„Erwartungen wurden deutlich übertroffen“

Springers App-Businessplan sah einen "niedrigen fünfstelligen Betrag" vor. Nach nur vier Wochen und über 100.000 Downloads sieht es auf der Einnahmenseite schon weit besser aus. Im MEEDIA-Interview verrät die Bildmobil-Chefin Donata Hopfen, welche die beliebtesten App-Features sind und warum Springer seine Seiten doch nicht für mobile Browser sperrt. Zufrieden ist Hopfen, dass Springer auf dem besten Weg ist zu beweisen, "dass Verlage im stationären und mobilen Internet Geld verdienen können".

Anzeige

Hatten Sie mit diesen hohen Download-Zahlen gerechnet?
Die Zahlen haben uns positiv überrascht – mit mehr als 100.000 bezahlten Downloads haben wir nicht gerechnet. Jetzt gilt es, möglichst viele Nutzer dauerhaft von unseren attraktiven Angeboten zu überzeugen – das ist unser Auftrag.

Mit wie vielen Downloads hatten Sie denn gerechnet?
Wir sind für die Einführungsphase von einem eher niedrigen fünfstelligen Betrag ausgegangen. Unsere Erwartungen wurden also deutlich übertroffen.

Man muss bestimmt davon auszugehen, dass die Bild-App beliebter ist als die Welt-Version?
Die Bild-App hat sich in den ersten Wochen dauerhaft unter den Top Ten im App-Store etabliert, das ist ein toller Erfolg. Aber auch unsere anderen Angebote wie die Apps von Welt und B.Z. performen hervorragend und haben sehr erfreuliche Nutzerzahlen.

Wie viele Nutzer haben ihre Abos nicht verlängert?
Wir haben bislang noch nicht zu einer Verlängerung des Abos aufgefordert. Da Qualität das entscheidende Stichwort ist und wir die User mit hervorragenden Angeboten dauerhaft an uns binden möchten, geben wir allen Nutzern zunächst die Gelegenheit, optimierte Update-Versionen für beide Apps im Rahmen ihrer Einstiegsabos ohne zusätzliche Kosten zu testen. Erst danach treffen sie eine Entscheidung zur kostenpflichtigen Erneuerung des Abos.

Warum?
Wir haben vor einigen Tagen ein erstes umfassendes Update gelauncht, das voller kreativer Ideen und Verbesserungsvorschläge unserer Nutzer steckt. Diese optimierte Version und auch die in wenigen Wochen folgende weitere Update- Version sollen die User nun zunächst noch einige Zeit im Rahmen ihrer Einstiegsabos testen können, um sich dauerhaft von der Qualität unserer Angebote zu überzeugen.

Wie lange dauert es also noch?
Voraussichtlich einige wenige Wochen.

Eine geschickte Argumentation, um die Frist des Einführungspreises zu verlängern.  
Noch einmal: hier geht es in erster Linie darum, dass wir unsere Angebote weiter optimieren und die Nutzer sich von diesen Verbesserungen überzeugen können, bevor sie eine bewusste Entscheidung für eine kostenpflichtige Verlängerung des Abos treffen.

Wie läuft die B.Z.-App?
Auch die Applikation der B.Z.  entwicket sich gut und liegt über unserer Prognosen. Dieses regionale Angebot lässt sich aufgrund seines klaren Berlin-Fokus jedoch schlecht mit überregionalen Titeln wie Bild und Welt vergleichen.

Was sind die beliebtesten Features der Bild- und Welt-App?
Sowohl bei BILD als auch bei WELT begeistern neben den Startseiten vor allem die PDFs des nächsten Tages. Darüber hinaus erfreut sich bei BILD das "Schüttel-Girl", bei der WELT vor allem der Globus extrem großer Beliebtheit.

Die Bild-App hat doch bestimmt den angenehmen Nebeneffekt, dass sie mit den iPhone-Besitzern eine völlig neue Kundengruppe anspricht. Die würden sich niemals eine Bild am Kiosk kaufen, aber auf ihrem Handy lesen sie begeistert das PDF der aktuellen Ausgabe.
Täuschen Sie sich da nicht. In unseren Statistiken können wir sehen, dass wir auch auf das WAP-Portal von Bild einen hohen Anteil von iPhone-Zugriffen hatten. Diese mobile Generation honoriert schon längst unsere redaktionelle Leistung, indem sie die entsprechenden Angebote nutzt.

Vor dem Start der Apps gab es die Meldung, dass Springer seine Web-Portale für mobile Browser sperren würde, sobald die kostenpflichtigen Apps auf dem Markt seien. Ihre Webseiten sind noch immer frei zugänglich.
Wir haben in der Tat darüber nachgedacht, die Seiten zu sperren. Letztlich sind wir dann aber zu der Erkenntnis gelangt, dass unsere Apps so attraktiv hinsichtlich Usability, Funktionalität und Inhalten sind, dass sich iPhone-Nutzer für die Applikation entscheiden. Das ist bis heute auch eingetroffen, wobei erfreulicherweise nicht nur mehr als 100.000 Nutzer die Apps gekauft und herunter geladen haben, sondern gleichzeitig auch die Portalreichweiten unserer Online- und Mobilangebote deutlich gestiegen sind.

Sie glauben also, dass die Nutzer bereit sind auch für die Usebility und nicht nur für den Mehrwert einer kompletten täglichen Bild-PDF-Ausgabe zu zahlen?
Ja. Die Apps bieten uns gerade die einmalige Gelegenheit, intensiv zu beobachten und zu bewerten, wofür Nutzer zu zahlen bereit sind. Die PDF-Versionen sind ein wichtiger Teil, jedoch nicht der einzige.

Im Vergleich zu neuen Print-Produkten sind iPhone-Applikationen geradezu lächerlich billig. Bei diesen Downloadzahlen müssen Sie die Start-Investitionen schnell wieder drin haben?
Beim aktuellen Preis handelt es sich um das Einstiegsangebot. Trotzdem gehe ich davon aus, dass sich das Projekt refinanziert. Der wirtschaftliche Aspekt steht derzeit aber nicht alleine im Vordergrund. Wir haben mit unserer Initiative ein Expertiment gestartet, das einen Paradigmenwechsel einläuten und eine Bezahlkultur für bestimmte Inhalte im Internet etablieren soll. Es geht daher jetzt erst einmal darum, die Nutzer davon zu überzeugen, dass sie für ihr Geld einen echten Mehrwert bekommen.    

Die Systeme Apple und iTunes bieten den Verlagen die Möglichkeit im mobilen Web noch einmal neu anzufangen und von Anfang an für die eigenen Angebote Geld zu verlangen. Wie sehr ärgert es Sie dann, dass Burda und G+J ihr Top-Marken Stern, Gala, Focus und Bunte einfach als kostenlose Apps anbieten und so vermeintlich denselben Fehler wiederholen?
Wir versuchen zu zeigen, dass Verlage im stationären und mobilen Internet Geld verdienen können. Dafür ist Mut und Experimentierfreude notwendig. Unsere ersten Schritte und Erfolge ermutigen vielleicht ja auch die Mitbewerber, entsprechende Schritte zu wagen. Fakt ist jedenfalls, dass es einer zweiten Säule der Monetarisierung bedarf, da die Erlöse aus der Online- und Mobil-Vermarktung derzeit noch nicht ausreichend sind.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige