Naumann macht’s: Kurswechsel bei „Cicero“

Der Nachfolger von Wolfram Weimer als Chefredakteur von "Cicero" steht fest. Die Personalie ist eine Überrraschung: Michael Naumann, seit Anfang 2001 Chefredakteur und seit 2004 Herausgeber der Zeit, wird ab 1. Februar 2010 als Chef antreten. Die Zeitschrift erscheint bei der Ringier Publishing GmbH, der deutschen Tochter des Schweizer Ringier Verlags. Damit ist Weimer frei für seine Aufgaben bei Burda, wo sich der 45-Jährige auf seinen Job beim "Focus" vorbereit. Und "Cicero" dürfte vor einem Kurswechsel stehen.

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Christian Unger, CEO der Ringier AG, freut sich, mit Michael Naumann einen so ausgewiesenen und erfahrenen Journalisten für Cicero und Ringier gewonnen zu haben: «Cicero hat sich zu einer der wichtigsten meinungsbildenden Zeitschriften Deutschlands entwickelt. Unter Michael Naumann wird dieser Erfolg weiter ausgebaut.» Seine neue Aufgabe kommentiert Naumann: «Cicero ist eine anspruchsvolle, ernst zu nehmende und erfolgreiche Zeitschrift, die von mir nicht neu erfunden werden muss.»

Michael Naumann hat 1969 in München als Politikwissenschaftler promoviert und hat sich nach einem Forschungsaufenthalt (1976 bis 1978) in Oxford habilitiert. Zuletzt machte er als Politiker von sich reden: Der SPD-Spitzenkandidat unterlag bei der Hamburger Bürgerschaftswahl 2008 gegen Amtsinhaber Ole von Beust.
Was bedeutet die Personalie? Der Chef-Wechsel ist so etwas wie ein "Kulturbruch" in der politischen Ausrichtung des Magazins: Auf den liberal-konservativen Wolfram Weimer folgt mit Michael Naumann ein Links-Intellektueller. Damit scheint klar, dass sich "Cicero" künftig auch als kritischerer Begleiter der bürgerlichen Regierungskoalition in Berlin verstehen wird. Konzernintern dürfte sich damit der einflussreiche Berater von Verleger Michael Ringier, Frank A. Meyer, durchgesetzt haben, der diesen Richtungswechsel seit längerem befürwortet. Dies hatte der "Spiegel" bereits Mitte November berichtet und damals als möglichen Kandidaten den Springer-Chefkommentator Alan Posener genannt.
Der Zeit-Verlag teilte auf MEEDIA-Anfrage mit: "Zum 31. Januar 2010 wird Michael Naumann sein Amt als Herausgeber der ‚Zeit‘ niederlegen."
Über die Vita und die Gründe, die zu seiner Berufung auf den Chefposten von "Cicero" führten, teilt Ringier mit: "Michael Naumann verfügt als Gründungsredakteur des ‚Zeitmagazins‘ und später als Herausgeber von ‚Der Monat‘ und Kursbuch über Erfahrungen in der Redaktion und Produktion von Magazinen. Seine journalistische Laufbahn führte ihn vom Volontariat im ‚Münchner Merkur‘ über ‚Die Zeit‘ zum ‚Spiegel‘. Dort führte er von 1983 bis 1985 das Auslandsressort, ehe er als verlegerischer Geschäftsführer zum Rowohlt Verlag wechselte. In New York gründete Naumann den Verlag Metropolitan Books (1994) und führte dann als CEO den Verlag Henry Holt, Inc. bis 1998, um schliesslich als erster Staatsminister für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt bis Ende 2000 zu arbeiten. Nach der Wahlniederlage 2008 arbeitete Naumann erneut für die ‚Zeit‘."

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