Bild.de blitzt Thomallas nackten Busen weg

Für die Bild ist es schlicht "die erotischste Sensation des Jahres": Tatort-Kommissarin Simone Thomalla hat sich für den Playboy ausgezogen, und die Boulevard-Zeitung macht mit einem entsprechenden Oben-Ohne-Beweis-Foto auf. Business as usual könnte man meinen. Dumm nur, dass die Bild-Abonnenten der iPhone-App nicht in den vollen Genuss des Aktfotos kommen. Denn für seine mobile Web-Ausgabe übt die Redaktion eine strenge Selbstzensur. Jeder Fitzel nackte Haut wird sofort überblitzt.

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Kunden, die die Boulevard-Zeitung über die neue kostenpflichtige Applikation lesen bzw. ansehen wollen, müssen auf die ansonsten bildtypischen Miezen verzichten. Sogar bei den traditionell schlüpfrigen VIP-Bildern auf der letzten Seite wird oftmals noch einmal Hand angelegt. Alle Busen und Popos, bei denen die Gefahr bestehen könnte, dass sie zuviel zeigen, werden überblitzt.

Die Entscheidung, welche Bilder bearbeitet werden, gehört bereits zum routinierten Redaktionsalltag. "Wir schauen uns die PDFs der Zeitung an und die Redaktionsleitung entscheidet, welche Bilder im Zweifel ‚geblitzt‘ werden müssen", erklärt der Stellvertretende Chefredakteur Michael Paustian gegenüber MEEDIA. "Die Regeln richten sich zum Einen nach den Vorgaben von Apple – zum Anderen nach dem gesunden Menschenverstand und der Einschätzung, welche Nackt-Darstellungen in anderen Ländern und Kulturkreisen evtl. anstößig sein könnten. Man darf nicht vergessen: Die Inhalte sind ja weltweit über die App abrufbar." Diese internationale Zurückhaltung gehört für die Boulevard-Journalisten schon zum Tagesgeschäft. So ist man bei Bild.com schon seit längerer Zeit  "zurückhaltender als bei der deutschen Seite Bild.de".

In der heutigen Ausgabe trifft es nicht nur Simone Thomalla, sondern auch der Hintern von Penélope Cruz und die Brüste von Miss Dirty Martini und der neuen DSDS-Kandidation Steffi Thelen.

Aber auch der Sportteil bleibt nicht von der Zensur verschont. So wurde auch schon der nackte Hintern von Bayer-Kicker Manuel Friedrich Opfer der Bild-Blitzer.

Für Springer sind die retuschierten Bilder ein ernstes Thema. Wie viel Ärger mit Apple bereits ein nackter Busen auslösen kann, erfuhr bereits der Stern mit seiner eigenen App. Die Hamburger hatten eine Fotostrecke mit zuviel nackter Haut in ihrer Applikation präsentiert. Die Folge: Ohne Vorwarnung zog das US-Unternehmen beim Stern-Angebot, immerhin die am häufigsten heruntergelandene deutsche Verlags-Apps, den Stecker.

Richtig unglücklich ist Chefredakteur Kai Diekmann und sein Stellvertreter trotzdem nicht über die Blitzer: "Entscheidend für uns ist: Die Zutaten für die Erfolgs-Mischung von Bild müssen erhalten bleiben. Dazu gehört sicher auch das Thema Erotik. Aber Bild bleibt aus unserer Sicht auch auf dem iPhone sehr sexy", sagt Paustian. Wichtig ist den Berlinern jedoch ein anderer Punkt: "Jeder Eingriff in journalistische Inhalte ist für uns vollkommen ausgeschlossen." Paustian fasst zusammen: "Bild bleibt Bild – auch auf dem iPhone."

Ganz müssen die mobilen Boulevard-Leser ja auch nicht auf einen gewissen Hauch von Erotik verzichten. Die App bietet noch immer das "Bild-Girl zum Schütteln".

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