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Studie: Fall Brender nur Nischenthema

Das Aus des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender interessiert offenbar vornehmlich Journalisten und Blogger, die breite Öffentlichkeit blieb davon recht unbeeindruckt. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie der Firma Empolis, in der für MEEDIA die Stimmen in Blogs, Nachrichtenmedien, Mikromedien wie Twitter, Foren, etc, untersucht wurden. Ebenfalls interessant: In Blogs und bei Twitter dominierte eine Protesthaltung. So fallen in diesem Zusammenhang oft Wörter wie "Einflussnahme" und "Pressefreiheit".

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Für die Studie untersuchte Empolis gemeinsam mit Prof. Hendrik Speck von der Fachhochschule Kaiserslautern in einem Zeitraum von 14 Tagen rund um den Tag der Entscheidung im Fall Brender alle verfügbaren Netzstimmen. Die ehemalige Bertelsmann-Tochter Empolis gehört gemeinsam mit der Living-e AG und der Attensity Cooperation zur Attensity Group. Empolis untersucht mit Hilfe von semantischen Informationstechnologien für Kunden das Netz und versucht z.B. herauszufinden, ob Produkte oder Firmen dort negativ oder positiv diskutiert werden.

Zur Erinnerung: Der ZDF-Verwaltungsrat entschied am 27. November, den Vertrag mit Chefredakteur Nikolaus Brender nicht zu verlängern. In die Studie flossen somit 1.507 Blog-Einträge, Nachrichten, Tweets, etc. aus dem Zeitraum vom 20. November bis 4. Dezember ein. Laut der Studie griffen Blogs das Thema Brender im Untersuchungszeitraum deutlich früher und intensiver auf als Nachrichtenmedien. In Mikromedien wie Twitter fand es hingegen kaum statt, in mainstreamigeren Foren und auf Video-Plattformen so gut wie gar nicht. 894 der 1.507 Einzelbeiträge entfielen auf Blogs, 346 auf Nachrichten, 115 auf Mikromedien, der kleine Rest auf die weiteren Plattformen. Fazit der Studie: "Die breitere Öffentlichkeit hat offenbar an der vor allem für Blogger und Journalisten interessanten Debatte nicht teilhaben können."
In den Blogs gab es bereits am 25. November, also zwei Tage vor der Entscheidung einen ersten Diskussionshöhepunkt. Blogs berichteten häufiger über den Fall als Nachrichtenmedien, auch die Zahl von Leser-Kommentaren war in den Blogs deutlich höher. Einen Anteil an dieser früheren Diskussion in Blogs dürfte laut der Studie der "offene Brief an den ZDF-Verwaltungsrat" sein, den Staatsrechtler und Blogger einige Tage vor der Entscheidung veröffentlichten. Empolis bescheinigt dem Brief allerdings eine sehr überschaubare Wirkung: "Der von renommierten Staatsrechtlern unterzeichnete Aufruf war nicht geeignet, die Stärken einer Gemeinschaft tatsächlich zur Geltung zu bringen: Der Aufruf wurde nur wenige Tage vor der Entscheidung lanciert, die Community hatte weder hinreichend Zeit sich mit dem Aufruf auseinanderzusetzen, geschweige denn sich einzubringen. Das Verschenken "sozialen Potenzials" ist direkt nachweisbar im geringen Community Engagement – aber auch in der geringen Öffentlichkeitswirkung: Der Aufruf wurde nur von wenigen Medien wahrgenommen, ihm scheint somit auch die soziale Bodenhaftung zu fehlen."

Die klassischen Medien widmeten sich im Untersuchungszeitraum erst am 27. November, dem Tag der Entscheidung, verstärkt dem Thema. Dann übernahmen sie allerdings sofort die Meinungsführerschaft, die meistkommentierten Beiträge stammten nun nicht mehr aus Blogs, sondern von Bild.de, Sueddeutsche.de und Focus Online. Dennoch stürzten sich auch die Blogger verstärkt auf das Thema, laut Studie hauptsächlich mit "Assoziationen, denen eine eindeutige Protesthaltung zu entnehmen ist". So dominierten in den Blogeinträgen Worte wie "Pressefreiheit", "Klage", "Demokratie", "Einflussnahme" bis hin zum Kunstwort "Berlusconisierung".

Schon am 4. Dezember gab es nahezu keine neuen Blog-Einträge, Tweets oder Nachrichten mehr zum Thema Brender, eine nachhaltige Wirkung blieb also aus. Nur dann, wenn es tatsächlich zu einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht kommen sollte, dürfte der Fall Brender noch einmal auf die Tagesordnung der Blogger und Nachrichtenmedien kommen. Doch auch dann wird er wohl fast nur von Journalisten und medieninteressierten Bloggern diskutiert werden.

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