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ARD-App: Springer sieht „Marktverzerrung“

Der Plan der ARD, die "Tagesschau" als App aufs iPhone zu bringen, löst bei der Konkurrenz scharfe Reaktionen aus. In einer Stellungnahme von Axel Springer ist von "einer nicht tolerierbaren Marktverzerrung" die Rede. Die App gehöre "ganz sicher nicht zum Grundversorgungsauftrag". Den ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust und NDR-Intendanten Lutz Marmor fordert das Medienhaus auf, "freiwillig auf ein kostenloses Angebot zu verzichten". "Tagesschau"-Chef Kai Kniffke hatte die App angekündigt.

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"Wir haben die Ankündigung der ARD, ein kostenloses Applet der ‚Tagesschau’ in Apples AppStore anzubieten, mit Befremden zur Kenntnis genommen", heißt es in der Mitteilung von Axel Springer am Dienstag, "Wir gingen davon aus, dass die vorhandenen Gebühren schon nicht mehr zur Finanzierung des bestehenden Angebots ausreichen. Deshalb wundern wir uns, dass im Vorfeld der geplanten Gebührenumstellung das Angebot sogar erweitert werden soll.
Erst Anfang Dezember hatte Vorstandschef Mathias Döpfner angekündigt, dass Springer eine Bezahl-Offensive bei den mobilen Applikationen starten werde. Fürs iPhone hat der Konzern derzeit kostenpflichtige Angebote gelauncht. Nach einem Einführungspreis ab 79 Cent sollen Bild.de bis zu 3,99 Euro monatlich und Welt.de sogar 4,99 Euro kosten. Diese Strategie würde durch die dauerhafte Gratis-App der Öffentlich-Rechtlichen torpediert.
In der Stellungnahme von Springer heißt es weiter: "Die privaten Verlage, darunter auch unser Haus, versuchen derzeit, Qualitätsjournalismus im Netz durch den Aufbau von Bezahlmodellen zu finanzieren mit dem Ziel, die Geschäftsgrundlage für Qualitätsjournalismus in der digitalen Zukunft zu sichern und auch dauerhaft Meinungsvielfalt zu gewährleisten. Die Folge der öffentlich-rechtlichen Kostenlos-Offensive wird sein, dass private Angebote langfristig kaum noch konkurrieren können und so Vielfalt reduziert wird."
"Tagesschau"-Chefredakteur Kai Gniffke hatte die Gratis-App am Montag gegenüber der dpa angekündigt und erklärt: "Mehrere Hunderttausend iPhone-Nutzer dürfen von uns erwarten, dass wir sie auch unterwegs mit seriösen Nachrichten versorgen." Die "Tagesschau"-App des öffentlich-rechtlichen Senderverbunds werde kostenlos sein, da sie aus der Rundfunkgebühr finanziert wird.

Bedenken, das die ARD mit ihrer kostenlosen "Tagesschau"-App den privaten Verlagen Konkurrenz macht, wies Gniffke zurück. Ohne Namen zu nennen sagte er, die anderen Anbieter hätten ein anderes inhaltliches Portfolio. Er sprach in diesem Zusammenhang davon, dass "Tagesschau.de" das "Hartholz" der Branche anbiete. Beauty-Rankings und Promi-Fotostrecken werde es bei der ARD-App nicht geben. Gniffke: "Die leichten Themen können andere besser, würden wir da mitmischen wollen, wären wir nicht mehr unverwechselbar."

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