Der neue Burda-Chef: Der stille Manager

Ein Paukenschlag zum Jahresende ist bei Burda die angekündigte Berufung von Paul-Bernhard Kallen zum Nachfolger von Hubert Burda als Vorstandschef. Kallen gilt als hoch effizienter und intelligenter Zahlenmensch und Analytiker. Damit ist er der perfekte Gegenpart zum manchmal impulsiv auftretende und überaus ambitionierten Philipp Welte, dem Verlags-Mann im Burda Vorstand. Der neue Burda-Chef Kallen ist dagegen ein zurückhaltender Zeitgenosse. Dass muss für das Unternehmen nichts Schlechtes heißen.

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Öffentliche Auftritte von Paul-Bernhard Kallen sind selten. Kaum sieht man ihn auf Partyfotos strahlen, obwohl es gerade im Hause Burda genug Gelegenheit dazu gäbe – vom Bambi über den DLD bis zur Goldenen Henne. Kallen ist den Medien-Berichterstattern in erster Linie als der freundliche Herr in Erinnerung, der bei Burda-Bilanzgesprächen kundig und unaufgeregt Zahlen vorträgt. Solche, die näher mit ihm zu tun hatten, beschreiben ihn durchweg als äußerst intelligent, gewissenhaft und sehr umgänglich.

Diese Zurückhaltung und wenig aufbrausende Art hat ihm den Ruf eingebracht, ein reiner Zahlenmann zu sein. Wer ihm böse wollte, könnte ihn vielleicht als Langeweiler abtun, aber Zurückhaltung sollte nicht immer gleich mit Langweiligkeit gleichgesetzt werden. Und an Sprücheklopfern herrscht in der Branche nun wahrlich kein Mangel. Kallen stieß vor 13 Jahren von der Unternehmensberatung McKinsey zum Burda-Konzern. Zuvor hat er in Wirtschaftswissenschaften promoviert und war Assistent der Geschäftsführung bei der Maschinenfabrik PHB Weserhütte. Solider geht’s kaum. Seit 1999 gehört Kallen zum Vorstand. Er verantwortet, wie es seiner Persönlichkeit entspricht, Technologie, Direktmarketing, das Auslandsgeschäft, die Druckerein, Digitales und die Finanzen. Das sind, wenn man das Digitalgeschäft kurz ausblendet, die Segmente, die nicht viel Sex ausstrahlen, aber Geld bringen. Man könnte auch sagen: Kallen kümmert sich Burda um das Schwarzbrot der Branche.

Ein wenig anders verhält es sich mit dem Digital-Geschäft, das bei Burda eine vielleicht noch wichtigere Rolle spielt, als in anderen Verlagshäusern. Hubert Burda war schon lange vor der New Economy ein Internet-Verrückter. Er fiel mit ersten Gehversuchen wie Europe Online oder dem Frauen-Angebot Cybil ziemlich spektakulär auf die Nase, verlor aber nie den Glauben an das noch junge Medium Internet. Zurecht, wie heute jeder weiß. Kallen war und ist der Mann, der das Digital-Geschäft für Burda mit großem Erfolg managt. Gerade dafür dürfte der Verleger ihm sehr dankbar sein.

Auf Kallens Kappe gehen die Top-Hits Holidaycheck, ein Online-Angebot, bei dem Nutzer Hotels und Ferienanlagen bewerten, und ElitePartner, eine Online-Partnervermittlung. Beides sind Zukäufe, aber beides sind rentable Web-Geschäfte. Nicht unbedingt selbstverständlich. Sein Meisterstück lieferte Kallen nun mit der Übernahme von 25,1 Prozent an dem Karriere-Netzwerk Xing. Auch dies ein profitables Unternehmen und die einzige wirkliche Erfolgsstory, die Deutschland im Web2.0 zu bieten hat.

Dass sich Kallen stets im Hintergrund hielt, ließ leicht in Vergessenheit geraten, dass Hubert Burda ihn schon immer als möglichen Konzernlenker im Blick hatte. Bereits 2006 sagte Burda im Gespräch mit der "Zeit": "Mit Paul-Bernhard Kallen ist die nächste Generation ja schon im Vorstand vertreten." Dass Kallen nach dem Abtritt von Bernd Kundrun kurzzeitig auch als neuer Gruner+Jahr-Chef gehandelt wurde spricht dafür, dass man auch außerhalb des Burda-Reichs die Führungsqualitäten des stillen Stars unter den deutschen Medien-Managern erkannt hat.

Die Berufung Kallens an die Burda-Spitze ist ein deutliches Zeichen für Kontinuität und Nachhaltigkeit in Zeiten des schnellen, digital getriebenen Wandels. Burda will seinen Verlag erklärtermaßen auch künftig als Familienunternehmen verstanden wissen. Die große Linie bestimmt ohnehin weiter er selbst. Seine beiden Kinder aus der Ehe mit der Schauspielerin Maria Furtwängler, Jakob und Elisabeth, sind erst 19 und 17 Jahre alt. Kallen ist für Burda gewiss auch ein Mann des Vertrauens für eine Übergangsphase, sollte eines der Kinder einmal Ambitionen haben, ins Mediengeschäft einzusteigen.

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