Medienpolitik will N24-Rettung erzwingen

Thomas Ebeling, der Vorstandsvorsitzende von ProSiebenSat.1, hat sich mit seinem öffentlichen Nachdenken über die Zukunft von Nachrichtensendungen bei den "Privaten" womöglich langdauernden Ärger eingehandelt. Die FAZ berichtet über eine Initiative der Landesmedienanstalten, die ProSiebenSat.1 und der RTL-Gruppe eine Nachrichten-Quote vorschreiben will. Ebeling hatte im Dezember die Zukunft des Senders N24 wegen fehlender Wirtschaftlichkeit in Frage gestellt und erkärt, alle Optionen zu prüfen.

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Die "Süddeutsche" verfügte vor Weihnachten über spektakuläre Positionspapiere und Zitate aus dem Hause Pro Sieben Sat.1: Nachrichten seien vor allem schön für das Image von Politikern, zitierte die Zeitung den Vorstandsvorsitzenden Thomas Ebeling. In einem Brief Ebelings hieß es: "Unser Geschäft mit N24 ist mit mehr als 40 Mio. Euro dauerhaft defizitär und bewegt sich in einem gesättigten Markt, in dem mehr als 10 Wettbewerber aktiv sind und alleine N24, n-tv, Phoenix um einen Gesamtmarktanteil von 3% kämpfen." Seither fürchten die Mitarbeiter von N24, das als Nachrichten-Dienstleister für die Sendergruppe fungiert, um ihre Zukunft.
Obwohl Ebeling rasch versuchte, die Wogen zu glätten, präsentiert die FAZ nun den kommenden Gegenschlag der Medienpolitiker. Laut einer Vorlage für die Direktoren der Landesmedienanstalten, die für die Kontrolle der privaten TV-Veranstalter zuständig sind, ist geplant, den Vollprogrammen eine Quote für eigenständig produzierte Nachrichten-Sendungen aufzuerlegen. Grundlage wäre eine Prozentsatz an den gesamten Ausgaben des Veranstalters. Die FAZ zitiert aus dem Papier:  "Die Verpflichtung zu einem eigenständigen publizistischen Nachrichtenangebot sollte denjenigen Unternehmen auferlegt werden, deren Zuschauermarktanteil fünfzehn Prozent erreicht und übersteigt. Das sind derzeit Pro Sieben Sat.1 und die RTL-Gruppe."  
Das wäre nach Einschätzung der Zeitung für die RTL-Gruppe wegen n-tv derzeit kein Problem,  für Pro Sieben Sat.1 aber sehr wohl, wenn die diskutierten Sparpläne dort umgesetzt würden. Die medienpolitische Direktorin von Pro Sieben Sat.1, Annette Kümmel, sagte der FAZ: "Eine Quantifizierung von Informationsangeboten halte ich für nicht tragbar."

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