Enthüllungs-Page Wikileaks in Geldnot

Sie haben die Inhalte von 570.000 Pager-Nachrichten am 11. September 2001 und den geheimen Feldjägerbericht aus dem Kundus veröffentlicht. Jetzt drohen den Wistleblowern (Geheimnisverräter) von Wikileaks allerdings die Ressourcen auszugehen. Die Mitarbeiter haben den Dienst eingestellt. Auf der Internetseite prangt derzeit ein überdimensionaler Spendenaufruf. Die Macher des internationalen Projekts brauchen Geld, um sich für anstehende Enthüllungsaktivitäten ein finanzielles Polster anzulegen.

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Julian Assange, Sprecher des Wikileaks-Projekts, gab dem Blogger Stefan Mey am Rande des 26. Chaos Communication Congress zwischen Weihnachten und Neujahr ein Interview, in dem er erklärte, dass man "einige bedeutsame Leaks" plane. "Bedeutsam in Bezug auf Serverleistung, aber auch in Bezug auf die Arbeit, die damit verbunden ist und das juristische Nachspiel, das zu erwarten ist. Deswegen müssen wir in einer stärkeren Position sein, bevor wir das Material veröffentlichen", so der Web-Aktivist.
Derzeit hängen bei Wikileaks angeblich hunderttausende Seiten mit Informationen unter anderem über korrupte Banken, das US-Strafgefangenen-System, den Krieg im Irak, China und die UN in der Warteschleife. Es fehlen schlicht die Ressourcen, um die Dokumente zu veröffentlichen. "Sie können die Welt verändern", appelliert Wikileaks an seine User: "Spenden Sie."
Die größten Kosten verursachen nach Angaben Assanges die Mitarbeiter des Projekts. Wikileaks besteht aus fünf Vollzeit- und rund 800 Gelegenheitsmitarbeitern. Durch den größer werdenden Bekanntheitsgrad, steige auch das Material, das Wikileaks zugespielt bekäme. "Es müssen Zusammenfassungen geschrieben werden, und wir müssen die Plausibilität der Quellen überprüfen. Im Moment finanziert sich jeder der Beteiligten noch selbst, aber das kann auf Dauer nicht so bleiben", erklärt Assange.
Etwa 600.000 Dollar pro Jahr würden reichen, um Wikileaks in seinem derzeitigen Umfang zu finanzieren, rechnet Assange vor. Der Spendenaufruf im Web richte sich allerdings nur an Privatpersonen. Gelder von Regierungen oder Unternehmen werden nicht akzeptiert. "Das Geld kommt im Moment noch überwiegend von den Leuten, die persönlich beteiligt sind, von Journalisten, Anwälten und Technikern. Nur etwa 10 Prozent sind Online-Spenden von Unbekannten", sagt der gebürtige Australier.
In den USA zählen diverse Medienunternehmen zu den Unterstützern der Plattform. Diese stellten aber kein Geld, sondern deren Anwälte zur Verfügung. Verlage sähen Wikileaks als schwächstes und empfindlichstes Glied im System, das sich aber die publizistisch schwierigsten Fälle vornimmt, mutmaßt Assange. "Wenn wir juristisch besiegt werden, könnten sie die nächsten sein. In anderen Worten: Wenn Wikileaks.org aufgrund eines Gerichtsverfahrens geschlossen wird, wird vielleicht bald dieselbe Argumentation genutzt, um nytimes.com zu schließen oder auch Spiegel Online."
In Deutschland hatte Wikileaks dem "Stern" und Heise Verlag erst kürzlich geheime Unterlagen zur Lkw-Maut in Deutschland vorab zur Verfügung gestellt und dafür ein wenig Geld bekommen. Doch das stellt für Assange keine optimale Erlösquelle dar. Die Abwicklung sei zu umständlich und es müsse in jedem Fall entschieden werden, bei welchem Medium die Dokumente am besten veröffentlicht werden.
Hierzulande sorgte Wikileaks zuletzt mit der Veröffentlichung eines Berichts von Oberstleutnant Brenner über die Bombardierung der Tanklastzüge im afghanischen Kundus für Schlagzeilen. 

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