregion Ruhrgebiet/Westfalen (u.a. Ruhr Nachrichten und Münstersche Zeitung / -0,1%) und der Rheinischen Post (-0,6%).

Noch nicht ganz so dramatisch ist die Situation im Süden des Landes. In Baden-Württemberg und Bayern verlor nur das Duo Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten überdurchschnittlich stark. Der Münchner Merkur liegt insgesamt leicht im Plus, verlor aber auch ohne Tricks mit sonstigem Verkauf nur leicht – bei den Abos 1,0%, im Einzelverkauf 0,3%. Ebenfalls nur wenig verloren im letzten Teil unseres Bundesländer-Überblicks Die Rheinpfalz, die Südwest Presse, die Schwäbische Zeitung, die Augsburger Allgemeine und die Nürnberger Nachrichten:

Bei den überregionalen Zeitungen leuchten diesmal ebenfalls fast ausschließlich rote Zahlen aus unserer Tabelle. Nur die tageszeitung gewann im Vergleich zum Vorjahr Käufer hinzu – immerhin 1,9%. Viel verloren haben hingegen die Bild, die nur noch knapp über der 3-Mio.-Marke landete, Die Welt, die Frankfurter Rundschau und das Handelsblatt. Letzteres büßte im Einzelverkauf 17,1% ein, bei den wichtigeren Abos auch noch 6,2%. Inwiefern der Relaunch, der im Laufe des vierten Quartals stattfand, die Tendenz umkehren kann, wird sich in drei Monaten zeigen, wenn die Zahlen des ersten Quartals 2010 vorliegen.

Immerhin zwei echte Gewinner gibt es in den Segmenten der Sonntags- und Wochenzeitungen. So gewann Die Zeit ebenso wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung auch nach Abzug von sonstigem Verkauf und Bordexemplaren hinzu. Die Welt am Sonntag steigerte ihre sonstigen Verkäufe um rund 13.000 und sicherte sich so auch eine schwarze Zahl. Bei der harten Auflage ging es allerdings auch hier nach unten: Bei den Abos um 0,3%, im Einzelverkauf um 3,9%. Gar nicht mehr gemeldet wird der IVW seit dem vierten Quartal 2009 die verkaufte Auflage der Wochenzeitung der Freitag. Nicht unbedingt ein gutes Zeichen.

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