Anzeige

Robert Basic probt den Ausverkauf

PR-Stunt oder Geldnot? Der bekannte Blogger Robert Basic verkauft nach seinem Blog Basicthinking nun auch seinen Twitter-Account @RobGreen. Den Verkauf begründet er damit, dass er für sein Projekt Buzzriders "Finanz- und Sachmittel" aber auch "Buzz", also PR, brauche. Der Verkauf wird diesmal nicht über eBay, sondern via Mail abgewickelt. Die Aktion findet im Web ein überwiegend kritisches Echo. In den Kommentaren zu seiner Verkaufsankündigung wird Basic unter anderem als "Social-Media-Nutte" beschimpft.

Anzeige

Aber auch sachlichere Kommentatoren äußern sich kritisch. War der Blog-Verkauf von Basicthinking noch halbwegs nachvollziehbar, so wirkt der Verkauf des eigenen Twitter-Accounts wie eine Verzweiflungstat. Immerhin ist die persönliche Bindung an den Autoren bei Twitter noch viel stärker ausgeprägt als bei einem Weblog. Ob sich die etwas über 5.000 Follower von Basic bei Twitter einfach so "verkaufen" lassen, ist fraglich. Zudem verkauft Basic "nur" seine Gefolgschaft und noch nicht einmal den Namen. Seinen Twitter-Namen @RobGreen will er offenbar behalten, der soll nach dem Verkauf als frischer Account wieder bei 0 Followern und 0 Tweets stehen.

Am 15. Januar 2009 verkaufte Basic nach einer riesigen PR-Welle sein Blog Basicthinking an Serverloft.de, ein Tochterunternehmen des Hosting-Spezialisten Intergenia. Seither kümmert sich ein Autorenteam um das Weblog und schreibt weiter engagiert zu IT- und Web-Themen. Die Leserzahlen sind seit dem Verkauf sogar gestiegen. Basic wertet dies als gutes Zeichen für einen Verkauf seines Twitter-Kontos. Der PR-Rummel um den neuerlichen Verkauf soll Basics Web-Projekt Buzzriders zu Gute kommen. Buzzriders ist der Versuch, eine Art hyperlokale Community- samt Nachrichtendienst aufzubauen. Städte und Gemeinden sollen eigene Community-Seiten mit Lokalnachrichten bekommen und Bürger-Reporter sollen 90-sekündige Videos machen, Basic nennt das die "vor-Ort-Tagesschau". Klingt alles relativ wenig konkret und griffig.

Mit der etwas einfallslosen Wiederholung des Verkaufs-Tricks vom Januar dürfte auch die Menge des PR-"Buzz" und vor allem der Erlöses deutlich geringer ausfallen. Während der Blog-Verkauf noch mit echtem Interesse und zahlreichen Geboten begleitet wurde, machen sich die meisten über den Twitter-Account-Verkauf eher lustig. Web-Irokese Sascha Lobo, der mit über 23.000 Followern über eine noch weitaus größere Fan-Gemeinde als Basic verfügt, twitterte trocken: "Ich spiele mit dem Gedanken, meinen Twitteraccount zu verkaufen; Mindestgebot sind sieben Schrillionen Euro."

Basic selbst bewirbt Twitter als "ein zunehmend beliebtes Medium, um Menschen zügig und prägnant auf dem Laufenden zu halten. Es wird verstärkt von Unternehmen unterschiedlichster Branchen als ein idealer Kanal wahrgenommen, um ihre Kunden zu erreichen." Mit der Beschreibung will er wahrscheinlich einen Geld-Wert für sein Twitter-Konto rechtfertigen. Als Summe wirft er beispielhaft 50.000 Euro in den Raum. Dass er soviel mit einem Verkauf erzielt. dürfte Basic selbst nicht glauben, immerhin hat der Verkauf seines Weblogs "nur" 46.900 Euro gebracht.

Ein Beispiel, was mit dem Verkauf eines Twitter-Accounts zu erzielen ist, bietet Andrew Baron, der Gründer des in den USA populären Video-Podcasts "Rocketboom". Er versteigerte seinen Twitter-Account mit rund 1.400 Followern 2008 für etwas über 1.100 Dollar. Allzu weit dürften Finanzmittel dieser Größenordnung Basic und seine Buzzriders nicht tragen. Basic bietet denn auch großzügig an, dass der Käufer die Summe gerne verdoppeln darf, dann wird er sogar noch als Sponsor genannt. Aber man darf Basic auch so Sponsorengeld geben, ohne den Twitter-Account kaufen zu müssen, schreibt er weiter. Bei solchen Sprüchen fühlt man sich an jene Zeitgenossen erinnert, die in Berlin U- oder S-Bahnen besteigen, kurz aufspielen, mit dem Hut rumgehen und wieder abtreten. Robert Basics PR-Musik hat eine ähnliche Qualität.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige