Spiegel trennt sich von Vermarkter Schlottau

Der langjährige Chefvermarkter Christian Schlottau, 52, muss beim "Spiegel" gehen. Dies teilte das Unternehmen am Freitagnachmittag mit. Die Trennung erfolge, so der Verlag, in "bestem freundschaftlichen Einvernehmen" und sei nur durch die deutlich verschlankten Strukturen begründet. Der "Spiegel" hatte im laufenden Jahr in Folge der Konjunkturkrise rund ein Drittel seines Anzeigenvolumens eingebüßt. Die Aufgaben Schlottaus als Verlagsleiter wird künftig Gesamtgeschäftsführer Ove Saffe übernehmen.

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Gestern gefeiert, heute gefeuert: So kann es derzeit auch beim "Spiegel" gehen. Am Donnerstagabend hatte Geschäftsführer Ove Saffe zum jährlichen Marketingtreffen in den Pavillon geladen, um die Situation im auslaufenden Verlagsjahr zu referieren. Auch Schlottau war auf der Bühne und erhielt Applaus für die Anstrengungen bei der Umstrukturierung der Vermarktung, denen er nun selbst zum Opfer fällt.
Seit 1995 hatte der frühere Verlagsleiter von "Tempo" verantwortlich im Marketing der Spiegel-Gruppe gewirkt, ab 2000 führte er als Mitglied der Geschäftsleitung alle Marketingaktivitäten von Print und Online (Quality Channel). Durch die Integration beider Geschäftsbereiche zu einer Unit war zuletzt QC-Geschäftsführerin Stefanie Lüdecke gegangen worden.
Dass es nun auch den obersten Chef trifft, ist eine Überraschung. Grund ist nach Einschätzung von mit den Vorgängen vertrauten Personen das "schwer unrund laufende Zusammenführen beider Abteilungen". Dort sei es in den vergangenen Monaten zu etlichen Hakeleien und Pannen gekommen. Die Frage sei, ob Schlottau für die künftig auch sehr technisch geprägte Aufgabe als klassischer Printmann die auf Sicht nötigen Voraussetzungen mitbringe. Zudem gibt es Stimmen, laut denen das Konzept der gebündelten Verantwortung für Vertrieb (als Verlagsleiter) und Marketing nie wirklich überzeugend funktioniert habe. Diese Doppelfunktion sei "zwischen Baum und Borke" angesiedelt gewesen.
In einem Punkt sind sich alle Insider einig: Mit dem Anzeigeneinbruch hat die Demission nichts zu tun; es wäre wohl auch unfair, den branchenweiten Trend einem Vermarkter anzulasten. Ove Saffe wird der Schritt nicht leicht gefallen sein. Man kennt sich gut aus gemeinsamen Jahren und hat eng bis freundschaftlich zusammengearbeitet. Der Spiegel-Gesamtchef wird in seiner zusätzlichen Aufgabe als Verlagsleiter nun auch Erfahrungen sammeln, wie diese Führungsebene künftig gestaltet werden soll. Saffe bleibt mit der Entscheidung seinem Entscheidungsstil treu, in den Strukturen der Mediengruppe nicht zwingende Hierachiepositionen abzuschaffen. Dies hat er vor Jahresfrist bereits beim "Manager Magazin" gezeigt.
Der Verlag teilt zu den Hintergründen Folgendes mit: „Der Wegfall dieser Position ist ausschließlich vor dem Hintergrund der neuen, schlankeren Strukturen zu sehen. Christian Schlottau hat seit 1995 in leitenden Funktionen für die Spiegel-Gruppe gearbeitet. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die journalistischen Marken unseres Hauses sowohl im Vertriebs- als auch im Anzeigenmarkt erfolgreich entwickelt haben und auch in den schwierigen wirtschaftlichen Zeiten der letzten Monate hervorragend behaupten konnten", sagt Saffe. "Ich danke Christian Schlottau für sein überaus großes Engagement und wünsche ihm für seine private und berufliche Zukunft alles Gute."
Alleinverantwortlich für die Vermarktung ist nun Norbert Facklam, der zuvor an Schlottau berichtet hatte.

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