PR als Paid Content: die ‚Abendblatt‘-Panne

Während Claus Strunz den Blick auf einen Punkt weit in der Zukunft gerichtet hatte und den fast 1.000 Gästen beim Neujahrsempfang seine Idee der "Bürgerzeitung 2020" darlegte, hatte sein "Hamburger Abendblatt" ein ganz praktisches Problem, das zeigt, wie sehr Anspruch und Wirklichkeit manchmal auseinander liegen. Der Finanzjournalist Andreas Kunze hatte eine Peinlichkeit enthüllt, die via Bildblog schnell die Runde machte: Die Redaktion hatte einen PR-Text kopiert und als Paid Content deklariert.

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Während Claus Strunz den Blick auf einen Punkt weit in der Zukunft gerichtet hatte und den fast 1.000 Gästen beim Neujahrsempfang seine Idee der "Bürgerzeitung 2020" darlegte, hatte sein "Hamburger Abendblatt" ein praktisches Problem, das zeigt, wie sehr Anspruch und Wirklichkeit manchmal auseinander liegen. Der Finanzjournalist Andreas Kunze hatte eine Peinlichkeit enthüllt, die via Bildblog schnell die Runde machte: Die Redaktion hatte einen PR-Text kopiert und als Paid Content deklariert.
"ARAG-Werbung beim Hamburger Abendblatt" jetzt kostenpflichtig titelte Kunze in seinem Wirtschaftsblog und zeigte anhand von Screen Shots, wie die Online-Redaktion der Metropolenzeitung eine PR-Veröffentlichung des Rechtsschutzversicherers ARAG ohne dies kenntlich zu machen, als eigene Service-Strecke ausgegeben hatte. Die einzige Eigenleistung habe darin bestanden, den Text PI-optimiert in eine sechsteilige Klickgalerie aufzuteilen. Der "Abendblatt"-Artikel "Stürze bei Schnee und Glatteis – wer zahlt?" stammt vom 18. Dezember. Ein derartiges Vorgehen scheint kein Einzelfall zu sein. Schon im Oktober hatte Kunze darauf hingewiesen, dass auf der Website des Blattes ein Bericht publiziert worden war, in dem es um Haftungsfragen bei grober Fahrlässigkeit ging. Verfasser laut Autorenzeile sei der Pressesprecher des Versicherers HUK Coburg gewesen.
Weniger als nach Schleichwerbung riechen diese Vorgänge danach, dass beim "Abendblatt", wie bei vielen deutschen Zeitungs-Portalen, etliche Inhalte nach wie vor eilig zusammengeschustert und auf die Site geklatscht werden. Zwar sicherte sich der Axel Springer Verlag im Dezember mit viel Brimborium die Vorreiterrolle bei der Einführung von Bezahlinhalten auf Presse-Portalen. Doch in der kurzen Zeit, die bis zur Errichtung der Paid-Schranke verblieb, war eine gezielte Abgrenzung von tatsächlichen hochwertigen Eigenleistungen von Service-Ramsch und Ähnlichem offenbar nicht möglich.
Denn genau genommen handelt es sich bei den Rechtstipps ja nicht um regionalen Content, und lediglich dieser soll nach Verlagswillen kostenpflichtig sein. Es rumpelt also noch gewaltig im Bezahlreich des Springer-Webs, dessen Mauern zudem bekanntlich durch die simple Google-Suche von jedem Nutzer übersprungen werden können. Claus Strunz dürfte dieses Problem bekannt sein. Der sonst so wortgewaltige Chefredakteur hielt sich in der Diskussion um den Paid Content auf seinem Portal bisher auffallend zurück und überließ Feld und Fettnäpfe seinem Vize Matthias Iken.
Die Wahrheit ist auf dem Platz, heißt es bei den Fußballern. Claus Strunz wird wissen, dass jede Vision nur so viel wert ist wie es gelingt, diese auch umzusetzen. Es gibt viel zu tun.

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