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Das Lieblings-Spiel der Web-Bosse

Tagsüber lenken sie Millionen Dollar schwere Web-Firmen, abends treffen sie sich mit Würfel und Kärtchen und spielen "Die Siedler von Catan". Das deutsche Brettspiel hat es laut "Wall Street Journal" zum Kult unter Web-CEOs gebracht. Mittlerweile werden sogar schon Business-Deals bei einer Runde "Siedler" abgeschlossen und neue Mitarbeiter werden erst einmal zu einer Spiele-Runde aufgefordert. Als besonders "Siedler"-verrückt gilt Reid Hoffman, Gründer der Business-Comunity LinkedIn.

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Aber auch John Lilly, Chef der Firefox-Firma Mozilla, soll dem Spiel sehr zugetan sein und bei Facebook gibt es offenbar jeden Mittwochabend Mitarbeiter-Turniere mit "Die Siedler von Catan". Auf Englisch heißt das Spiel "Settlers of Catan" oder einfach nur kurz "Settlers". Mark Pincus, CEO der erfolgreichen Social-Gaming-Firma Zynga (Farmville, Mafia Wars), spielt "Siedler" nach eigenem Bekunden immer zuerst mit neuen Mitarbeitern. "Das ist für uns wie Golf. Keiner von uns hat Zeit für ein 18-Loch-Golfmatch, aber wir kommen zurecht mit einer Pizza und einem Brettspiel", wird er im "Wall Street Journal" zitiert. "Settlers ist definitiv das neue soziale Live-Netzwerk für unsere Szene", so Pincus.

"Die Siedler von Catan" wurde 1995 erstmals in Deutschland veröffentlicht, erfunden wurde es vom Spiele-Designer Klaus Teuber. Dessen Sohn Guido lebt in Kalifornien. Er berichtet, dass die US-Verkäufe von "Siedler" um 2007 und 2008 ihren Höhepunkt erreicht hätten. Seit der Erstveröffentlichung sei das Spiel über 15 Millionen mal verkauft worden. Mittlerweile gibt es auch zahlreiche Ableger, u.a. als Kartenspiel und als Computerspiel. Seit einiger Zeit gibt es die "Siedler" sogar als App für das iPhone.

Die elektronischen "Siedler"-Varianten erfreuen sich bei den Web-Heads auch großer Beliebtheit – meist zu Trainingszwecken. So habe sich Ben Elowitz, der CEO des Startups WetPaint.com aus Seattle, aus dem erlauchten Kreis der "Siedler" spielenden Bosse regelrecht ausgeschlossen gefühlt. Seine Anfragen, in einen "Siedler"-Spielkreis aufgenommen zu werden, wurden abschlägig beschieden. Zu unerfahren, lautete das Urteil der "Siedler"-Profis. "Siedler"-Anfänger wenden sich also den Online-Versionen zu, um die nötige Spielpraxis zu bekommen, damit sie sich nicht als peinliche Brettspiel-Banausen outen.

Was fasziniert die Web-Bosse an "Die Siedler von Catan"? LinkedIn-Gründer Hoffmann sagt im "WSJ", das Spiel fordere die gleichen Fähigkeiten, die man auch als Unternehmer braucht. Das Spiele bringe die Spieler dazu, zu kooperieren und Ressourcen zu teilen, um Punkte zu gewinnen. Der Zufalls-Faktor des Würfels zwingt wiederum dazu, ständig die eigene Strategie zu ändern und anzupassen. "Das ist ziemlich genau so, wie wenn man ein Startup führt", zitiert das "WSJ" Reid Hoffmann.

Guido Teubner bekennt, dass er zunächst überrascht war von dem Erfolg, den das Brettspiel bei den Internet-Managern hat. "Aber dann sahen wir, wie diese Leute den ganzen Tag vor dem Monitor hocken und wie sehr sie echte soziale Kontakte brauchen", sagt er. Auch der digitale Mensch braucht eben kleine analoge Fluchten.

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