Yuri Milner: Ein Russe erobert das Web

In Russland entsteht ein neuer Internetriese: Digital Sky Technologies (DST). Spätestens seit dem ersten Facebook-Investment im Mai dieses Jahres kennt man auch im Westen Yuri Milner, den Mann hinter der russischen Beteiligungsgesellschaft, die ihren Anteil an dem Social Network kürzlich um rund 300 Millionen Dollar aufgestockt hat. In Osteuropa und Russland erreicht DST mit seinen Beteiligungen etwa 300 Millionen Nutzer. Jetzt bereitet Milner den Sprung in die westlichen Märkte vor.

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Der 48-jährige Betriebswirt ist Gründer und Vorstandsvorsitzender bei der Digital Sky Technologies Holding. In seiner Funktion als CEO hat er bereits mehr als zwei Dutzend Investments in Internetfirmen eingefädelt. Über eine Milliarde Dollar gab die russische Beteiligungsgesellschaft in acht Finanzierungsrunden aus. Milner studierte in Moskau zunächst Physik, ehe er 1990 das Fach wechselte und sich an der renommierten Wharton School of Business in Pennsylvania in die Feinheiten des Kapitalismus einführen lies.

Anschließend arbeitete er für die Weltbank, wo er für den russischen Finanzsektor zuständig war.1996 kehrte Milner in seine Heimat zurück, um in der Post-Sowjet-Zeit die "Vorteile der geöffneten Märkte zu nutzen". Dort machte er sich im Web-Geschäft einen Namen, indem er den russischen Email-Client Mail.ru übernahm. Milner zeigte, dass er auch vor unbequemen Maßnahmen nicht zurückschreckt. An seinem ersten Tag feuerte er 80 Prozent der Belegschaft, ehe er Mail.ru, das heute in Osteuropa auch als das "Yahoo Russlands" bekannt ist, zwei Jahre später in die schwarzen Zahlen führte. 

2005 gründeten er und sein Partner Gregory Finger die Internetholding Digital Sky Technologies, die inzwischen über ein sehr großes Beteiligungsnetz aus Web-Unternehmen verfügt. Als weitere Gesellschafter sind unter anderem der russische Oligarch Alisher Usmanov sowie die Investmentbanken Renaissance Partners und Goldman Sachs beteiligt.

Zum Portfolio der Gesellschaft gehören neben Mail.ru, der Facebook-Klon Vkontakte.ru und die Online-Spiele-Gruppe Astrum Online Entertainment. Nach eigenen Angaben decken die DST-Sites annähernd 70 Prozent der Seitenaufrufe im russischsprachigen Internet ab.

Die Hintergründe zum Einstieg bei Facebook sind bislang noch relativ unklar. Milner sitzt im Aufsichtsrat des Facebook-Klon Vkontakte.ru. Daher wäre es denkbar, dass der DST-Boss mit dem Investment die Facebook-Verantwortlichen milde stimmen will, um einem möglichen Rechtsstreit aus dem Weg zu gehen. Dafür spräche die Höhe der Beteiligung, die sich zu einem Unternehmenswert von zehn Milliarden Dollar hochrechnen lässt, wohingegen westliche Risikokapitalgeber Facebook eher mit drei bis vier Milliarden Dollar bewerteten.

Eins steht fest: DST ist auf dem Sprung in die westlichen Märkte, eine Dependance in London wurde bereits eröffnet. Sollte die Holding einen Börsengang in Großbritannien anstreben, dürfte ein interessanter Player entstehen mit über 300 Millionen Nutzern weltweit. 

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