Focus Online: Werbung in eigener Sache

Die großen deutschen Verlagshäuser verdienen ihr Geld nicht nur mit Nachrichten, sondern zunehmend auch mit kommerziellen Services und Beteiligungen. Zum Burda-Verlag, der auch den "Focus" herausgibt, gehört unter anderem die Tomorrow Focus AG. Zu ihren digitalen Marken gehören zum Beispiel die Internetauftritte der Zeitschriften "Focus" und "Fit For Fun", aber auch die Partnerbörse Elitepartner.de. Für diese rührt die Tomorrow Focus AG mit ihren Marken Focus Online und fitforfun.de kräftig die Werbetrommel.

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Mit dem breit aufgestellten Portfolio ist Burda kein Einzelfall: So gehört dem Springer-Konzern eine Catering- und Eventfirma, die das „Paparazzi Restaurant“ in der Axel-Springer-Passage in Berlin betreibt. Die Gruner & Jahr-Tochter G + J Corporate Editors produziert Magazine für Volkswagen oder die Deutsche Bahn. Zum Holtzbrinck-Portfolio gehört das StudiVZ und die Partnerbörse Parship.

Doch die Münchner sind besonders geschickt im "Cross-Promoting" der Themen. Allein auf der Domain focus.de erhält man bei Google für den Suchbegriff „elitepartner.de“ 45.000 Treffer. Auf Focus Online ist zu lesen: „Warum ElitePartner? – 5 Gründe für mehr Erfolg mit ElitePartner“. Auf der selben Seite heißt es: „Zahlreiche Testsiege und 1. Plätze für ElitePartner.de“. Die Seite ist Teil des normalen redaktionellen Teils des Nachrichtenportals und nicht mit einem Hinweis wie „Werbeanzeige“ versehen. Das, obwohl Elitepartner eine Marke der Tomorrow Focus AG ist, die auch Focus Online herausgibt. Ziffer 7 des Pressekodex, der sich mit der „Trennung von Werbung und Redaktion“ befasst, sieht eigentlich vor: „Bei Veröffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages betreffen, muss dieses erkennbar sein.“

Jochen Wegner, Chefredakteur von Focus Online, teilte auf Anfrage mit: „Wenn wir über Beteiligungen der Tomorrow Focus AG, die auch Focus Online herausgibt, berichten, kennzeichnen wir das grundsätzlich mit einem kurzen Disclaimer unter den Artikeln.“ Man habe die Beiträge im Angebot nun „noch einmal überprüft und den Hinweis in einigen Fällen nachgetragen“.

Die Geschäfte der Tomorrow Focus Portal GmbH führt der Focus Online-Chefredakteur Jochen Wegner in Personalunion. Eine Gefahr für seine journalistische Unabhängigkeit sieht Wegner nicht: „Die Gefahr würde dann bestehen, wenn der Geschäftsführer tatsächlich die Oberhand über den Chefredakteur gewinnen würde.“ Im Fall von Focus Online kenne der geschäftsführende Chefredakteur den Wert seiner journalistischen Unabhängigkeit „einfach etwas genauer als viele Kollegen“, so Wegner.

Seit Februar 2008 berichtete Focus Online über insgesamt fünf verschiedene Umfragen von Elitepartner.de – jeweils ohne entsprechenden Hinweis auf die wirtschaftliche Verbindung. Im Juli enthielt sogar die "Focus"-Printausgabe eine Meldung zu einer „Umfrage der Partnervermittlungsagentur ElitePartner.de“. Cornelia Tiller, Pressereferentin bei der Focus Magazin Verlag GmbH erklärte auf Nachfrage: „Wenn es interessante Ergebnisse aus Umfrage gibt, die unsere Leser interessieren könnten, schreiben wir darüber im Heft“. Selbstverständlich achte man „immer darauf, transparent zu berichten und gerade im Falle von Beteiligungen unseres Unternehmens diese auch zu erwähnen“. In diesem Fall sei dies „wohl aus Platzgründen ausnahmsweise nicht möglich gewesen“, so Tiller. Auch im April nahm Focus Online Bezug auf eine "Focus"-Meldung, die sich auf eine Elitepartner-Umfrage berief. Ob es hier einen entsprechenden Hinweis gab und ob noch weitere derartige Artikel veröffentlicht wurden, konnte die "Focus"-Sprecherin auf Anfrage nicht sagen.

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