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Zeitungen setzen immer noch die Themen

Wichtige Nachrichten und Themen werden immer noch zu über 60 Prozent von Zeitungen aufgebracht und entwickelt: Das ist das Resultat einer US-Studie des Pew Research Center in der Ostküsten-Großstadt Baltimore. Projektleiter Tom Rosenstiel vom "Project for Excellence in Journalism" sagte dazu mit Blick auf die Print-Krise, ohne die Vorarbeit der traditionellen Medien gäbe es im Internet nicht viel zu "aggregieren" – eine Feststellung, die von "NZZ", "SZ" und "FAZ" mit spürbarer Dankbarkeit aufgegriffen wird.

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Die Untersuchung zum "Nachrichten-Ökosystem einer amerikanischen Großstadt" betrachtete im Sommer 2009 eine Woche lang den Umgang von 53 einzelnen Nachrichtenredaktionen – Print, Online, Radio und TV – mit sechs zentralen Themen. Klarer "Sieger" in Sachen Relevanz, Aktualität und Tiefe ist mit der "Baltimore Sun" eine traditionsreiche und ökonomisch angeschlagene Zeitung. Bei fast der Hälfte der Erstveröffentlichungen setzte die "Sun" – einschließlich ihrer Online-Ausgabe – die Themen. In 28 Prozent der Fälle kamen neue Informationen von örtlichen TV-Sendern, zu sieben Prozent aus Radio-Redaktionen und nur zu vier Prozent von reinen Online-Medien.
Michael Hanfeld, Medien-Ressortleiter der "FAZ", referiert dieses Ergebnis geradezu triumphierend: "Wer sagt, die Zeitungen, die amerikanischen zumal, seien tot? Außer den Apologeten im Internet, die ihr eigenes, nicht vorhandenes Geschäftsmodell bewerben?" 
Anlass der Studie ist allerdings gerade die Krise der Printmedien und die Frage, was deren Niedergang für Information und Diskussion auf lokaler Ebene bedeuten könnte. Die "Baltimore Sun" zum Beispiel hat 2009 insgesamt 32 Prozent weniger "Stories" als 1999 und 73 Prozent weniger als 1991 produziert – damals erschienen noch zwei Ausgaben pro Tag. Dass die Zeitung gegen die Konkurrenz von lokalen News-Portalen, Blogs und elektronischen Medien noch das Gros der relevanten Informationen und Kommentare liefert, ist eine bemerkenswerte, aber nicht sehr überraschende Leistung. Der dazu befragte Buchautor und Blogger Jeff Jarvis sagte, es sei offensichtlich, dass die Lokalberichterstattung im Internet erst am Anfang stehe.

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