YouTube verbündet sich mit Plattenfirmen

In den USA ist mit Vevo.com ein neues Bewegtbild-Angebot für Musikvideos online gegangen. Das bemerkenswerte: Hinter Vevo stecken nicht irgendwelche Start-ups sondern die beiden Musik-Multis Sony und Universal. Auch die britische Plattenfirma EMI steuert Inhalte bei. Die Technik besorgt ausgerechnet die Google-Tochter YouTube. Geld kommt u.a. von den reichen Scheichs aus Abu Dhabi. Mit Vevo wollen die Musikfirmen den Erfolg der US-TV-Sender mit der legalen Serien-Plattform Hulu wiederholen.

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Hulu ist ein Gemeinschaftsunternehmen von NBC Universal, Fox Entertainment (Rupert Murdoch) und ABC (Disney). In den USA streamt Hulu legal aktuelle TV-Serien und Shows wie "Saturday Night Live", "The Colbert Report", "Desperate Housewives", "Lost" und viele mehr. Die Folgen sind bei Hulu.com für eine gewisse Zeit nach der TV-Ausstrahlung gratis und legal im Netz abrufbar. Finanziert wird die Site durch Werbung. Allerdings ist in der Diskussion, zumindest Teile von Hulu künftig als Bezahl-Inhalte anzubieten.

Hulu gilt wegen guter Werbe-Buchungen und hoher Zugriffszahlen als lupenreine Erfolgsgeschichte für klassische Medienhäuser im US-Web. Wegen Lizenz-Fragen ist das Angebot derzeit nur innerhalb der USA zu sehen. Außer natürlich man nutzt ein paar simple Tricks und legt sich eine künstliche neue IP-Adresse zu. Nun ist die Musikindustrie auf den Geschmack gekommen und will den Hulu-Erfolg mit Vevo nachbauen. Mit Sony, Universal und EMI sind drei der vier großen weltweiten Musikkonzerne an Bord. Nur Warner Music zickt noch. Warner ist der einzige Musikkonzern, der seine Inhalte selbst lizenzieren und vermarkten will. Warner hat u.a. A-Ha, Phil Collins, Kid Rock, Donna Lewis und REM unter Vertrag.

Bisher befanden sich Musik-Multis vor allem mit YouTube in andauernden Lizenz-Streitigkeiten. Die meisten Auseinandersetzungen sind mittlerweile beigelegt. Trotzdem verdienen die Plattenfirmen an den Musikvideoabrufen bei YouTube kaum Geld, da YouTube im Vergleich zu den Millionen-Abrufen noch kaum Werbung verkauft. Das soll sich mit Vevo nun ändern. Als erste Werbekunden sind McDonald’s, Mastercard und die Telefongesellschaft AT&T an Bord. Das Kalkül: Bei Vevo wird es nur Hochglanz-Musikvideos geben. Die oft schrägen Amateur-Videos, in denen Nutzer Lieder ihrer Lieblingsstars nachsingen und die bei YouTube gleich neben den Originalen stehen und Werbekunden verschrecken, fehlen hier.

Noch bessere Chancen für einen Erfolg dürfte sich Vevo ausrechnen, wenn YouTube Nutzer beim Aufrufen eines Original-Videos direkt zu Vevo weiterleitet. Auf diese Weise könnten beide Seiten profitieren. Auf jeden Fall ist Vevo der vielversprechendste Ansatz, den die Musikindustrie seit geraumer Zeit im Internet verfolgt. Statt sinnlose Abmahnprozesse gegen Nutzer von illegalen Tauschbörsen zu führen, wird selbst ein attraktives und legales Angebot auf die Beine gestellt. In Deutschland schauen Musikfans freilich weiter in die Röhre. Bei YouTube sind zahlreiche Original-Videos wegen Streitigkeiten mit der deutschen Gema sogar bei den offiziellen Künstler-Seiten gesperrt. Und auch Vevo wird in Deutschland vorerst nicht zu sehen sein.

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