„SZ Magazin“ von Bundeswehr schikaniert

Publishing Qualitäts-Journalismus, wie er selten geworden ist: In einer akribischen Recherche sammelte die Redaktion des "SZ Magazins" Feldpostbriefe, SMS und E-Mails, die deutsche Soldaten vom Einsatz in Afghanistan in die Heimat schickten. Die Schreiben zeigen Einblicke in den Alltag inmitten kriegerischer Auseinandersetzungen. "Dieses Heft", so Chefredakteur Dominik Wichmann, "sollte eigentlich auch der Bundeswehr ein Anliegen sein." Tatsächlich haben die Streitkräfte den "SZ"-Report mit allen Mitteln torpediert.

Werbeanzeige

Für die Dokumentation hatten etliche Soldaten, vom Gefreiten bis zum Oberstleutnant, ihre Briefe und Unterlagen zur Verfügung gestellt. Die Folge: Wochenlang verschickte die Bundeswehr Mails, mit denen das Erscheinen der Titelgeschichte verhindert werden sollte. Unter dem Druck musste die Redaktion in 18 Fällen die Namen betroffener Soldaten zu ändern, um diese vor Repressalien zu schützen.
Mit welcher Intention und Geisteshaltung die Stabsstellen der Bundeswehr vorgingen, zeigen Mails, die dem "SZ Magazin" zugespielt wurden. "Ziel des Artikels", heißt es darin etwa, "ist es nach Aussage der Redaktion, den Lesern einen möglichst realistischen Einblick in den Alltag des deutschen Kontingents zu geben." Und weiter: "Ggf. besitzen die Journalisten bereits Kontakte zu Soldaten, die sich für das Projekt zur Verfügung stellen würden." In typischer Armee-Diktion wird nüchtern festgestellt: "PrInfoStab hat entschieden, das Vorhaben nicht zu unterstützen. Anfragen der ‚SZ‘ nach Kontakten zu Soldaten sind daher abzulehnen."
Die Redaktionsleitung des Magazins merkt dazu im Editorial an: "Uns ist nicht klar, inwiefern das Ziel, ‚einen möglichst realistischen Einblick in den Alltag des deutschen Kontingents zu geben‘, nicht vereinbar mit den Interessen des Militärs in einem demokratischen Land sein kann."
Die Gefahr, dass auch eine Wehrpflicht-Armee zumindest in ihrer Kommunikation zum "Staat im Staate" zu werden droht, scheint auch für die Bundeswehr zu gelten. Neben der äußerst lesenswerten Titelgeschichte hat das "SZ Magazin" auf der Website Sueddeutsche.de auch die Bilanz zweier Soldaten über ihre Zeit in Afghanistan aus heutiger Sicht online gestellt.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige