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Dänische Presse will Eskalation vermeiden

Nach dem Attentat auf den Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard am Neujahrstag hat sich der Chefredakteur der dänischen Tageszeitung "Jyllands-Posten", Jørn Mikkelsen, zurückhaltend geäußert. Laut "FAZ" bezeichnete er das Thema als "reine Polizeiangelegenheit". Westergaard, 74, war in seinem Haus von einem Einbrecher mit einer Axt angegriffen worden. Obwohl der Somalier Kontakte zu radikal-islamischen Gruppen gehabt haben soll, scheint der dänischen Presse an einer Deeskalation gelegen zu sein.

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Die Attacke füge sich "in das Bild der Drohungen" ein, "die in den letzten vier Jahren gegen ihn (Anm. der Redaktion Westergaard) und ‚Jyllands-Posten‘ gerichtet wurden" – so die dünne Botschaft Mikkelsens, dessen sonst so kämpferisches Blatt im September 2005 die umstrittenen Mohammed-Karikaturen abgedruckt hatte.
Denn die Folgen wirken bis heute nach: Mehr als 100 Menschen kamen bei Unruhen und Protesten gegen die Zeichnungen ums Leben, dänische Waren wurden boykottiert. Viele Muslime fühlten sich wegen der Darstellung des Propheten Mohammed mit einer Bombe im Turban in ihren religiösen Gefühlen verletzt. Fast drei Jahre nach der Veröffentlichung der Karikatur steht Westergaard immer noch unter Polizeischutz – aus gutem Grund, wie sich jetzt zeigte.
Nach Polizeiangaben war der Täter, ein 28-jähriger Somalier, am vergangenen Freitag in das Haus von Westergaard in Århus eingedrungen und hatte den Dänen und seine fünfjährige Enkelin mit Axt und Messer bedroht. Den beiden gelang die Flucht ins Badezimmer, das nach der Veröffentlichung Westergaards umstrittener Mohammed-Karikaturen zu einer Sicherheitszone ("Panikraum") umgebaut worden war. Von dort aus verständigte der 74-Jährige über einen Alarmknopf die Polizei.
Der Angreifer versuchte vergeblich, die Badtür einzuschlagen. In gebrochenem Dänisch soll er dabei "Blut" und "Rache" geschrien und als die Polizei eintraf, die Axt auf die Einsatzkräfte geschleudert haben. Er wurde durch Schüsse an Hand und Oberschenkel schwer verletzt und von den Polizisten überwältigt. Westergaard und das Kind blieben unversehrt.
Der dänische Geheimdienst PET erklärte, es sei davon auszugehen, dass die Tat einen terroristischen Hintergrund gehabt habe. Es bestünden Verbindungen zu den radikal-islamischen Schabab-Milizen und dem Terrornetzwerk Al Qaida. Zuvor war der 28-Jährige im August 2008 in Kenia festgenommen worden, weil er einen Anschlag auf die US-Außenministerin Hilary Clinton geplant haben soll. Seitdem stand er unter Beobachtung der Polizei. In den ersten Vernehmungen nach dem Angriff in Dänemark bestritt er jedoch eine Mordabsicht gegen Westergaard.
Laut eines Berichts des dänischen Blattes "Nordschleswiger" hat "Jyllands-Posten"-Chefredakteur Mikkelsen die Attacke als "schlimmes Ereignis" für seinen Karikaturisten bezeichnet und weiter gesagt: "Wir folgen genau den Anweisungen der Polizei und des Nachrichtendienstes PET." Er lehnte es ab, den Angriff auf seinen Karikaturisten trotz des Polizeischutzes zu kritisieren. In der Zeitung äußert sich nur Ralf Pittelkow, politischer Kommentator bei "Jyllands-Posten", der das Attentat als "extremen Ausdruck" der Auseinandersetzungen zwischen der westlichen und der islamischen Welt einstufte. Laut "FAZ" ist der Hinweis des Chefredakteurs auf die Sicherheit der Tageszeitung, "die Botschaft eines Blattes, das die Auseinandersetzung  um die Mohammed-Karikaturen immer wieder pointiert als Kampf um das Erbe der Aufklärung und die Meinungsfreiheit deutet".
Mittlerweile geben sich einige dänische Medien vorsichtig im Umgang mit den veröffentlichten Karikaturen. Der Chefredakteur der Boulevardzeitung "Ekstra Bladet" hatte im November in einer Mitteilung an seine Mitarbeiter davor gewarnt, sich dem solidarischen Neu-Abruck der Karikatur anzuschließen. Mit dieser Aktion hatten in den vergangenen Jahren ein Signal für die Pressefreiheit in Dänemark gesetzt. Diesem hatte sich das Boulevardblatt zuvor stets angeschlossen. Die älteste Tageszeitung Dänemarks, die "Berlingske Tidende", warnte indessen davor, dass sich das Land in einen nordischen "Panic Room" zurückziehe.       
So blieb es der internationalen Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen vorbehalten, in der Sache klar Stellung zu beziehen. ROG forderte in einer offiziellen Note eine harte Bestrafung für den Somalier und verteidigte die Meinungsfreiheit. Für Gewalt und Intoleranz gebe es keine Rechtfertigung, auch wenn die Zeichnung die muslimische Welt schockiert habe.  

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