Markworts guter Vorsatz: Öfter denken

Noch-"Focus"-Chef Helmut Markwort hat das erste große Interview gegeben – seit der Bekanntgabe, dass er sich im kommenden Jahr auf die Rolle des Herausgebers zurückzieht. Das ausführliche Gespräch fand jedoch nicht mit einem Nachrichtenmagazin, einer Tageszeitung oder einem Medien-Branchendienst statt, sondern mit dem bayerischen Jugendradio egoFM. Bei dem Talk ging es dann auch naturgemäß weniger um die künftige Ausrichtung des "Focus", die aktuelle Auflagenschwäche oder gar die Print-Krise.

Anzeige

Noch-"Focus"-Chef Helmut Markwort hat das erste große Interview gegeben – seit der Bekanntgabe, dass er sich im kommenden Jahr auf die Rolle des Herausgebers zurückzieht. Das ausführliche Gespräch fand jedoch nicht mit einem Nachrichtenmagazin, einer Tageszeitung oder einem Medien-Branchendienst statt, sondern mit dem bayerischen Jugendradio egoFM. Bei dem Talk ging es dann auch naturgemäß weniger um die künftige Ausrichtung des "Focus", die aktuelle Auflagenschwäche oder gar die Print-Krise.

Stattdessen wurden die Verdienste der Vergangenheit beschworen und viel Privates gefragt. Warum er sich denn überhaupt zurückziehe, war die erste Frage der jungen Moderatorin. Markwort: "Es gehört zu den Erfolgsregeln eines tüchtigen Managers oder Unternehmers oder Verlegers, dass er auch seine Nachfolge regelt." Dann folgte schon der Blick in die Vergangenheit. Ja, es habe viele Anfeindungen gegeben, keine habe sich vorstellen können, dass es in Deutschland möglich ist, ein zweites Nachrichtenmagazin zu gründen, die Zahl der Gegner, Feinde und Pessimisten sei riesengroß gewesen, doziert Markwort. Aber es habe geklappt.

Seine TV-Sendung beim Bayerischen Rundfunk und seinen Job als Geschäftsführer bei Burda Broadcast wolle er auch nach seinem Rückzug als Chefredakteur weitermachen, sagte der Erste Journalist des Hauses Burda, denn er habe ja kein Hobby, beschäftige sich lieber mit Neuigkeiten, Aktualitäten. Weiter im vorweihnachtlich-besinnlichen Frage-Reigen. Mal über den Weihnachtsmarkt laufen, mal einen Glühwein trinken, ist das überhaupt noch drin? Er nehme es sich vor, seufzt Markwort. Wenn da nur die vielen Termine nicht wären. Seine Sekretärin habe er fürs kommende Jahr damit beauftragt, ihm zwei bis dreimal pro Woche einfach nur "Denken" in den Terminkalender zu schreiben. Dazu komme er sonst ja kaum noch.

Auch Markworts Lebensgefährtin, "Bunte"-Chefin Patricia Riekel, kommt vor, wenn auch nicht namentlich genannt. Beide hätten soviel zu tun, dass sie sich kaum noch sehen, "höchstens mal nachts am Kühlschrank". Nächste Frage: "Können Sie im Urlaub abschalten?" Ach Urlaub! Markwort kann sich gar nicht daran erinnern, wie das ist. 394 Tage Urlaub habe er noch auf seinem Zettel stehen sagt der "Focus"-Gründer und bekennt daher wenig überraschend: "Ich bin kein Urlaubsfanatiker." Stattdessen kaufe er gerne Bücher. Gerade habe er wieder sieben Stück gekauft, die kämen jetzt zu den 15.000, die er schon besitze.

"Wie schön", sagt die junge Moderatorin immer wieder mal zwischendurch und man wundert sich schon ein bisschen. Nicht etwa, dass zu erwarten wäre, dass die Moderatorin eines Jugendsenders, der sich an 14- bis 20-Jährige richtet, sich nun plötzlich nach der sinkenden Auflage, der Print-Krise oder dem anstehenden "Focus"-Relaunch erkundigen sollte. Das interessiert die Zielgruppe des Senders egoFM gewiss nicht. Aber andererseits: Ob sich die 14- bis 20-Jährigen so brennend dafür interessieren, dass Helmut Markwort 15.000 Bücher besitzt und nicht zum Bummel über den Weihnachtsmarkt kommt, ist dann vielleicht auch ein bisschen fraglich.
Die eigentliche Frage lautet also: Warum macht ein Jugendsender wie egoFM überhaupt ein so langes Interview mit dem "Focus"-Mann? Vielleicht, weil dem der Sender gehört? Gesellschafter von egoFM sind neben Studio Gong, an dem auch Markworts Medienpool GmbH beteiligt ist, die Burda Media Holding. Man blieb also gewissermaßen unter sich.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige