Netzeitung: der News-Automat ist online

Es ist nicht dasselbe in grün: Nachdem DuMont keine Möglichkeit mehr sah, die Netzeitung in seiner bisherigen Form weiterzuführen, versucht die Seite nun ihr Comeback als vollautomatisierte News-Plattform ohne Redakteure. Die Inhalte kommen von der Deutschen Presseagentur, dem Berliner Suchexperten Neofonie und von Nachrichten.de. Mit Burdas Aggregator schlossen die Kölner eine Kooperation. Eines bleibt jedoch wie es war: Die Signalfarbe der Seite ist weiter grün.

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Bereits auf den ersten Blick hat sich die Aufmachung der Seite extrem verändert. Die neue Netzeitung ist klarer und wirkt newslastiger, allerdings auch wie eine Kopie von Nachrichten.de. Fast die gesamten Inhalte der Startseite bezieht das DuMont-Portal über eine offene Schnittstelle von Burdas News-Aggregator.

Wefind.de, Tochter des Technikdienstleister Neofonie liefern die Suchtechnik. Diese durchforstet das gesamte Archiv der Netzeitung, alle Inhalte von Nachrichten.de-Inhalte sowie viele Blogs und Twitter-Postings. Für besondere Aktualität soll ein weiterer Kasten auf der Homepage sorgen, der jeweils die aktuellen Meldungen der dpa beinhaltet.

„Wir haben einen völlig neuen Ansatz gewählt, um die künftige Nutzung dieser Traditionsmarke zu gewährleisten“, erklärt Dr. Silke Springensguth, Geschäftsführerin der DuMont Net GmbH. Tatsächlich sahen die Kölner keine andere Möglichkeit die Seite kostendeckend zu beetreiben. Allen bisherigen Mitarbeitern hatte das Management betriebsbedingt gekündigt. Dem Vernehmen nach hatte das Web-Projekt nie Profit gemacht und zuletzt eine Unterdeckung von jährlich mehreren hunderttausend Euro verursacht.

Die junge Geschichte des Netz-Pioniers verzeichnete schon etliche Besitzerwechsel. Im Frühjahr 2000 beschlossen die Herausgeber der norwegischen Tageszeitung Nettavisen, ein Pendant ihrer Web-Ausgabe für Deutschland zu entwickeln, kurz darauf kam Michael Maier als Chefredakteur hinzu. Die verantwortliche Gesellschaft Spray Network wurde jedoch noch in der Startphase an Lycos verkauft, seitdem ging die Netzeitung durch mehrere Hände: 2002 übernahm der Fachverlag BertelsmannSpringer die Zeitung, danach ging sie über ein Management-Buy-out an die Netzeitungs Beteiligungs GmbH und 2005 an die norwegische Orkla Media. Im Sommer 2007 kaufte die Deutsche Zeitungsholding, ein Unternehmen der Mecom-Gruppe, die Netzeitung. Mit dem Verkauf von dessen Deutschland-Geschäft ging auch die Netzeitung an DuMont.
Die Neuausrichtung wird erst einmal für einen herben Traffic-Verlust sorgen. Intern rechnet man bei DuMont mit einer Halbierung der Besucherzahlen. Im November verzeichnete das Portal noch 1,7 Millionen Visits und 6,5 Millionen Klicks.

Der große Gewinner der Umstellung könnte Jochen Wegners Nachrichten.de werden. Das Portal vom Focus-Online-Chef wird seine Zugriffszahlen über die Kooperation kräftig steigern können.

Update (Mo. 22:49 Uhr):
Mittlerweile ist die neue Version der Netzeitung wieder offline. Unter der URL findet sich jetzt wieder Webportal mit einem Nachrichtenstand vom 31. Dezember. Der Grund für die technischen Probleme ist aktuell noch unklar. 

Update II (Mo. 00:02 Uhr):
Die neue Seite läuft wieder.

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