Türkischer Medienmogul Dogan tritt ab

Aydin Dogan, Besitzer des größten türkischen Medienunternehmens Dogan Holding, hat überraschend für den kommenden Freitag seinen Rücktritt vom Vorsitz angekündigt. Am 2. Januar soll seine Tochter Arzuhan Dogan Yalcindag die höchste Position einnehmen. Beobachter deuten den Rückzug als Versuch der Beschwichtigung im Milliarden-Steuerstreit mit der türkischen Regierung, der einen weiteren Einstieg des Axel Springer Verlags bei Dogan vorläufig verhindert hatte.

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Offiziell wurde die Umstrukturierung der Verlags der großen Tageszeitungen Posta, Hürriyet und Milliyet sowie Betreibers diverser Fernsehsender mit dem Ziel begründet, mit Hilfe professioneller Medienmanager langfristig zu wachsen und internationale Partnerschaften einzugehen. Mehrere Mitglieder der Familie Dogan sollen ihre operative Verantwortung im Unternehmen abgeben. 
Eine anonymer Branchenkenner sagte der englischen "Financial Times", der Rücktritt des Firmenpatriarchen Aydin Dogan sei ein Versuch, die Beziehungen zur türkischen Regierung zu verbessern. Die angedrohte Steuerstrafe in Höhe von etwa 2,2 Milliarden Euro gilt als politisch motivierter Versuch, den Verlag im erbitterten Machtkampf mit der Regierung von Premierminister Tayyip Erdogan zu schwächen. 
Die Vorwürfe der Steuerhinterziehung resultieren unter anderem aus dem Einstieg der Axel Springer AG in der Dogan-Fernsehsparte im Jahr 2006. Ende November 2009 hatte Springer wegen des Steuerstreits eine geplante Ausweitung der Beteiligung zurückgestellt, behielt aber die 25 Prozent an der Tochterfirma Dogan TV. 
Mehrere Vergleichsverhandlungen zwischen Regierung und dem Medienkonzern sind gescheitert, zuletzt kündigten Istanbuler Staatsanwälte die persönliche Strafverfolgung von Aydin Dogan und drei Aufsichtsräten an, weil sie absichtlich Verluste herbeigeführt hätten. Die EU-Kommission hat bei Stellungnahmen über die Gefährdung der Pressefreiheit in der Türkei auch auf die Maßnahmen gegen Dogan verwiesen.

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