DuMont attackiert Politik und „Spiegel“

Wenige Tage nach seinem Sohn Konstantin meldet sich auch Alt-Verleger Alfred Neven DuMont mit einem Editorial in den eigenen Blättern zum Thema Zeitungskrise zu Wort und verlangt staatliche Unterstützung für die Branche. In scharfen Worten fordert der 82-Jährige eine geringere Mehrwertsteuer für Presseerzeugnisse und weniger Kartellkontrolle. DuMont zeichnet das Bild einer "tatenlosen" Politik, der das Verstummen kritischer Öffentlichkeit recht sei. Dem "Spiegel" wirft er vor, dem "Mainstream" zu verfallen.

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Die Forderungen des Ehrenpräsidenten der deutschen Zeitungsverleger sind nicht überraschend, wohl aber der Tonfall, in dem sie vorgetragen werden. Der Text erschien am Wochenende in der "Frankfurter Rundschau", dem "Kölner Stadtanzeiger" sowie der "Berliner Zeitung". DuMont eröffnet sein Editorial mit einer rhetorischen Frage: "Gibt es einen Politiker, der in den letzten Jahren ein einziges Wort darüber verloren hat, dass er besorgt sei um den zukünftigen Lebensraum der deutschen Tageszeitungen? Antwort: Nicht bekannt, von unverbindlichen Sonntagsreden abgesehen."
Dann schwenkt DuMont zur ZDF-Affäre Brender:  Die Landespolitiker hätten "bewiesen, dass sie die Anstalten des öffentlichen Rechts fest am Wickel haben", dafür sei "schamlos"  die richtige Formulierung. Um dann zum zentralen Punkt zu kommen: "Nachdem die Anstalten des öffentlichen Rechts gebändigt sind, ist – bis auf gelegentliche Ausrutscher der Wochenzeitungen – nur noch von den Tageszeitungen eine ernsthafte kritische Haltung zu befürchten."
Besonders zwei Themen versetzen Alfred Neven DuMont spürbar in Rage: das neue NRW-Mediengesetz und das Verhalten der Kartellbehörden bei Pressefusionen. Beim – aus seiner Sicht weit verspäteten – Mediengesetz ereifert er sich über ein 25-köpfiges Kontrollgremium, das unter anderem regionale TV-Aktivitäten der Verleger überwacht: "Wohl weltweit ein Unikum, da war doch der preußische Presseoffizier, der die Zeitungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts knebelte, noch Gold dagegen."
Das Kartellamt bezeichnet DuMont als "Instrument, das die ungeliebten Tageszeitungen in Grenzen hält", dort wachten "entschlossene Juristen, die mit Eifer und geradezu mit Fanatismus den Auftrag der Politik erfüllen und das Wachstum der Verlage in und an ihren Grenzen von vornherein unmöglich machen". Eher nebenbei echauffiert sich der Verleger auch über "Spiegel" und "Zeit", die beide kürzlich Features über Einsparungen in der regionalen Zeitungslandschaft veröffentlicht haben. DuMont über den "Spiegel" : "Wer so verzerrt berichtet, setzt sich der Lächerlichkeit aus. Der ‚Spiegel‘, längst weitgehend dem Mainstream verfallen, der um sein journalistisches Profil kämpft, versucht sich hier in wilder Kollegenschelte."
Zum Schluss entwirft DuMont ein Szenario für ein Land ohne Tageszeitungen: "Es würde eine große Stille über die politische Debatte in Deutschland eintreten. Was für die politische Elite einen weitgehenden Freibrief in ihren Aktionen bedeuten würde."

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