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Print-MA: Verluste für die Zeitschriften

Die Auflagenrückgänge in der Zeitschriftenbranche setzen sich nun auch bei den Leserzahlen fort. Die am Dienstagmorgen veröffentlichte neueste Ausgabe der Print-MA verzeichnet für rund zwei Drittel der Zeitschriftentitel weniger Leser als noch vor einem halben Jahr. So verlor z.B. die Bild am Sonntag satte 440.000 Leser, Der Spiegel 210.000, der stern 190.000 und der Focus 110.000. Gewinnen konnten vor allem Glamour (+290.000), tv 14 (+250.000) und Welt der Wunder (+180.000).

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Noch deutlicher sieht die Situation aus, wenn man sich die 25 reichweitenstärksten Publikumszeitschriften anschaut. Nur drei dieser Top-25-Titel konnten im Vergleich zur ma 2009 II zulegen, die anderen 22 verloren – zum Teil deutlich. Die drei Gewinner sind allesamt Programmies und heißen tv 14 (+4,5%), TV Digital (+0,4%) und auf einen Blick (+0,4%). Prozentual besonders deutlich verloren haben auf den ersten 25 Plätzen die Hörzu mit einem Minus von 6,0%, der kicker (-6,3%) und die Sport Bild (-7,6%).

Die Nummer 1 im Lesermarkt bleibt natürlich die ADAC Motorwelt, die zwar 640.000 Leser (3,5%) verlor, mit einer Reichweite von 17,69 Mio. aber weiterhin meilenweit vor dem Supplement rtv und der Bild am Sonntag das Ranking anführt.

Auch auf den Rängen 26 bis 50 überwiegen die Verlierer: 6 Titel gewannen Leser im Vergleich zur vorigen ma, 19 verloren hingegen. Positiv ist die Entwicklung auf diesen Plätzen bei der freundin (+3,3%), der Gala (+1,5%), der Für Sie (+3,1%), sowie bei auto motor und sport (+2,6%), TVdirekt (+1,7%) und Fit For Fun, das mit dem Plus von 3,7% in die Top 50 sprang. Die größten prozentualen Verlierer in dieser zweiten Hälfte unseres Rankings heißen Das Neue Blatt (-9,3%), Frau im Spiegel (-9,5%) und Schöner Wohnen (-9,8%).

Insgesamt sank die Zahl der Brutto-Kontakte für die mehr als 160 geprüften Zeitschriften um 2,1%. Positiv wertet die ag.ma allerdings die Tatsache, dass die Zahl der Zeitschriftenleser nur minimal gesunken ist. Demnach lesen 60,3 Mio. Deutsche ab 14 Jahren Zeitschriften – ein Rückgang von nur 0,6% im Vergleich zur vorigen ma 2009 II. Michael Walter, Vorstand Zeitschriften der ag.ma, erklärt diese im Vergleich zu den deutlicheren Auflagenverlusten eher harmlosen Zahlen so: "Die Menschen lesen nicht automatisch weniger Zeitschriften, nur weil sie weniger Ausgaben kaufen. Da die Titel verstärkt weitergereicht oder beim Friseur oder im Café genutzt werden, sinken die Reichweiten-Leistungswerte mit Verzögerung und in deutlich geringerem Umfang als die Auflagen. Ein Phänomen, das aus der internationalen Medienforschung bekannt ist." Eine Rolle wird dabei aber auch die Methodik der Untersuchung spielen, bei der eben nur abgefragt wird, wer welche Zeitschriften liest – ohne dies wirklich nachmessen zu können. Dadurch liegen laut Meinungen vieler Experten die Leserzahlen eher über der Realität.

Sortiert nach absoluten Reichweitenveränderungen ist der größte Gewinner der aktuellen ma die Frauenzeitschrift Glamour. Mit einem – sicher auch durch den Wechsel von 14-täglicher auf monatliche Erscheinungsweise beflügelten – Plus von 290.000 Lesern bzw. 29,2% setzt sich das Magazin klar an die Spitze des Gewinner-Rankings. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen zwei Titel aus der Bauer Media Group: tv 14 mit einem Zuwachs von 250.000 Lesern und Welt der Wunder mit 180.000 gewonnen Lesern:

Die Verliererliste wird unterdessen von der ADAC Motorwelt angeführt, die mit ihrem Verlust von 640.000 Lesern drei Axel-Springer-Titel auf die nöchsten Plätze verdrängte: Der Bild am Sonntag gingen 440.000 Leser im Vergleich zur ma 2009 II abhanden, der Sport Bild 320.000 und der Hörzu 280.000:

Beim Blick in die einzelnen Zeitschriftensegmente fällt auf, dass neben den Sportmagazinen auch die Computermagazine schlecht bei der ma 2010 I abschnitten. In diesen beiden Segmenten gibt es keinen einzigen Gewinner. Recht positiv sieht es hingegen bei den monatlichen Frauenzeitschriften aus. Hier überwiegen die Titel, die Leserinnen gewinnen konnten, Verlierer gibt es relativ wenige. Eine Tendenz, die sich auch bei den Gesamtzahlen wiederspiegelt. So fielen die Brutto-Kontakte bei den Männern ab 14 Jahren laut ma um 3,1%, die bei den Frauen nur um 1,1%. Männer verabschieden sich derzeit also wohl häufiger vom Print-Medium als Frauen.

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