Die Ministerin, ‚Bild‘ & böse Post vom Anwalt

Familienministerin Kristina Köhler (CDU) spricht per Anwalt mit der "Bild"-Zeitung: Wie Chefredakteur Kai Diekmann in seinem Blog mit einer Kopie des anwaltlichen Schreibens belegt, lässt die 32-Jährige Politikerin vor Berichten über die Entstehung ihrer Dissertation warnen. Anwalt Martin Munz droht mit Schmerzensgeld "im höheren sechsstelligen Bereich", wenn auf "unzulässige, rechtswidrige und tendenziöse" Weise berichtet werde. Diekmann empfiehlt Köhler, beim nächsten Mal nicht ihn, sondern gleich die Springer-Rechtsabteilung anzurufen.

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Den Hintergrund der Auseinandersetzung erhellt die "Süddeutsche", die schon am 30. November über die Doktorarbeit der jungen Ministerin berichtet hatte: Offenbar hat Köhler, die als Bundestagsabgeordnete promovierte, bei der Arbeit – in legitimer Weise – Unterstützung unter anderem durch die Bundesgeschäftsstelle der CDU genossen. Aus dem SZ-Bericht – wie aus dem von Diekmann abgebildeten Anwaltsbrief – geht hervor, dass Köhler sich bei der Erstellung und Bearbeitung von tausend Fragebögen helfen ließ, die wohl die empirische Grundlage der Arbeit ("Gerechtigkeit als Gleichheit? Eine empirische Analyse der objektiven und subjektiven Responsivität von Bundestagsabgeordneten") bildeten.
Diekmann berichtet, man habe "ganz ordnungsgemäß im Ministerium um eine Stellungnahme" gebeten und "auch eine ordentliche Antwort" bekommen. Der bloggende Chefredakteur weiter: "Sie machen sich dann sogar selbst die Mühe, mich noch einmal direkt anzurufen – und jetzt das? Kurz vor Weihnachten? Dem Fest der Liebe? Dieser Brief? Ein Anwalt der uns droht?"
Nach Einschätzung der "Süddeutschen" sei Köhlers Vorgehen "zwar rechtlich unstrittig, wirft aber dennoch ein seltsames Licht auf die Familienministerin". Zugleich vermutet der Bericht, dass "Bild"  "offenbar weitergehende Hinweise vorlagen". Aus dem Brief der Kanzlei White & Case an Diekmann ergibt sich, dass "Bild"-Vize Martin Heidemanns das Thema recherchierte und von Köhlers Doktorvater Professor Jürgen Falter (Universität Mainz) bestätigt bekam, die Dissertation sei korrekt erstellt worden.

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