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Harald K.: der unbescheidene Chefredakteur

Diese Personalie sorgt für Kontroversen: ComputerBild-Gründer Harald Kuppek übernimmt die Chefredaktion der PC Welt. Im MEEDIA-Interview verrät der 56-Jährige, warum er noch einmal bei einem Computer-Magazin anheuert und dass er spätestens in sechs Monaten einen Relaunch präsentieren will. Die Gerüchte, dass er seinem alten Arbeitgeber noch etwas beweisen muss, kontert Kuppek: "Aufgrund meiner Erfolge im Hause Springer habe ich es gar nicht nötig etwas zu zeigen. Das habe ich bereits getan."

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Warum steigen Sie noch einmal bei einem PC-Magazin ein?
Weil ich glaube, dass der stark in Bedrängnis geratene Medienmarkt noch genügend Potential hat, wenn man mit Kreativität und Esprit ans Werk geht. Vor allem die Verbindung Print/Online bietet viele neue Möglichkeiten.

Wollen Sie es Springer noch einmal zeigen?
Aufgrund meiner Erfolge im Hause Springer habe ich es gar nicht nötig etwas zu zeigen. Das habe ich bereits getan.

Was für Pläne haben Sie mit der PC Welt?
Wir möchten die Position der Marke PC Welt sowohl im Printbereich als auch Online stärken und ausbauen. Ich habe jetzt die ersten drei Arbeitstage hinter mir, in spätestens einem halben Jahr wollen wir die neue PC Welt dem Markt präsentieren.

Wie wollen Sie die Auflagenerosion der vergangen Jahre stoppen?
Ich habe mir die Auflagenzahlen der vergangenen Jahre angesehen: Seit dem ersten Quartal 2006 (da habe ich operativ meine letzte ComputerBild "gemacht"), haben alle großen PC-Zeitschriften Auflage verloren. In absoluten Zahlen ist der Verlust des Marktführers mit Abstand am größten. Die PC Welt hat sich im Vergleich besser gehalten. Jetzt lautet unser Ziel: Mit Erfahrung, Energie und Kreativität Marktanteile zu gewinnen.

Haben Sie die – zum Teil doch sehr kritischen – Reaktionen auf ihren Einstieg bei der PC Welt überrascht?
Welche kritischen Reaktionen? Ich habe viel Zuspruch aus dem Hause IDG, aber auch aus Industrie und Handel bekommen. Natürlich habe ich mich auch über die Glückwünsche von Dr. Wiele und einem großen Teil der Redaktion ComputerBild gefreut.

Ein alter Kritikpunkt, den man immer wieder hört, ist, dass die Computer Bild zu lange das Internet fast schon ignoriert hätte. Wie sieht ihre Web-Strategie mit der PC Welt aus?
Fakt ist, dass sich meine Erfolge im Printsektor wahrlich sehen lassen können: Ich habe drei europäische Marktführer entwickelt und unter meiner Führung wurden viele neue Arbeitsplätze geschaffen. Fakt ist auch, dass ich von meinen Vorgesetzten in der Vergangenheit für meine nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geprägte Internetstrategie nie ein Klagewort gehört habe. Fakt ist ebenfalls, dass ein massiver Ausbau von ComputerBild.de von mir nicht quasi nebenberuflich gestemmt werden konnte. Eine kleine Anmerkung: Für ComputerBild.de durfte ich drei Auszeichnungen in Empfang nehmen. Besonders qualifiziert sind die Aussagen daher nicht, was "man" sagt…
Nach einigen Gesprächen im Jahr 2009 mit dem IDG-Vorstand York von Heimburg und Verlagsleiter Canio Martino habe ich festgestellt, dass IDG ein Unternehmen ist, das einerseits im Print – und Online-Geschäft großes Knowhow besitzt, andererseits aber nach kaufmännischen Regeln sein Geschäft betreibt. Hier möchte ich mich einbringen, hier fühle ich mich gut aufgehoben.

Die Entwicklung einer TestBild bei Springer soll Ihnen eine besondere Herzensangelegenheit gewesen sein. Die Entwicklung wurde jedoch gestoppt. Ließe sich ein solches Projekt bei IDG realisieren?
Es ist richtig, dass ich in den 90er-Jahren eine Testzeitschrift realisieren wollte. Bei Springer drängte es mich, trotz anders lautender Gerüchte, keineswegs zu TestBild. Nach meinen Erfolgen bei Springer drängte jedoch der Vorstand zur Realisierung. Zwar bin Ich mir sicher, daß ich TestBild zum Erfolg geführt hätte, allerdings stimmten meines Erachtens die Rahmenbedingungen nicht, um TestBild erfolgreich zu etablieren. Deshalb habe ich im Sommer 2006 ein überaus großzügiges neues Vertragsangebot von Dr. Wiele abgelehnt. Einige Monate später trennten wir uns. Auch nach meinem Ausscheiden arbeitete man bei Springer am Objekt weiter, brachte allerdings kein tragfähiges Konzept zustande, was das Aus bedeutete. Ich bedauere das, weil es viele Arbeitsplätze kostete. Das Projekt Testzeitschrift hat sich für mich längst erledigt. Ich habe meine Gedanken jetzt bei der PC Welt, auf diese Aufgabe freue ich mich.

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