Bertelsmann-Chef sieht Talsohle erreicht

Im ersten Interview nach dem Tod des Patriarchen Reinhard Mohn gibt sich Bertelsmann-Vorstandschef kämpferisch und optimistisch. Für die Branche sieht er gute Wachstumschancen, er sagt: "Medienunternehmen werden wieder sexy werden." Nach dem beispiellosen Sparprogramm und "harten Entscheidungen" sieht sich der Bertelsmann-CEO mit einem "robusten Portfolio" gut für die Zukunft gerüstet. Hart ins Gericht geht Ostrowski mit der Krisenstimmung: "Wir sollten aufhören, die eigene Branche schlechtzureden."

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Hartmut Ostrowski über die Finanzlage bei Bertelsmann:

Er könne einen Gewinn für 2009 nicht ausschließen, sagte Ostrowski jetzt gegenüber der "Welt am Sonntag". Das ist eine Verbesserung der Einschätzung. Vor kurzem noch wurde damit gerechnet, dass Bertelsmann 2009 rote Zahlen schreibt. Der Schuldenstand von Bertelsmann sei zum Jahresende zudem niedriger als zu Jahresbeginn. Die Verbindlichkeiten würden aktuell auf dem Stand von 2005 liegen. Ostrowski: "Unsere Branche hat besser als erwartet auf die Krise reagiert. Und die Renditen sind auch immer noch höher als in manch anderen Industriezweigen. Medienunternehmen werden wieder sexy sein."

Ostrowski über das TV-Geschäft:

Die RTL Group sei führend im klassischen Programmfernsehen und in der Produktion. Im TV-Bereich habe es in Sachen Werbung eine kleine Jahresend-Rallye gegeben. Womöglich resultiert daraus auch die leicht verbesserte Prognose in Bezug auf das Ergebnis. Er gehe im Prinzip davon aus, dass in der Sparte TV die Talsohle erreicht sei. Fernsehen werde immer mehr geschaut, nicht nur über Kabel und Satellit, sondern auch im Internet und auf Mobilgeräten. Dies bietet laut Ostrowski gute Chancen für Werbung. "Wer bei den Inhalten führend ist, und das sind wir mit RTL, wird gute Geschäfte machen", so der Bertelsmann-Chef. Die Werbung werde sich im TV-Segment eher erholen als bei den Zeitschriften.

Ostrowski über das Zeitschriften-Geschäft:

Bei der Zeitschriftentochter Gruner + Jahr sehe es schwieriger aus als bei den anderen Unternehmenssparten, bekannte Ostrowski. Man werde aber auch künftig mit Zeitschriften ein ordentliches Ergebnis erwirtschaften, wenn man sich auf das Kerngeschäft besinnt. "Wir werden uns also auf die starken Produkte konzentrieren, in einer Kombination von On- und Offline", sagte er. Als Beispiel führte er die Fusion der G+J-Wirtschaftsredaktionen an. Hier produziere G+J heute mit weniger Redakteuren weiterhin Qualitätsprodukte, die sogar besser seien als vorher. Man könne Zeitungen und Zeitschriften nicht mehr produzieren wie vor zehn Jahren. Die Produktion müsse heute effizienter gestaltet werden. Das schaffe Freiräume für herausragende Reporter, könne aber auch Arbeitsplätze kosten. Die Frage, ob die G+J Wirtschaftspresse zum Verkauf stehe, verneinte Ostrowski.

Ostrowski über das Buch- und Dienstleistungsgeschäft:

Der Buchverlag Random House sei führend bei der Entwicklung junger Autoren und bei E-Books, die Service-Tochter Arvato habe Wachstum als "Bestandteil der DNA". Mehr sagte Ostrowski zu diesen beiden Konzernteilen nicht.

Ostrowski über das Digital-Geschäft:

Ostrowski lobte das Video-on-demand-Angebot rtl.now im Internet. Das sei ein vielversprechender Kanal. Außerdem erwähnte er den Erfolg des Sozialen Netzwerks wer-kennt-wen.de, RTL.de und der iPhone-App von "Wer wird Millionär?". Ostrowski forderte eine Lockerung von starren Werbevorschriften. Bei mobilen Endgeräten sieht Ostrowski, ganz im Trend, die Zahlungsbereitschaft der Nutzer am größten. Letztlich gehe es darum, "einzigartige Inhalte zu schaffen".

Ostrowski über sein Selbstverständnis:

Ostrowski bekennt, dass ihm die allzu forschen Wachstumsprognosen zu seinem Antrittsbeginn mittlerweile leid tun. Diese seien als "Aufruf zur Arbeit" gedacht gewesen. Als Vorbilder seien ihm grundsätzlich Manager und Unternehmer sympathisch, die langfristige Erfolge vorweisen können und sich nicht für kurzfristige Erfolge feiern lassen und dann abtauchen. Er selbst fühle sich weder als Visionär noch als Sanierer sondern als Unternehmer. Auf den Einwurf der "WamS", dass er aber kein Unternehmer, sondern angestellter Manager sei, entgegnet Ostrowski: "Ich fühle mich als Unternehmer, das zählt."

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