Anzeige

Deutsche Verlage lehnen Modell Sarkozy ab

Zukunftsmodell oder Verrat am unabhängigen Journalismus? Die französische Regierung unterstützt die Presse 2010 mit rund 900 Mio. Euro. Die jetzt zugesagten 60 Mio. Euro für Online-Publikationen sorgen in der Grande Nation für Diskussionen. In Deutschland sind viele Verlagsmanager gegen das Modell Sarkozy: "Wir lehnen eine direkte staatliche Subvention von Medien ab. Redaktionen und Verlage sollten unabhängig vom Staat bleiben", erklärt Springer-Geschäftsführer Christoph Keese gegenüber MEEDIA.

Anzeige

Nach Meinung des Konzerngeschäftsführer Public Affairs Axel Springer AG, gäbe es staatliche Subventionen ohne Begehrlichkeiten auf inhaltliche Mitsprache nicht. Ins gleiche Horn bläst "FAZ"-Herausgeber Günther Nonnenmacher: "Die FAZ hat sich immer dagegen ausgesprochen, dass Verlage direkte Subventionen vom Staat bekommen, weil damit die Gefahr eines schleichenden Abhängigwerdens verbunden ist."
Doch so ganz wollen die Verleger in Deutschland auf die Unterstützung vom Staat nicht verzichten. Ende letzten Jahres sprachen sich zahlreiche Blattmacher für eine Änderung des Mehrwertsteuergesetzes aus. So forderten G+J-Chef Bernd Buchholz, Springer-CEO Mathias Döpfner und Alt-Verleger Alfred Neven DuMont eine Senkung der Mehrwertsteuer für Medien. Hubert Burda lehnte sich im Interview mit dem "Manager Magazin" sogar etwas weiter aus dem Fenster und bezeichnete eine völlige Abschaffung der Mehrwertsteuer für Print-Medien als "sehr hilfreich".
Keese verleiht der Forderung seines Chefs bei Springer noch einmal Nachdruck: "Die Aufgabe des Staates besteht allein darin, faire Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehören der Schutz geistigen Eigentums, die Weiterentwicklung der Copyright-Gesetzgebung und ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz, der Medien als Kulturgüter anerkennt."

In Frankreich hat die öffentliche Förderung publizistischer Unternehmen Tradition; die direkte und indirekte Hilfe für die Presse wird für 2009 auf 900 Millionen Euro geschätzt. Etliche Portale, die Gelder von Sarkozy beantragt haben, rechtfertigen sich mit der Gleichbehandlung. Blogger vermuten, dass der Staat sich unabhängige Nachrichtenportale wie Rue89 gefügig machen wolle.

Wie "SZ"-Autor Stefan Ulrich berichtet, haben aber auch relativ prominente Online-Medien – darunter "Marianne2" oder "Arrêt sur Images" – aus ethischen Gründen auf Förderanträge verzichtet. Dort wird man die Rechtfertigung der Kollegen von "Rue89" künftig sicher gern zitieren: Man fordere keine Subventionen, sondern akzeptiere sie lediglich.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige