Der WAZ-Mann und der Weihnachtsmann

Die WAZ-Gruppe kommt auch kurz vor Weihnachten nicht zur Ruhe. Die Berufung von "WAZ"-Chef Ulrich Reitz zum neuen Leiter von derwesten.de sorgt für neues Grummeln in der Belegschaft. Nikolaus Brender wird Anfang nächsten Jahres vom "Medium Magazin" als "Journalist des Jahres" geehrt - hoffentlich interessiert sich dann noch jemand dafür. Die neuen Internet-Dienste Foursquare und Gowalla überfordern nicht nur Frank "Payback" Schirrmacher und USA-Militärs verfolgen den Weihnachtsmann bei Google Earth.

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Dieses Internet-Dings wird immer verrückter. Als neuste heiße Kiste gelten die Ortungs-Dienste Foursquare und Gowalla. Soweit ich das begriffen habe, checkt man sich damit in Kneipen, Restaurants, Flughäfen, Saunas usw. ein und jeder der eigenen Walla-Kumpels, Square-Köpfe oder Facebook-"Freunde" kann das dann lesen. Sorry, aber da hakt es auch bei mir aus. Als nicht digital Eingeborener schrammt man ja schon mit Twitter immer nur haarscharf an Rande des Kommunikations-GAUs vorbei. Ganz im Sinne vom Schirrmachers Frank, werde ich also die Souveränität über mein Kommunikationsverhalten verteidigen und die Gowalla-Welle vorbeischwappen lassen.

Unruhige Weihnachten bei der WAZ-Gruppe. Nicht nur, dass die nächste große Stellenabbauwelle ansteht, auch beim Online-Ableger derwesten.de knirscht es. Chefredakteurin und Geschäftsführerin Katharina Borchert hat den Absprung zu Spiegel Online geschafft. Nun soll der als wenig online-affin geltende "WAZ"-Chefredakteur Ulrich Reitz die Online-Abteilung zusätzlich leiten. Den Onlinern bei derwesten.de schwant da sicher nichts Gutes. WAZ-Sprecher Paul Binder hat gegenüber Thomas Knüwer gesagt: "Wir betrachten den Westen als Investment und sehen die aufgelaufenen Verluste als zu hoch." Das alles kann nur bedeuten, dass die ambitionierten Online-Pläne der WAZ über kurz oder lang dem Rotstift zum Opfern fallen. Parallel will man aber laut Knüwer eine Regional-TV-Abteilung aufbauen. Das ist nicht nur teuer, sondern man hat auch den mit Gebühren gepäppelten Riesen-Sender WDR als Konkurrenten. Wie die von Sparwellen gebeutelte WAZ gegen den WDR anstinken will, das weiß wahrscheinlich noch nicht einmal der Weihnachtsmann.

Ob sich das geschätzte "Medium Magazin" im Klaren darüber ist, dass ihr Preis "Journalisten des Jahres" erst Anfang 2010 vergeben wird? Da ist die ganze Kiste mit dem abgesetzten Nikolaus Brender doch schon wieder durch. Wie zu erwarten war, wurde mit Peter Frey in Windeseile ein neuer ZDF-Chefredakteur ausgedeutet und es geht heiter weiter wie bisher. In ein paar Wochen redet da keiner mehr drüber. Selbst wenn Markus Schächter aus Protest zurückgetreten wäre, was niemand ernsthaft in Erwägung ziehen konnte, wäre alles weitergelaufen. Jede Wette. Man hätte halt in der ersten Jahreshälfte noch lang und breit über die neuerlichen Kungeleien beim Ausbaldowern des nächsten Intendanten lesen können. Das war’s auch schon. Der öffentlich-rechtliche Apparat hängt ganz offenbar unveränderbar am Tropf der Politik und zeigt sich in dieser Hinsicht unreformierbar. Dass Brender jetzt auch noch Preise verabreicht werden ist gut gemeint. Aber auch bestürzend sinnlos.

Auch im Internet weihnachtet es sehr. Man kann beispielsweise über die Website des Nordamerikanischen Luftabwehrkommandos (NORAD) den Weihnachtsmann orten. Der Flug des Santa Claus lässt sich auch via Google Earth mit NORAD-Ortung verfolgen. Wer jetzt denkt, dass das Internet in erster Linie Quatsch hervorbringt, der irrt. Die Typen bei NORAD orten den Weihnachtsmann schon seit 1955. Damals konnte man bei den Militärs anrufen und die aktuelle Position des dicken Santas telefonisch erfragen. Heute wird der Santa-Flug via 3D-Simulation ganz schnieke in Google Earth eingebunden. Wie kommt’s? Die Kaufhauskette Sears druckte 1955 auf einer Anzeige für eine Weihnachtsmann-Hotline versehentlich die Nummer der NORAD-Vorgängerorganisation CONAD ab. Als Kinder dort anriefen, landeten sie beim Stab des Oberbefehlshabers der us-amerikanischen Luftverteidigung. Der diensthabende Colonel Suchte daraufhin den Weihnachtsmann mit Radar. Und wie orten die jetzt den Weihnachtsmann? Zitat der Website: "Für die Ortung des Weihnachtsmanns setzt NORAD (North American Aerospace Defense Command, Nordamerikanisches Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando) vier Hightech-Systeme ein – Radar, Satelliten, Santa-Cams und Düsenjäger." Natürlich. Vielleicht ist der dicke Bärtige ja für nächstes Jahr so höflich und registriert sich bei Foursquare oder Gowalla. Dann hätten die bei NORAD vor Weihnachten auch mal frei.

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