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Schlammschlacht der US-Zeitungsriesen

In New York ist ein neuer Zeitungskrieg entbrannt: Am Wochenende hatte "NYT"-Kolumnist David Carr dem "Wall Street Journal" vorgeworfen, seit der Übernahme durch Rupert Murdoch deutlich nach rechts gerückt zu sein und vor allem mit Anti-Obama-Schlagzeilen den Verkauf zu steigern. "WSJ"-Chefredakteur Robert Thomson kontert den Vorwurf und wirft den Verantwortlichen der "Grey Lady" eine Schmutzkampagne vor. Bei der "New York Times sei man "neidisch auf den Erfolg des 'Journals'", erklärte Thomson.

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Der Artikel in der "New York Times" ist eine Standortbestimmung des Konkurrenzblattes zwei Jahre nach der Übernahme durch Rupert Murdochs News Corp. Das "Journal" sei nachrichtlicher geworden und in den Analysen nicht mehr so tief. Vor allem aber sei Murdoch vielmehr daran interessiert, selber "Politik zu machen", als darüber zu berichten, so Carr.

Der Medienmogul ist für seine extrem konservativen Ansichten bekannt. Murdoch war in der Vergangenheit mehrfach dafür kritisiert worden, mit seinem TV-Sender Fox-News eine Anti-Obama-Kampagne zu fahren. Diese Attitüde äußere sich auch in Artikeln des "Wall Street Journal", findet Carr. Überschriften in der Berichterstattung über die Reform des Gesundheitswesens seien politisch übermäßig aufgeladen gewesen. Auch wurde im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Immobilienkrise mit "Todessteuern" ("death taxes") getitelt.

Das "WSJ" lies die Vorwürfe nicht lange auf sich sitzen. Am Montag äußerte sich Chefredakteur Robert Thomson zu den Vorwürfen Carrs. Dieser bliese ins selbe Horn wie der "NYT"-Chefredakteur Bill Keller, der angeblich sogar schon versucht haben soll, ein Preiskomittee zu ungunsten des "Journal" beeinflusst zu haben. Anstand spiele bei der "New York Times" keine Rolle, so Thomson.

Verschiedene US-Medien gingen diesem Vorwurf nach und fragten etwa beim John Murphy Award oder bei Pulitzer nach, ob dies bestätigt werden könnte. Während die John Murphy Award-Chefin Cyndi Brown erklärte, dass es keine solche Einflussnahme seitens Bill Kellers gegeben habe, wollte sich das Pulitzer-Komitee zu solchen Korrespondenzen nicht äußern.

Unterdessen schaltete sich der attackierte "NYT"-Chefredakteur Keller in die Diskussion ein. Er verteidigte den Artikel seines Redakteurs: "Die Kolumne war überaus fair und – wenn überhaupt – wurde untertrieben."

Die verbale Auseinandersetzung der beiden Chefredakteure spiegelt einen tiefer liegenden Streit zwischen den beiden Blättern wider. In den USA gibt es keine Tageszeitung, die konservativen Meinungen mehr Platz gewährt als das "Journal". Seit der Übernahme durch News Corp ist der Ton im Konkurrenzkampf zwischen den beiden Zeitungen deutlich schärfer geworden.

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