Medien-Netzwerke als Aufsteiger 2009

In den USA zählen junge Online-Mediennetzwerke zu den Aufsteigern des Jahres, in Deutschland schaffen es Innovationen dagegen nicht an die Spitze: Das ist das wichtigste Ergebnis einer Reichweiten-Analyse der FAZ, die auf eigens zusammengestellten Zahlen der Marktforscher von Comscore beruht. FAZ-Autor Holger Schmidt kritisiert, dass Kapitalgeber in Deutschland einen Bogen um das "Web 2.0" machten und die klassischen Medien nur noch wenig Innovationsfreude zeigten.

Anzeige

Die Comscore-Zahlen über die größten Reichweiten-Gewinne von Januar bis November 2009 zeigen in den USA Facebook, Google und Twitter vorn, in Deutschland belegen bei den absoluten Zuwächsen Google, Amazon und die Telekom die ersten drei Plätze.
Interessanter sind indes die relativen (prozentualen) Zuwächse. Hier führt in den USA Twitter (plus 644 Prozent) mit großem Abstand, gefolgt von Betawave (plus 289 Prozent), einem Netzwerk aus eigenständigen Websites, die sich laut FAZ auf Mütter und Jugendliche als Zielgruppe spezialisiert haben. Die Firma scheint für einen Trend zu stehen, den Betawave "attention based media" nennt: Ausgangspunkt der "journalistischen" Tätigkeit vieler, meist nicht professioneller Schreiber, sind Suchanfragen der Nutzer, die möglichst geschmeidig beantwortet und mit Werbebotschaften gekoppelt werden. Einer ähnlichen Logik folgen sogenannte "Content-Farmen", wie Answers.com und Demand Media. Auch das neue, heftig umstrittene "Roboter"-Modell von AOL zielt darauf, möglichst schnell und billig jedes vermutete Nutzer-Interesse zu befriedigen.
Der FAZ-"Netzökonom" Holger Schmidt nennt solche Angebote "junge Medien-Netzwerke, die offenbar gut funktionieren". Weitere Beispiele sind Examiner.com (regionale Berichte) und Netshelter, ein Verbund von Technologie-Medien. Das Netzwerk hat seine Reichweite 2009 um 60 Prozent erhöht und es damit auf Rang 9 der US-Aufsteigerliste geschafft. 
Interessant sind auch die – in ihrer Zuverlässigkeit allerdings umstrittenen – Comscore-Zahlen für Deutschland: Bei den absoluten Zuwächsen finden sich Axel Springer (plus 7,2 Millionen Besucher) und Hubert Burda Media (plus 6,5 Mio) unter den Top Ten. Bei den relativen Gewinnern hat es das mit Burdas Hilfe nach Deutschland importierte Frauen-Netzwerk Glam Media auf Rang zwei hinter Facebook geschafft, mit einem Zuwachs von 186 Prozent und 8,7 Millionen Besuchern im November. Unter den Top Ten rangiert auch die Mediengruppe RP (Rheinische Post) mit erstaunlichen 120 Prozent.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige