Aufstand gegen „Tagesschau“-App

Die angekündigte "Tagesschau"-App für das iPhone erregt weiter die Gemüter. Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner warnte im "Focus", dass es "Tausende Arbeitsplätze in der Verlagsbranche" kosten könnte, wenn sich bezahlte Applikationen auf mobilen Geräten nicht durchsetzen. Auch die Politik hat das Thema entdeckt. Die Springer-Zeitung "Bild" und der "Spiegel" bieten Medienpolitiker und Kulturstaatsminister Bernd Neumann auf, die die kostenlose "Tagesschau"-App kritisieren.

Anzeige

"Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte mit Gratisangeboten für das iPhone nicht unnötig neue Geschäftsmodelle der privaten Anbieter gefährden", wird Neumann (CDU) im "Spiegel" zitiert. "Bild" hat den CDU-Medienpolitiker Wolfgang Börnsen aufgeboten, der sagt, der "Alleingang" der ARD müsse beendet werden. ARD und ZDF würden die Medienvielfalt gefährden und seien dabei ein "marktbeherrschendes Kartell" zu bilden. Der SPD-Medienpolitiker Lars Klingbeil sagte in "Bild": "Wir müssen schnell zu einer neuen Gebührenordnung kommen, die dem digitalen Zeitalter und dem Leserverhalten jüngerer Konsumenten gerecht wird."

Neben dem Springer-Verlag haben auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Verband privater Rundfunk- und Telemedien (VPRT) die "Tagesschau"-App scharf kritisiert. Hintergrund des Ärgers ist die gerade erst begonnene Strategie deutscher Verlage, allen voran Springer, mit Anwendungen auf mobilen Geräten, wie dem iPhone, neue Umsatzquellen zu erschließen. So startete Springer kostenpflichtige iPhone-Apps für seine Zeitungen "Bild", "Welt" und "B.Z.". Die Verlage treibt nun die Sorge um, dass die Gratis-Angebote öffentlicher Rundfunkanstalten das zarte Umsatz-Pflänzchen bereits im Keim abwürgen könnten.

Auch RTL kritisiert die Pläne der ARD. Laut „Focus“ sagte der RTL-Medienpolitik-Chef Tobias Schmidt, dass die ARD "ungehemmt mit Gebührenmitteln in einen kommerziellen Wettbewerb" eingreife. Der "Spiegel" zitiert den n-tv-Geschäftsführer Hans Demmel. Der Manager ist davon überzeugt, dass die ARD einmal mehr "ein Geschäftsmodell für Verlage und Nachrichtensender und damit den privat finanzierten Qualitätsjournalismus" bedroht.

Neue Digital-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender müssen seit dem jüngsten Rundfunkänderungsstaatsvertrag in einem so genannten Drei-Stufen-Test extra genehmigt werden. Für die "Tagesschau"-App gelte dies jedoch nicht, sagte ein NDR-Sprecher. Immerhin bietet die "Tagesschau" bereits jetzt speziell für Mobiltelefone angepasste Internetseiten an. Laut ARD wird die "Tagesschau"-App auch weitgehend aus dem bestehenden Angebot gespeist und verursache kaum zusätzliche Kosten.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige