Neues DRadio Wissen setzt auf „online first“

Am Montag um 6 Uhr morgens startet das Deutschlandradio seinen Digitalkanal DRadio Wissen. Der ist beim gebührenfinanzierten nationalen Radiosender, was ZDFneo für das Zweite ist: Ein spezieller Kanal abseits des Hauptprogramms, um die Jugend an sich zu binden. Dafür setzt DRadio Wissen vor allem auf das Web. Alle Angebote sollen als Podcasts und on-demand verfügbar sein - nach dem Prinzip "online first". Im Internet will der Sender außerdem mit seinen Hörern eine eigene Community aufbauen.

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Dietmar Timm war bisher nur Multimedia-Chef des Deutschlandradios. Als die Medienpolitik aber mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag den Kölner Sender offiziell damit beauftragte, einen dritten Kanal zu starten, der ausschließlich im Digitalen senden sollte, war klar: Timm soll auch hier die Fäden in der Hand halten. Fortan zog er ein Programm auf, das eben nicht über UKW zu hören sein wird, sondern nur per Stream im Internet sowie auf Digitalfrequenzen von Satellit und Kabelnetz.

Timms Chef, Programmdirektor Günter Müchler sagt, sein Sender wolle sich mit dem Kanal "eine Zukunft in der digitalen Welt sichern". Das ist gewiss eine sehr ähnliche Argumentation zu der, mit der das Zweite begründet, warum es sein junges Digitalprogramm ZDFneo braucht. Laut Müchler suche das Deutschlandradio zudem nach einem Weg, mit dem "das Massenmedium Radio mit dem Internet versöhnt" werden könne. Dafür werde DRadio Wissen das Prinzip "online first" im Radio anwenden: Hörer sollen Beiträge abrufen können, sobald sie fertig produziert sind. DRadio Wissen will nicht erst auf deren Ausstrahlung warten.

Timm kündigt zudem eine Internetplattform mit Kommentarmöglichkeiten für die Nutzer an. Diese könne auch als "Korrektiv" dienen. Die Abrufe sowohl des Livestreams als auch der zum Download stehenden Beiträge würden außerdem genau ausgewertet. DRadio Wissen starte schließlich mit dem Anspruch, "so flexibel wie möglich zu sein". Das Programm werde deshalb "schnell angepasst, falls das nötig sein sollte".

Müchler bezeichnet das Konzept des neuen Senders, der mit dem Claim "Hirn will Arbeit" startet, als "Radiolabor mit Netzanschluss". Zwar gebe es eine Kernzeit, in der an Werktagen zwischen 6 bis 18 Uhr zu jeder Viertelstunde abwechselnd Nachrichten aus aller Welt und der Wissenschaft laufen und dazwischen Magazine zu Themen wie aktueller Politik, Natur oder auch "Meine Zukunft". Um diese Zeiten herum sei aber noch vieles offen.

Das erste Programmschema sieht unter anderem vor, dass nach der Kernzeit eine offene Redaktionskonferenz läuft. Darin sollen Redakteure den Tag samt ihren Beiträgen live und mit Beteiligung der Zuschauer besprechen und überlegen, was am nächsten Tag wichtig wird. Eine günstige Form eines Tagesmagazins also.

Später am Abend ist vorgesehen, was die Programmmacher "Radio Links" nennen: Auch um bei dem vergleichsweise knappen Jahresbudget von knapp sieben Millionen Euro zu sparen, übernimmt DRadio Wissen Formate anderer Sender, etwa von der ARD, aber auch von Radio France, Radio New Zealand und der Schweizer DRS. Die BBC soll in Kürze ebenfalls mitmachen. Auch an Wochenenden will DRadio Wissen überwiegend Konserven senden. Dafür strebt Müchler zudem Kooperationen mit Hochschulradios an. Ein erstes angesetztes "Radiolink" für die Wochenenden ist ein Talkformat mit "Zeit Online". Etwas Ähnliches ist mit der Technikzeitschrift "c’t“ geplant.

Müchler sagt, die Nachrichtenformate auf DRadio Wissen sollen deutlich erklärender sein als das sonst im Radio üblich sei. Dafür würden pro Sendung weniger Themen behandelt, diesen dafür aber mehr Zeit gewidmet. Der Duktus der Nachrichten solle zudem erzählender sein und weitgehend im Präsenz daherkommen. Gesendet wird das Programm aus einem neuen Studiokomplex im Kölner Funkhaus.

Der Betrieb von DRadio Wissen soll jährlich 6,9 Millionen Euro kosten. Diese Kalkulation schließe Personal und die Verbreitungskosten ein. In der laufenden Gebührenperiode bis 2012 will das Deutschlandradio die Betriebskosten für DRadio Wissen vor allem aus Rücklagen finanzieren. Es würden aber auch Investitionen "gestreckt", etwa für Neuerungen in der Studiotechnik der anderen Kanäle des Hauses: Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk. Für die nächste Gebührenperiode ab 2013 sei geplant, einen Mehrbedarf für die Rundfunkgebühren anzumelden, sagt Müchler.

DRadio Wissen soll den Plänen nach 28 eigene sogenannte Planstellen bekommen, vor allem für verantwortliche Redakteure, Techniker und Verwaltung. Die Beiträge selbst will sich DRadio Wissen von etwa 50 bis 60 regelmäßig zuarbeitenden freien Autoren holen und aus dem Material, das die beiden Schwesterkanäle ohnehin produzieren. Eigene Redaktionen bekommt DRadio Wissen nicht. Diese Arbeit sollen die Redaktionen der beiden anderen Sender des Hauses in Synergie mit
übernehmen."

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