Ein Facebook-Mitarbeiter packt aus

Die US-Website "The Rumpus" hat ein hoch interessantes Interview mit einem anonymen Angestellten des weltweit größten sozialen Netzwerks Facebook veröffentlicht. Durch die Anonymität lassen sich die Aussagen nicht nachprüfen, sie wirken aber plausibel und gestatten einen Einblick in die Arbeitsweise und Arbeitskultur von Facebook. Vielleicht die wichtigste, wenn auch kaum überraschende, Erkenntnis: Facebook speichert alles.

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Jede Interaktion von Nutzern werde gespeichert, so der anonyme Facebook-Mitarbeiter. Jeder Klick auf ein Profil, jede Nachricht, auch wenn sie gelöscht wurde, und natürlich jedes Foto, egal ob gelöscht oder nicht. Jedes Bild würden sogar in sechs verschiedenen Versionen abgespeichert, für die Anzeige in Vorschauen oder für Zoom-Effekte beispielsweise. Facebook sei die größte Bild-Datenbank der Welt mit geschätzt über einer Billion Fotos und jedes davon in sechs verschiedenen Versionen. Die Zahl der wirklich aktiven Nutzer schätzt der Mitarbeiter auf etwas über 200 Millionen. Facebook selbst gibt 350 Millionen Nutzer weltweit an, da sind aber auch Fakes oder Karteileichen dabei.

Die Unmengen an Daten werden weltweit in vier Datenzentren gespeichert, eines in Santa Clara, eines in San Francisco, eines in New York und eines in London. Jedes Zentrum beherberge rund 5.000 bis 8.000 Server. Um mit Fakes oder Profil-Problemen umzugehen, habe es lange Zeit ein sogenanntes Master-Passwort gegeben, mit dem sich Facebook-Mitarbeiter von Firmen-Computern aus in jedes beliebige Profil einloggen konnten. Dies sei mittlerweile durch eine simple Schaltfläche ersetzt worden. Theoretisch könne also jeder Facebook-Mitarbeiter geschützte Profil-Informationen lesen und manipulieren.

Im Interview gibt der anonyme Mitarbeiter zu, selbst auch schon geschützte Infos von Bekannten gelesen zu haben. Manipulationen kämen aber kaum vor. Es würden Stichproben-Kontrollen durchgeführt und wer ohne dienstlichen Grund in einem fremden Profil erwischt wird, werde sofort gefeuert. Die Nutzer-Proteste zu den jüngeren Änderungen, wie der Design-Relaunch oder die Anpassung der Privatsphäre-Einstellungen habe man bei Facebook nicht vorhergesehen. Es sei stets ein System von Trial-and-Error gepflegt worden. Mittlerweile würden aber auch psychologische Tests unternommen und man untersuche beispielsweise die Augenbewegung der Nutzer auf der Website, um die Klicks zu optimieren.

Laut dem anonymen Mitarbeiter tüfteln die Programmierer von Facebook derzeit an einer komplett neuen Programmiersprache namens Hyper-PHP, die die Website deutlich schneller machen soll und rund 80 Prozent Rechenleistung sparen könnte. Die enorme Rechenleistung, die für Facebook benötigt wird, ist offenbar eines der größten Probleme der Firma. Allein für die Zusammenstellung der "Neuigkeiten", bei denen aktuelle Aktivitäten der Freundes-Liste angezeigt werden, müssten tausende Datensätze in Sekundenbruchteilen durchsucht und zusammengesetzt werden.

Die internationale Expansion von Facebook werde auch weiter vorangetrieben, auch wenn in vielen Ländern, beispielsweise der Dritten Welt, kaum Anzeigengelder zu holen sind. Der anonyme Mitarbeiter beschreibt die Strategie dahinter: Facebook sei daran gelegen, dass sich Nutzer in Industrieländern mit hohem Anzeigenaufkommen anmelden und mit Nutzern in anderen Ländern kommunizieren können.

Die Arbeitsatmosphäre bei Facebook wird als extrem locker beschrieben. "Wenn Du in einer Bar arbeiten willst, bei einem Ballspiel, im Park, auf dem Dach, das ist denen völlig egal. Das einzige was zählt, ist, dass die Arbeit erledigt wird. Da gibt es einen riesigen Vertrauensvorschuss." Das Interview ist natürlich mit Vorsicht zu genießen, da der Mitarbeiter anonym bleibt. Die Aussagen wirken aber durchaus plausibel. Und dass Facebook jeden Daten-Schnippsel speichert, selbst wenn er von Nutzern gelöscht wurde, kann eigentlich auch niemanden wirklich überraschen.
Update: Mittlerweile gibt es eine offizielle Stellungnahme von Facebook zu dem Interview mit dem anonymen Mitarbeiter: "Dieser Artikel enthält genau die Art von Ungenauigkeiten und Fehlinterpretationen, die man erwarten würde, wenn sich etwas auf eine anonyme Quelle bezieht. Wir möchten es einfach hierbei belassen."

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