Gute Vorsätze für Medien-Manager

Das Medien-Jahr 2009 geht zu Ende und nach alter Tradition fassen wir für das kommende Jahr gute Vorsätze. Auch die Medienlenker der Republik dürften den einen oder anderen Vorsatz fürs kommende Jahr haben. 2009 wurde die Branche in Deutschland und weltweit geradezu durchgeschüttelt. Wie geht es weiter mit dem Print-Sterben, mit Paid-Content, mit Google und Apple-Apps und dem Leistungsschutz? Das nächste Jahr wird sehr interessant. MEEDIA hat sieben gute Vorsätze für Medien-Manager gesammelt.

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Endlich wieder in Inhalten denken

Wenn man Medien-Manager reden hört, dann ging es 2009 in erster Linie um Sparpläne, Synergien, Technik. Für 2010 sollten sich die Medienlenker auf das besinnen, was ihr Geschäft einzigartig macht: Inhalte. Wann hat man einen Medien-Manager zuletzt über eine Reportage, eine Fotostrecke oder eine ergreifende TV-Doku schwärmen hören? Die anhaltende und nicht enden wollende Diskussion um immer neue Sparrunden hat die Begeisterung für das eigentliche Geschäft in den Hintergrund gerückt. Das schlägt sich nieder auf die Motivation in den Redaktionen und aufs Produkt. Apps für das iPhone oder Paid-Content-Konzepte sind das eine – als Gewinner werden aber die Medienhäuser dastehen, die sich zuallererst um ihre Inhalte sorgen und erst danach um Vertriebskanäle, Bezahlstrategien und Honorarsätze für freie Mitarbeiter.

Internet-freie Zonen schaffen

Das Internet hat die Medien-Diskussion ganz und gar übernommen. Es gibt im Prinzip niemanden mehr in der Branche, der nicht sofort anfängt über das Internet zu reden. Das Internet beherrscht das Denken und Handeln der Medien-Elite. Es wird 2010 Zeit, dass man sich davon frei macht. Manager sollten sich regelmäßige Auszeiten vom Internet nehmen. Nicht, weil man sich nun ewig-gestrig an der Haptik von raschelndem Papier berauschen wollte, sondern um den Kopf klar zu bekommen und die Souveränität über das eigene Kommunikationsverhalten zurückzugewinnen. Es gibt nämlich durchaus auch Geschäftsmodelle für Medien, die ohne Internet auskommen. Der Auflagen-Primus "Landlust" beispielsweise ist ein reines Print-Produkt ohne nennenswerte Internet-Strategie. Die modernen Klatsch-und-Tratsch-Blätter wie "InTouch", "In" oder "OK!" funktionieren im wesentlichen auch ohne Internet. Das Internet ist wichtig und man sollte die Technik beherrschen. Nicht umgekehrt.
Nicht auf den Apple-Tablet als Allheilmittel setzen

Wenn die Medienkrise und die Umwälzungen durch das Internet eines gelehrt haben, dann wohl, dass es keine Generallösungen mehr gibt. Aller Voraussicht nach wird es keinen Schlag tun und plötzlich ist das allein seligmachende Medien-Modell für die Zukunft gefunden. Gerade so benehmen sich aber manche Medien-Manager mit Blick auf den erwarteten Tablet-Mac von Apple. Irgendwie wird man dann schon Magazine und Zeitungen über irgendein Abo-Modell auf Apples neuem Wunder-Apparat anzeigen lassen können, so das Kalkül. Dabei hat keiner das Gerät je gesehen. Es wird zwar höchstwahrscheinlich kommen – Apple könnte es sich bei dem Erwartungsdruck, der mittlerweile aufgebaut ist, gar nicht mehr leisten, den Tablet nicht einzuführen. Aber bei allem, was man über Apple weiß, wird davon vor allem eine Firma profitieren: Apple. 2010 sollten Medien-Manager aufhören auf Apple und Google zu starren wie das Kaninchen auf die Schlange und wieder beginnen selbstbewusst aus eigener Stärke und Kompetenz heraus zu agieren. Siehe hierzu guten Vorsatz Nummer eins.

Sich dazu bekennen, auch mal altmodisch zu sein

Es ist leicht über "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher zu spotten, der in seinem Buch "Payback" schreibt, dass er mit den neuen Kommunikationsmitteln zeitweise überfordert ist. Dabei ist es oft heilsam zuzugeben, wenn man zu einer neuen Entwicklung, Mode oder technischen Neuerung keinen Bezug hat. Oftmals wird der Hype dann auch als Strohfeuer entlarvt. Man sollte 2010 ruhig mal auf sein Bauchgefühl hören und zugeben, dass man keine Ahnung hat, was Google Wave eigentlich soll oder dass man die neuen ortsbasierten Dienste wie gosquare für Kokolores hält.

Kritik als DNA eines Medienhauses ernst nehmen

Kritik gehört zu einem Medienunternehmen. Jedenfalls sollte das so sein. Journalisten sollten per Berufsdefinition zunächst immer kritisch sein. Genauso sollte innerhalb eines Medienhauses offene Kritik an Vorgesetzten und Konzepten zum guten Ton gehören und ernst genommen werden. Kritik in jeder Form ist in die DNA der Medien eingebrannt. Das wurde im nun ausklingenden Jahr 2009 gerne vergessen. Stattdessen gab es wegen der Angst um Arbeitsplätze oder Marktanteile einen regelrechten Wettbewerb an Stromlinienförmigkeit. Die Devise "bloß nicht auffallen oder ausscheren" bringt ein Medienhaus aber nicht weiter. Kritik sollte 2010 nicht nur als Lippenbekenntnis, sondern als Selbstverständnis wieder gelebt werden. Denn daraus folgt Glaubwürdigkeit und mit der Glaubwürdigkeit kommt auch der Umsatz.

2010 Mindestens ein neues Produkt mit Herzblut starten

Vom Sparen allein wird die Branche nicht gerettet. 2010 sollte sich jeder Medien-Manager vornehmen, mindestens ein Produkt mit Herzblut, Engagement und ausreichenden finanziellen Mitteln zu starten. Ganz egal, ob als Print-Produkt oder Online-Projekt. Dabei darf ruhig auch Mut bewiesen werden. Die x-te Frauenzeitschrift oder das noch günstiger produzierte People-Blättchen sind nicht der Weisheit letzter Schluss.

Selbst online Geld ausgeben

Man sollte als guter Manager nichts von seiner Kundschaft verlangen, wozu man nicht selbst auch bereit ist. Wenn man Paid-Content für richtig hält, sollte man vom eigenen Geld ruhig mal ein Online-Abo abschließen oder kostenpflichtige Medien-Apps kaufen (aber bitte von der Konkurrenz!). Wenn man den eigenen Geldbeutel aufmacht, dann schärft das die Sinne dafür, wofür man Geld auszugeben bereits ist und wofür nicht, ungemein.

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