„DLD definitiv keine Kuschelveranstaltung“

Auf dem diesjährigen DLD wird angeregt diskutiert: Viele Panel sind mit Konkurrenten besetzt – Suchmaschinenwettbewerber, Künstler, Designer und Wissenschaftler streiten über die neuen Herausforderungen unserer Zeit. "DLD wird keine Kuschelveranstaltung", sagen die Initiatoren des Kongresses Steffi Czerny und Marcel Reichart im Interview mit MEEDIA. Außerdem verraten die beiden, auf welche Themen sie sich besonders freuen, was es Neues gibt und welche Motivation sie Jahr für Jahr antreibt.

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Der DLD startet am 24. Januar. Was gibt’s Neues im Vergleich zum letzten Jahr?
Reichart: Es gibt viel Neues im Programm, weil sich die digitale Industrie verändert hat. Mit dabei sind neue CEOs, etwa Jason Kilar von der Video-Plattform Hulu, der in den USA zum Shooting-Star avanciert ist, oder Owen van Natta, der von Facebook zum Konkurrenten MySpace gewechselt ist. Und es sprechen CEOs wie Nikolaus von Bomhard (Munich Re), Frank Appel (Dt. Post/DHL) und Paul-Bernhard Kallen (Burda). Dazu kommen eine Reihe neuer Wachstumsunternehmen wie Foursquare oder Playfish. Wir haben aber auch das Modell des DLD etwas verändert. Wir sind noch selektiver und internationaler geworden – mehr als die Hälfte der Gäste kommt aus dem Ausland.

Und inhaltlich? Was können wir da erwarten?
Czerny: Auf der einen Seite haben wir die aktuellen Business-Themen. Auf der anderen Seite wird es einen starken Fokus auf die Verbindung von Kunst und digitaler Zukunft geben. Künstler sind ja immer auch Inspiratoren in einer Gesellschaft.

Wie wird das konkret aussehen?
Czerny: Zum Beispiel wird der Schweizer Kurator für zeitgenössische Kunst Hans Ulrich Obrist ein großes Panel moderieren, auf dem sehr renommierte Künstler wie Philipp Pareno mit Wissenschaftlern, die unter anderem durch den Astrophysiker Dimitar Sasselov vertreten sind, über die neuen Herausforderungen unserer Zeit diskutieren. Als Mediator eignet sich auf diesem Panel besonders Aaron Koblin, der das Google Creative Lab leitet und sich sehr mit digitaler Kunst beschäftigt.

Auf welchen Gast sind Sie besonders gespannt?
Czerny: Wir freuen uns natürlich auf alle Gäste. Erwähnenswert ist, dass der Nokia-Designchef Marko Ahtissari mit seinem Vater Martti Ahtissari, der im Jahr 2008 den Friedensnobelpreis erhalten hat, auf einem Podium über das Thema Beziehungen und Werte diskutieren wird. Dafür stehen wir seit Jahren beim DLD: connect the unexpected.
Reichart: Außerdem stellt der DLD auch eine Brücke zwischen den Akteuren in den USA, Europa, Israel und Asien dar. Auf den großen Konferenzen in den Vereinigten Staaten, wie der D-Conference des Wall Street Journals, gibt es kaum europäische Referenten. Bei DLD treffen sich hingegen Unternehmer, Kreative und Meinungsführer mehrerer Kontinente.

Im letzten Jahr herrschte teilweise eine angespannte Atmosphäre, nachdem Hubert Burda auf einem Panel sagte, dass sich mit journalistischen Inhalten im Web über Werbung nur "lousy pennies" verdienen ließen. Sehen Sie auf der diesjährigen Konferenz ähnliches Konfliktpotenzial?
Reichart: Wir haben in diesem Jahr solche Diskussionen noch verstärkt. Am Montagmittag wird es zum Beispiel ein Panel zum Thema Internetsuche geben. Diskutieren werden Ben Gomes von Google, Blaise Aguera y Arcas von bing, Conrad Wolfram von Wolfram Alpha und Ilya Segalovic von Yandex – allesamt Wettbewerber. Moderiert wird das Panel von Focus Online-Chef Jochen Wegner. Auch gibt es Diskussionen über Content-Geschäftsmodelle mit dem Mitgründer von Demand Media und David Drummond von Google.
Czerny: Der DLD ist in diesem Jahr definitiv keine Kuschelveranstaltung. Die "lousy pennies" haben sich durch das ganze letzte Jahr gezogen. Insofern ist das auch ein gutes Beispiel dafür, dass der DLD immer wieder wichtige Themen setzt. 



FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher hat mit seinem Buch Payback der Internet-Debatte eine neue Facette hinzugefügt. Gibt es in diesem Zusammenhang auch Veranstaltungen?
Czerny: Herr Schirrmacher ist auch als Referent auf dem DLD. Außerdem werden im Anschluss an das Panel mit den Ahtissaris der Buchautor Jonathan Harris und die Wissenschaftlerin Helen Fisher von der Rutgers University zum Thema "menschliche Gefühle" reden. Dabei geht es um Adrenalin und bewusstes Wahrnehmen.
Reichart: Es geht um das Ein- und Ausatmen. Diese Themen muss man auf sich wirken lassen.
Czerny: Wir haben auch eine Diskussionsrunde mit Randi Zuckerberg, die sich mit der Bedeutung von Social Networking in Bezug auf Gender-Studies auseinandersetzt.

Gibt es in diesem Jahr auch wieder einen Überraschungsgast?
Czerny: Wir bieten in diesem Jahr an jedem Tag Überraschungen. Mehr wird aber nicht verraten.

Beim diesjährigen DLD haben Sie das erste Mal Eintrittsgeld verlangt. Als Gast muss man 2.500 Euro zahlen. Wie war die Resonanz?
Reichart: Unsere Erwartungen wurden erfüllt, und wir kommunizieren die Umstellung aktiv, um sie verständlich zu machen.

Werden die Kinder von Hubert Burda und Maria Furtwängler wieder beim DLD teilnehmen, diesmal vielleicht auch aktiv mitgestalten?
Czerny: Das hängt von deren Stundenplan ab. Wir wissen das auch noch nicht genau. Fest steht aber, und das ist auch typisch für den DLD, dass einige Söhne und Töchter wichtiger Wirtschaftsakteure da sein werden. Wir glauben, dass man junge Menschen so früh wie möglich an diese bedeutenden Themen heranführen sollte.

Warum leistet sich Burda in solch schwierigen Zeiten eine Konferenz wie DLD?
Reichart: Die DLD Conference ist kein Zuschussgeschäft. DLD finanziert sich durch Firmenpartner und Teilnahmegebühren. Hinzu kommt der indirekte Mehrwert: DLD ist living social network und Katalysator für neue Ideen und neue Partnerschaften: So entstand die Burda-Beteiligung an Glam Media durch DLD, Xing ist seit Jahren DLD Partner, auch die Beteiligung Etsy hat sich bei DLD präsentiert.
Czerny: Wir bringen die DLD Community auch übers Jahr im Ausland zusammen zu DLD Events im Silicon Valley oder New York. Das zahlt auf das Image von Burda und unseren Partnern ein. Und wir generieren neue Produkte aus DLD heraus, zum Beispiel die Frauenkonferenz CIRCUS, die wir im Mai starten werden. 

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