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Sat.1-Krise: Aus für Geschäftsführer Bolten

Dramatische Entwicklungen in Unterföhring: ProSiebenSat.1 reagiert auf die negative Entwicklung bei Sat.1 und trennt sich von Geschäftsführer Guido Bolten. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, geht Bolten schon zum 1. Februar. German-Free-TV-Vorstand Andreas Bartl führt den Sender bis auf Weiteres selbst. Zudem wurde Katja Hofem-Best als Senior Vice President Factual verpflichtet. Sie kümmert sich damit um alle Dokus und Magazine der ProSiebenSat.1-Sender.

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Laut Insidern sei das Maß der Misserfolge bei Sat.1 inzwischen einfach zu voll gewesen. Bolten hatte sich mit der öffentlichkeitswirksamen Verpflichtung von Oliver Pocher und Johannes B. Kerner weitgehend vertan, die Sendungen der beiden Protagonisten dümpeln seit dem Start auf meisem Quoten-Niveau herum. Insbesondere die Zukunft von Kerner bei Sat.1 könnte nun ebenfalls fraglich sein.

Zwar beendete Sat.1 das Jahr 2009 mit einem Jahres-Marktanteil von 10,8% und blieb damit zumindest auf dem Vorjahres-Niveau, doch für die eigenen Ansprüche, den Sender näher an RTL heran zu bringen, war das deutlich zu wenig. Zudem gab es im Dezember mit 10,3% den schlechtesten Monats-Marktanteil seit Juni 2008.

Die Probleme, die Sat.1 derzeit hat, gehen dabei deutlich über die Personen Pocher und Kerner hinaus. Richtige Prime-Time-Quotenhits gibt es außer den US-Serien "Navy CIS", "Criminal Minds" und "The Mentalist" kaum und am Nachmittag hat RTL Sat.1 in der aktuellen TV-Saison mit seinen Scripted-Reality-Formaten aus dem Stand heraus überflügelt. Bezeichnend für die Ideenlosigkeit des Senders ist das Januar-Programm: Während RTL und ProSieben zahlreiche neue Staffeln und Formate starten, zeigt Sat.1 Uralt-Filme à la "Beverly Hills Cop" und "Crocodile Dundee".

Dass Andreas Bartl die Geschäftsführung des Senders nun bis auf Weiteres selbst übernimmt, heißt vor allem, dass die Sat.1-Probleme zur Chefsache werden. Bartl dazu: "Sat.1 ist unser wichtigster, weil in der Zielgruppenansprache breitester und damit auch umsatzstärkster Sender. Verlässlichkeit sowie das Vertrauen unserer Zuschauer und unserer Werbekunden haben höchste Priorität. Deshalb werde ich den Sender bis auf weiteres persönlich leiten." Für Bartl allerdings eine schwere Aufgabe, bei der der erfahrene TV-Manager fast nur verlieren kann.

Gemeinsam mit der Bolten-Personalie verkündete der TV-Konzern noch ein paar Umstrukturierungen. So wird sich Katja Hofem-Best auf der neu geschaffenen Position des Senior Vice President Factual um alle Magazine, Dokus, etc. der ProSiebenSat.1-Sender kümmern. Ihr Pendant ist ein alter Bekannter: Jobst Benthues wirkt als Senior Vice President Entertainment. Beide Abteilungen sind neu und ersetzen die bisher bei den Sendern angesiedelten Strukturen. Hofem-Best übernimmt die Aufgabe zusätzlich zu ihrer Arbeit als Chefin des ProSiebenSat.1-Frauensenders Fem TV, der 2010 an den Start gehen soll. Benthues bleibt – trotz eventueller Interessenskonflikte – auch Geschäftsführer der konzerneigenen Produktionsfirma RedSeven Entertainment.

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